LAT-Chef Ola Hansson
Vor 7 Tagen   EXKLUSIV 

Lufthansa geht offensiv an Pilotenausbildung heran

Ola Hansson, Managing Director Lufthansa Aviation Training (LAT)
Ola Hansson, Managing Director Lufthansa Aviation Training (LAT), © Lufthansa Group

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ROSTOCK - Etwa 60.000 neue Piloten wird die Linien-Luftfahrt bis 2036 brauchen, schon heute gestaltet sich die Nachwuchssuche schwierig. Airlines nehmen die Pilotenausbildung wieder selbst in die Hand. Der Managing Director der Lufthansa Aviation Training (LAT) Ola Hansson erläutert aero.de die Ziele.

Die weltweite Nachfrage nach Flugreisen ist so groß, dass die Branche rödelt, um sie zu befriedigen. Flugzeugbauer setzen ihre Zulieferer unter Druck, um die Produktionsrate zu erhöhen. Die Auftragsbücher sind voll - Airbus ist in der Schmalrumpfsparte bis Anfang der 20er Jahre ausgebucht.

Wo schon die Herstellung der Flugzeuge Herausforderungen birgt, stellt sich für die Abnehmer der Maschinen eine andere dringende Frage: wer soll sie fliegen? Emirates hat 2017 mit einer eigenen Flugschule darauf geantwortet. 600 Piloten pro Jahr will sie dort ausbilden. Qantas und American starten ebenfalls eigene Programme.

500 Anwärter pro Jahr

Auch die Lufthansa Group nimmt die Ausbildung ihres Nachwuchses nach dreijähriger Pause wieder auf. Die European Flight Academy soll künftig die Piloten für alle Airlines der Gruppe liefern. Schon 2018 sollen 500 Anwärter an den Standorten Rostock, Bremen und Zürich ihre Ausbildung beginnen.

Die Kurse füllen sich laut Hansson planmäßig, es gibt aber noch freie Plätze. "Ich schließe nicht aus, dass wir eine geringe Menge an Piloten für den freien Markt ausbilden könnten", sagt Hansson, Chef der Lufthansa-Trainingssparte LAT, "aber momentan ist der Fokus klar: die 500 Piloten pro Jahr brauchen wir für die Lufthansa Gruppe."

Auch für Tochterunternehmen wie Brussels Airlines oder Air Dolomiti will die LAT "in Zukunft Pilotenachwuchs organisieren", sagte Hansson.

Zuletzt mussten nachrückende Piloten, die eine Ausbildung bei der Lufthansa absolviert hatten, wegen offener Tariffragen zwischen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit teilweise jahrelang auf ihren Einsatz warten. Der europaweite Wachstumskurs der Airline inklusive mehrerer Übernahmen hat das Blatt gewendet.

Ola Hansson: "All diejenigen, die in den letzten Jahren keinen Zutritt bekamen und jetzt noch wollten, haben inzwischen eine Anstellung in unserer Gruppe oder werden demnächst angesprochen. Natürlich haben noch nicht alle angefangen - es dauert eine Weile, bis man mehrere hundert Leute anstellen kann."

Für die kommenden zwei Jahre sieht er im europäischen Markt noch Chancen, fertig ausgebildete Piloten zu akquirieren - anders als in den USA, wo der Markt ihm zufolge leergefegt ist.

Eine Konkurrenz durch die Flugschulen anderer Airlines fürchtet Hansson dennoch nicht. "Wir suchen unsere Absolventen in Zentraleuropa", sagt Hansson, "mit dem Fokus auf Deutschland, der Schweiz und Österreich oder sonst nahe gelegene Gebiete."

Neue Trainingsflotte

Zugleich investiert die Lufthansa in attraktive Ausbildungsbedingungen - etwa in eine neue Trainingsflotte in Rostock. Dieser Standort soll zukünftig 200 der insgesamt 500 Pilotenschüler pro Jahr übernehmen.

Das Finanzierungsmodell ähnelt dabei dem der früheren Lufthansa NFF-Ausbildung: die Anwärter müssen mit 80.000 Euro in Vorleistung gehen, die Lufthansa dann übernimmt und den späteren Piloten monatlich anteilsweise vom Gehalt wieder abzieht.

Konzerntochter Austrian Airlines will ab sofort sogar wieder den Großsteil der Kosten für eine konzerngebundene ATPL-Ausbildung übernehmen: von 100.000 Euro Ausbildungskosten schultert Austrian Airlines 60.000 Euro, die verbleibenden 40.000 Euro können Piloten in den ersten zehn Berufsjahren zurückzahlen.

Weil sie sich das Ziel gesetzt hat, schnell den Ausbildungsbetrieb aller Airlines der Gruppe unter einem Dach zu vereinen, fährt die European Flight Academy momentan zweigleisig in Sachen Abschluss - und damit gut, findet Ola Hansson. Sowohl ein MPL- als auch ein ATPL-Abschluss ist möglich. "Wir haben jetzt schlicht zu wenig Kapazität und Zeit, alles umzustellen und zu vereinheitlichen."

Hansson schätzt, dass die Lufthansa ihre Ausbildungskapazität in zwei bis drei Jahren auf bis zu 650 Piloten pro Jahr hochschrauben könnte. Dann wird es eng. "Optimisten behaupten, in fünf Jahren müssen wir vielleicht 1.000 Piloten produzieren". Doch solch luftigen Perspektiven traut Hansson ohnehin nur bedingt.

"Boeing und Airbus sagen, dass der Flugverkehr in 20 Jahren doppelt so groß ist wie heute. Das sind natürlich unglaubliche Zahlen - ich schätze, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen." Nichtsdestotrotz haben die großen Airlines weltweit den Kampf um den Nachwuchs aufgenommen.
© aero.de, boa | Abb.: Lufthansa Group | 14.05.2018 08:04

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Beitrag vom 21.05.2018 - 20:00 Uhr
Ich erkenne keinen Vorteil in Hinsicht vorher erstmal Studium/Ausbildung. Was hätte man davon? Ausser man denkt ans ausprobieren verschiedener Möglichkeiten. Aber das wäre tatsächlich ein Luxusproblem, das man sich leisten wollen muss.
Beitrag vom 21.05.2018 - 19:57 Uhr
chris7891

Der Großteil fängt mittlerweile eher mit 25-27 Jahren an. Man hat vorher studiert oder eine Ausbildung. So blöd ist keiner mehr und macht mit Anfang 20 sofort die Piloten-Ausbildung.

Das können nur die, die ohnehin Geld haben von Haus aus.



Und das bedeutet jetzt was ?
Meinen Sie damit vielleicht, dass dies Auswirkungen auf das Einstiegsgehalt haben sollte ?
Beitrag vom 21.05.2018 - 18:05 Uhr

@FW 190
Stimmt so nicht wenn man den Zeitraum auf vor 1993 ausdehnt. Damals kostete die Schulung nichts. Nur eine Verpflichtung 5 Jahre bei Hansens zu bleiben. Wenn die Piloten so unpräzise arbeiten würden wie die Reporter oder die Pressesprecher wäre es mit der Sicherheit nicht weit her.

Nun ja, dieser kleine Teil des Artikels stach mir auch ins Auge. Allerdings ändern sich die Zeiten und 1993 ist ja nun auch schon eine halbe Ewigkeit her.
Viel entscheidender dabei ist, dass die aktuellen Rahmenbedingungen benannt werden und diese in meinen Augen ok sind für einen jungen Menschen Anfang 20.

Der Großteil fängt mittlerweile eher mit 25-27 Jahren an. Man hat vorher studiert oder eine Ausbildung. So blöd ist keiner mehr und macht mit Anfang 20 sofort die Piloten-Ausbildung.

Das können nur die, die ohnehin Geld haben von Haus aus.



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