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Ryanair-Piloten fordern Verdoppelung der Gehaltserhöhung

Ryanair Boeing 737-800
Ryanair Boeing 737-800, © Ryanair

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LONDON – Ryanair-Piloten, die in Stansted stationiert sind, fordern das Konzern-Management auf, die angebotene Gehaltserhöhung zu verdoppeln. In einer Abstimmung entschieden sich sechzig Prozent der Piloten nun offiziell, das Befriedungsangebot von Ryanair-Chef Michael O`Leary abzulehnen.

Der inoffizielle "Europäische Rat zur Vertretung von Mitarbeitern (EERC)", eine Art Vorstufe zu einer gewerkschaftlichen Vertretung der Ryanair-Angestellten, machte den Vorschlag zwei Tage nach der Abstimmung an der Londoner Ryanair-Basis.

Die Gruppe hatte nach der Abstimmung über die Vorschläge O`Learys die Reaktionen der Piloten eingeholt und kündigte einen Streik an, sollten Piloten und Konzern sich nicht auf einen neuen Deal einigen können.

Sechzig Prozent der Piloten der Londoner Ryanair-Basis in Stansted stimmten am 20. Oktober dagegen, die angebotene Gehaltserhöhung inklusive Bonuszahlungen von 22.000 Britischen Pfund (zirka 24.500 Euro) anzunehmen.

Laut Unternehmensführung würde diese Erhöhung das Basisgehalt der Piloten auf 74.000 Britische Pfund (zirka 82.500 Euro) anheben. Der EERC fordert eine Erhöhung des Basisgehalts für Kapitäne auf 150.000 Britische Pfund (zirka 167.000 Euro). Derzeit verdienen sie 64.000 Britische Pfund (zirka 71.400 Euro).

Zwischen den Piloten und Ryanair brodelt es, seit die Airline wegen chaotischer Einsatzplanung und einer zu dünnen Personaldecke im September 2017 zwanzigtausend Flüge streichen musste.

Der EERC versucht seitdem unter dem Deckmantel der Anonymität, die Mitarbeiter der 86 Ryanair-Standorte unter einer gewerkschaftlichen Vertretung zu vereinen.

"Zufriedenstellende Einigung"

"Vermutlich wünscht sich kein Pilot, dass es zu einem Streik kommt, aber manchmal ist es der einzige Weg, einen unnachgiebigen Arbeitgeber zu einer zufriedenstellenden Einigung zu bewegen, schreibt der EERC in einem Brief, der seiner Forderung beilag und den die Agentur "Bloomberg" einsehen konnte.

Die Forderungen, die rückwirkend zum 1. September 2017 umgesetzt werden sollen, umfassen weit mehr als nur eine Gehaltserhöhung. So soll Ryanair für alle Trainingskosten der Piloten aufkommen, ebenso wie relevante medizinische Untersuchungen.

Die Mitarbeiter sollen an Bord kostenlos Getränke und Snacks bekommen.
Die Airline soll die Uniform stellen und für den Transport zum Arbeitsplatz sowie für die Unterkunft aufkommen, wenn die Piloten an einem anderen als am Heimatstandort eingesetzt werden.

Nach den Vorstellungen des EERC würden alle Piloten unbefristete Verträge und Aktien des Konzerns bekommen, die nach Seniorität verteilt würden.

Neueinstellungen mit höherem Gehalt

Ein Unternehmenssprecher teilte unterdessen am 20. Oktober mit, dass die Airline neue Piloten zu denen von ihr vorgeschlagenen, verbesserten Gehältern einstellen wird.

Gleichzeitig wird das Management sich demnach "weiter mit dem Mitarbeitervertreter in London Stansted um die dortigen Piloten bemühen und versuchen, eine Einigung zu erzielen."

Die Ablehnung der Londoner Piloten folgt einer Reihe von Rückschlägen für Ryanair. Unter anderem hat eine italienische Gewerkschaft die Ryanair-Mitarbeiter zum Streik aufgerufen und eine der drei größten US-amerikanischen Gewerkschaften hat den Ryanair-Piloten ihre finanzielle und organisatorische Unterstützung angeboten.

Die Airline stellt gerade neue Mitarbeiter ein, um die Dienstpläne in den Griff zu bekommen und hat den Chef von Malaysia Airlines, Peter Bellew, zum neuen Betriebschef ernannt.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Ryanair | 23.10.2017 13:08

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Beitrag vom 24.10.2017 - 09:06 Uhr
Ryanair ist ein prima Indikator für die Lage auf dem Piloten-Arbeitsmarkt.

Leider gibt es in Europa immer noch mehrere tausend Scheininhaber.

Sonst würde es nicht funktionieren, dass man bei Ryanair fürs Assessment Center selbst bezahlen muss (350 Euro), das Type Rating überteuert selbst bezahlen muss (über 30.000 Euro) und dann noch einen rechtswidrigen Arbeits-(Sklaven)vertrag mit Schein-Selbständigkeit, für den sich auch der Staatsanwalt und die Finanzbehörden interessieren, serviert bekommt.

Unterschreiben tun trotzdem tausende und die Schlange bei Ryanair ist lang. So verzweifelt ist die Lage. Ryanair nutzt das halt aus.

Dieser Beitrag wurde am 24.10.2017 09:06 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 23.10.2017 - 20:46 Uhr
So einfach ist das nicht.

Ryanair zahlt für die Festangestellten die Unterkünfte und den Transport (Wenn es spontan ist, dann vergessen sie gern mal den Transport zu buchen. Dann muss man das Taxi im Vorraus zahlen.) Und die Unterkünfte die buchen, sind meist 2-3 Sterne. (Ein Kollege hatte jetzt ein 1 Sterne Hotel mit Kakerlaken.

Jedoch ist genauergesagt nicht das, was die EERC's fordern, sondern dass alle solche Festanstellungen bekommen, da über 50% der Piloten, über eigens angelegte Ltd Firmen *Selbstständig für Ryanair arbeiten. Und dort ist es wirklich so dass sie die Unterkünfte selber zahlen/organisieren müssen und der Transport ebenfalls.

Einen Kollegen haben sie mal out of base von Frankfurt nach Hamburg geschickt und für den Transport dort hin 2 Stunden mit dem Auto eingeplant.

Alles andere im Bericht stimmt, dass wir für unsere Uniform/Essen/Trinken/Medical selbst zahlen müssen und nicht mal Rabatte bekommen
Beitrag vom 23.10.2017 - 16:57 Uhr
Wenn man Ihren Kommentar liest könnte man den Eindruck bekommen das Ryanair Piloten für Ihre Übernachtungen, abseits ihrer Homebase, selbst aufkommen müssen.

Wenn dem nicht so ist, warum fordert man dann folgendes?

"Die Airline soll die Uniform stellen und für den Transport zum Arbeitsplatz sowie für die Unterkunft aufkommen, wenn die Piloten an einem anderen als am Heimatstandort eingesetzt werden."

*Für* die Unterkunft nicht *zur* Unterkunft.

Bitte genauer zitieren ...

Bitte genauer lesen. Im Artikel steht genau das. Auslassung hin oder her.


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