Interview mit Mark Lapidus
Älter als 7 Tage

"Mit 620 Sitzen ist die A380 wirtschaftlich unschlagbar"

DUBLIN - Mark Lapidus von der Leasingfirma Amedeo hat 20 neue Airbus A380 zu vermieten. Keine einfache Aufgabe. Im Interview mit aero.de spricht Lapidus über Chancen, die handfeste Absatzkrise zu beenden. Lapidus setzt auf die A380 Plus, viele Sitze im Hauptdeck - und Impulse vom Gebrauchtmarkt.

Neue Kabinen und neue Aufgaben in Asien: Qantas wird ihre zwölf A380 noch einige Jahre behalten. Acht Flugzeuge teilen hingegen das ungewisse Schicksal von Schrödingers Katze - ob der auf Eis liegende Restauftrag von Qantas nun tot oder doch noch lebendig ist, kann von außen niemand beurteilen.

Qantas Airbus A380
Qantas Airbus A380, © Ingo Lang

Zehn Jahre nach der ersten Auslieferung dreht Airbus das Programm auf kleine Flamme zurück. Die Produktion sinkt 2018 auf zwölf und 2019 auf acht Jahreseinheiten. Zeitgleich entsteht Angebot an gebrauchten Superjumbos: Singapore Airlines gibt zwischen Oktober 2017 und Juni 2018 vier A380 ab.

Der portugiesische ACMI-Spezialist Hi Fly will A380 aus Vorbesitz anmieten, auf 560 Sitze umbauen und weitervermieten. "Wir rechnen 2018 mit dem Zulauf von zwei A380, sofern die Verhandlungen erfolgreich verlaufen und uns alle Genehmigungen erteilt werden", bestätigte Hi Fly die Pläne, über die zunächst "Aerotelegraph" und "ch-aviation.com" berichteten.

Lapidus gefällt das.

Herr Lapidus, Hi Fly will zwei frühe A380 in ihre Leasingflotte aufnehmen - Konkurrenz oder Unterstützung für Ihre eigenen Bemühungen, auch neue A380 wieder salonfähig zu machen?


Der Einsatz früher A380 wird einige Herausforderungen mit sich bringen, so gesehen ist Hi Fly besonders ermutigend. Hi Flys Vorhaben ist auch insofern hilfreich, als es Kunden die Gelegenheit geben wird, zu sehen, wie gut dieses Flugzeug sein kann, wenn es richtig eingesetzt wird.

Team A380: John Leahy, Mark Lapidus und Fabrice Brégier
Team A380: John Leahy, Mark Lapidus und Fabrice Brégier, © Airbus

Außerdem könnte es neue Märkte eröffnen, an die traditionelle Airlines gar nicht denken - etwa Anreisen großer Reisegruppen zu Kreuzfahrtschiffen. Und höchstwahrscheinlich wird die A380 für religiösen Tourismus eingesetzt werden - ein Feld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Kann man mit gebrauchten Flugzeugen neue Betreiber gewinnen, die bisher den Kapitaleinsatz für neue A380 scheuen?


Der Einsatz gebrauchter Flugzeuge sollte mehreren Airlines die Möglichkeit bieten, es mit der A380 zu versuchen. Aber dabei sollte es nicht um die geringeren Kosten gehen sondern darum, ihre Augen dafür zu öffnen, dass die Erfolgschancen steigen je mehr man wagt.

Sie haben die Idee ins Spiel gebracht, neue A380 auf Basis von Blockzeiten zu vermieten. Wie haben die Airlines darauf reagiert?

Wenn es den Airlines hauptsächlich um die Kunden ginge, würden es einige mehr Emirates nachtun: die A380 einsetzen, um einen Reisemarkt für Massen zu bedienen.

Was würde es kosten, einen A380 für eine Stunde zu mieten?

Das hängt von vielen Faktoren ab, dafür kann es keine einheitliche Antwort geben. Nehmen Sie die Betriebskosten pro Stunde, fügen Sie Wartungskosten für Flugzeug und Triebwerke hinzu, die Crew plus die Umstände des Einsatzes.

Wenn Sie eine A380-Kabine unter rein kommerziellen Aspekten gestalten würden - wie würde sie aussehen?

Etwa 620 Sitze, davon rund 500 im Hauptdeck in Elferreihen. Und im Oberdeck vielleicht sechs First-Class-Suiten, 60 Business-Class-Sitze, einen Barbereich, etwa 54 Premium Economy-Sitze, die die Bar ebenfalls benutzen können. Unschlagbare Rechnung.

Was denken Sie über die A380 Plus?

Die hätte es schon vor Jahren geben sollen. Eine tolle Idee.

Wird der A380 ohne Verbesserungen am Triebwerk gegen die Boeing 777X bestehen können?

Leeham, ein angesehener unparteiischer Beobachter, hat die Kosten zwischen der B777-9 und der A380 Plus verglichen. Die Betriebskosten der A380 sind elf Prozent geringer als bei der 777-9 und 26 Prozent geringer als für die 777-300ER.

Momentan sind Airlines, die den A380 einsetzen, auf die großen Drehkreuze angewiesen, um Ihre Sitze zu füllen. Gibt es Städte, die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen der Jumbos unterstützen würden?

Viele würden das tun. Dafür müssen die Airlines aber erstens anfangen, zu begreifen, dass sie kundenorientiert und nicht transportorientiert arbeiten müssen und zweitens zusammenarbeiten, anstatt sich nur darauf zu konzentrieren, den Status quo beizubehalten.
© aero.de | Abb.: Airbus | 08.09.2017 08:10

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Beitrag vom 13.09.2017 - 23:58 Uhr
Die A380 hat ihre Talsohle durchschritten. Es ist wieder Bewegung im Markt. Airbus tut gut daran sie nicht aufzugeben.

Also ich kann das Feuer für die A380 sehr gut verstehen. 3-4 Jahre zurück habe ich ja hier auch noch die A380-Fahne hochgehalten und trotz der mit der 787-Markteinführung verstärkt aufgekommenen Langstrecken-P2P an eine Perspektive für die A380 geglaubt.

Aber Realitäten sollte man unvoreingenommen ins Auge gucken, auch wenn sie einem nicht gefallen. Ich würde auch gerne noch A380 (und 747-) Bestellungen sehen, aber sie gibt es schlicht nicht und es gibt außer EK nicht den leisesten Hinweis darauf, dass eine Trendwende dieser Sitiation zu erwarten ist.

Erst wenn wir 4-5 (Nach-)bestellungen mit an die 100 Flugzeugen sehen, würde ich die 'durchschrittene Talsohle' teilen. Aber das ist derzeit bei weitem nicht der Fall. Auch auch die 2 gebrauchten Hi Fly A380 ändern daran rein gar nichts.

Dieser Beitrag wurde am 14.09.2017 00:11 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 13.09.2017 - 22:24 Uhr
Die Frage ist weniger ob sondern eher wann. Denn viel Zeit hat die A380 nicht mehr.

Die A380 ist noch zu jung in ihrer Geschichte. Gerade mal am Anfang. Für ihre Klasse aber immer noch Konkurrenzlos. Eine 747-8 ist schon lange keine Konkurrenz mehr, die ist schon längst im Abseits.

Die A380 hat ihre Talsohle durchschritten. Es ist wieder Bewegung im Markt. Airbus tut gut daran sie nicht aufzugeben.

Wo sehen sie Bewegung im Markt?

Ich sehe gerade das fast alle Airlines die Größe ihrer Flieger bedenken (z.b. von A35k auf A359 zurück gehen) oder wie LH sich fragen ob sie zu wenig A359 und zuviele B777-9x bestellt haben.

Von A380 sieht / hört man garnichts, schon garkeine Bestellungen.
Beitrag vom 13.09.2017 - 20:26 Uhr
Die Frage ist weniger ob sondern eher wann. Denn viel Zeit hat die A380 nicht mehr.

Die A380 ist noch zu jung in ihrer Geschichte. Gerade mal am Anfang. Für ihre Klasse aber immer noch Konkurrenzlos. Eine 747-8 ist schon lange keine Konkurrenz mehr, die ist schon längst im Abseits.

Die A380 hat ihre Talsohle durchschritten. Es ist wieder Bewegung im Markt. Airbus tut gut daran sie nicht aufzugeben.


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