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Diskussion um vermeintliche Sicherheitsprobleme bei Ryanair

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Ryanair Boeing 737NG, © Ingo Lang, edition airside
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FRANKFURT - Drei außerplanmäßige Landungen innerhalb von vier Tagen haben das Image des Billigfliegers Ryanair schwer ramponiert. Die spanische Regierung drängt wegen der Vorfälle auf mehr nationale Zuständigkeiten bei der Kontrolle ausländischer Fluggesellschaften und die sonst so angriffslustigen Ryanair-Strategen sind in der Defensive. Schon vor einigen Wochen hatten Pilotenverbände ebenfalls in Spanien das Unternehmen an den Pranger gestellt.

Der Vorwurf: Man dränge die Piloten dazu, möglichst wenig Kerosin mit auf die Reise zu nehmen. Der Verdacht steht im Raum, Ryanair nehme es wegen der Kosten mit der Sicherheit nicht so genau.

Das Misstrauen fällt beim Publikum auf fruchtbaren Boden. In ihrer Außendarstellung kennt die Fluglinie nämlich nur ein Argument, den künstlich heruntergerechneten Preis. Für 12 Euro von Bremen nach Mailand, springt es die Kunden von der Website an. Immer wieder haben die Iren sogar Sitzplätze vermeintlich verschenkt, weil sie über allerlei Zuschläge für Kreditkartennutzung oder die Mitnahme eines Gepäckstücks immer noch etwas an den Kunden verdienten und zudem Publicity suchten.

Firmenchef Michael O'Leary gefällt sich in immer neuen Vorschlägen, wie man den Passagieren während des Fluges weiteres Geld aus der Tasche ziehen könnte. Ein noch nicht umgesetzter Dauerbrenner unter seinen Vorschlägen ist der Plan, den Besuch der Bordtoilette nur noch gegen Gebühr zuzulassen.

Eine Sicherheitsdiskussion kann dem Manager nicht gefallen. Man halte sich an sämtliche Vorschriften, hat O'Leary schon nach dem Sprit-Malheur beteuert. "Ryanair hat kein positives Sicherheits-Image aufgebaut", meint hingegen der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, der die 1985 gegründete Gesellschaft allerdings für genauso sicher hält wie alle anderen großen Airlines in Europa. Ryanair könne sich einen Sicherheitsrabatt etwa bei den Wartungen seiner 294 Maschinen gar nicht erlauben, weil die Flugzeuge möglichst lange pro Tag in der Luft sein sollen, um dort Geld zu verdienen. "Das funktioniert nur mit top-gewarteten Maschinen."

Um die Arbeiten zu vereinheitlichen, setzt Ryanair einzig auf das Arbeitspferd der Branche: Die seit den 1960er-Jahren gebaute 737-Reihe von Boeing ist der am häufigsten verkaufte Passagier-Jet der Welt und zumindest in seinen modernen Ausführungen auch einer der sichersten. Ryanair wie auch der auf Airbus setzende Konkurrent Easyjet können die Vorteile einer relativ jungen Flotte ausreizen: Ihre Jets sind im Schnitt nur knapp über vier Jahre alt und damit deutlich weniger reparaturanfällig als bei den großen Netzcarriern. Zum Geschäftsmodell gehört, die mit hohen Rabatten eingekauften Jets mit nur geringen Verlusten sehr schnell weiter zu verkaufen.

Ryanair und Co. sparen noch an ganz anderen Ecken. Sie nutzen Provinzflughäfen mit möglichst geringen Gebühren, unterhalten keine aufwendige Vertriebsorganisation und bezahlen ihre Leute deutlich schlechter als beispielsweise die Lufthansa. Keine zehn Prozent des Umsatzes gehen bei den Iren für Personalkosten drauf im Vergleich zu mehr als 23 Prozent bei der Lufthansa, die in der Folge selbst nach Wegen zu einer internen Billiglinie sucht.

In den internationalen Sicherheitsstatistiken des Flugunfallbüros Jacdec (Jet Airliner Crash Data Evaluation Center) sind die Billiganbieter nicht weiter auffällig und lagen im Jahr 2011 auf den Rängen 19 (Easyjet) und 28 (Ryanair) noch vor bekannten Airlines wie zum Beispiel der Swiss, der Air France oder der spanischen Iberia. Beste deutsche Airline war Air Berlin auf Rang 9 vor der Lufthansa, die auf Platz 12 rangiert.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), bei den angeblichen Treibstoffvorgaben ein scharfer Kritiker der Billigflieger, sieht nach der Notlande-Serie bislang keine Hinweise auf strukturelle Sicherheitsprobleme. "Die Vorfälle müssen von den Behörden untersucht werden. Mehr kann man im Moment seriös nicht sagen", sagt VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg hält das Vorgehen der Ryanair-Piloten sogar für vorbildlich. Es sei allemal besser, mit Problemen während des Fluges offen umzugehen als sie zu vertuschen. "Eine Sicherheitslandung, die angekündigt ist und die von den Behörden nachverfolgt wird, ist eben auch eine wirklich sichere Landung."

© dpa | 17.09.2012 16:27




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