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Boeing-Chef Dave Calhoun geht Ende 2024

Alaska Airlines Boeing 737 MAX 9
Alaska Airlines Boeing 737 MAX 9, © NTSB

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ARLINGTON - Der kriselnde Flugzeugbauer Boeing leitet wenige Wochen nach einem Beinahe-Unglück einen Wechsel an der Konzernspitze ein. Boeing-Chef Dave Calhoun gebe den Posten Ende des Jahres ab, teilte Boeing am Montag in Arlington mit. Eine Managerin steigt rasant auf.

Der Flug einer Boeing 737-9 MAX von Alaska Airlines am 5. Januar sei für den Konzern ein Wendepunkt gewesen, schrieb Calhoun an die Mitarbeiter. "Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet." An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an.

Die Boeing-Aktie legte kurz nach Handelsbeginn in New York zeitweise um fast vier Prozent zu. Zuletzt lag ihr Kurs jedoch nur noch mit gut einem Prozent im Plus. Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie mehr als ein Viertel eingebüßt.

Neben Calhoun treten auch Verwaltungsratschef Larry Kellner und der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Stan Deal, ab. Während Kellner bei der diesjährigen Hauptversammlung nicht mehr zur Wahl antritt, übergibt Deal seinen Posten mit sofortiger Wirkung an Stephanie Pope.

Die Managerin hatte bei Boeing erst Anfang des Jahres die Leitung des Tagesgeschäfts übernommen. Bei der Bekanntgabe ihres Aufstiegs im Dezember wurde sie schon als mögliche Nachfolgerin Calhouns an der Konzernspitze gehandelt.

Calhoun selbst war Anfang 2020 auf den Chefposten gewechselt, nachdem sein Vorgänger Dennis Muilenburg infolge seines stark kritisierten Krisenmanagements nach den Abstürzen zweier 737-MAX-Jets den Hut genommen hatte. Calhoun betonte nun, dass sein eigener Abschied seine persönliche Entscheidung gewesen sei. Er habe den Verwaltungsrat informiert, dass 2024 sein letztes Jahr als Konzernchef sein werde.

Wer Calhouns Nachfolge an der Spitze des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns übernimmt, steht noch nicht fest. Den Auswahlprozess soll der neue Verwaltungsratschef Steve Mollenkopf leiten. Der frühere Chef des Chipherstellers Qualcomm gehört dem Gremium seit dem Jahr 2020 an.

Bei dem Jet von Alaska Airlines war im Flug ein türgroßes Teil des Rumpfs herausgeflogen. Die mehr als 170 Insassen der Maschine kamen mit dem Schrecken davon. Die US-Luftfahrtbehörde FAA nimmt die Produktion von Boeing und dessen Rumpfzulieferer Spirit Aerosystems unter die Lupe, die Unfalluntersuchungsbehörde NTSB und das US-Justizministerium ermitteln. Die NTSB-Experten gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass an dem Rumpf-Fragment vier Befestigungsbolzen gefehlt hatten.

Auf Geheiß von FAA darf Boeing die Produktion der gesamten 737-Max-Reihe nun bis auf Weiteres nicht wie zuvor geplant ausweiten. Wegen der Verzögerungen in Boeings Produktion haben Fluggesellschaften wie der irische Billigflieger Ryanair nd sein US-Pendant Southwest schon ihre Flugpläne gekappt.

Ryanair-Chef Michael O'Leary begrüßte die "Veränderungen im Management in Seattle", wo Boeings Verkehrsflugzeugsparte ihren Sitz hat. Ryanair sei der Ansicht, dass diese Veränderungen notwendig und gut für Boeing und seine Kunden seien. Die Billigfluggesellschaft betreibt eine Flotte von rund 600 Maschinen und setzt dabei fast durchweg auf Boeings 737-Reihe.

Der Mittelstreckenjet 737 MAX ist die Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 und das mit Abstand meistgefragte Modell des Herstellers. 2019 war Boeing mit dem Typ in die schwerste Krise seiner Geschichte geraten. Nach den Abstürzen zweier 737-Max-Jets mit insgesamt 346 Toten hatten Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für das Modell erlassen. Erst nach einigen technischen Verbesserungen wurde das Modell nach mehr als 20 Monaten schrittweise wieder für den Flugverkehr freigegeben.

Den Hersteller kostete das Desaster Milliardensummen. Auf einen Schlag verlor Boeing 2019 seine Position als weltgrößter Flugzeughersteller an den europäischen Konkurrenten Airbus und hinkt diesem seitdem weit hinterher. Inzwischen schreibt der US-Konzern fünf Jahre in Folge rote Zahlen. Die Folgen des jüngsten Zwischenfalls und die behördlichen Auflagen kosten Boeing weitere Milliarden, wie Finanzchef Brian West vor wenigen Tagen gesagt hatte.

"Wendepunkt für Boeing"

Calhoun will den Konzern den Angaben zufolge nun weiter durch das Jahr führen, um die Stabilisierung des Unternehmens und seine Positionierung für die Zukunft abzuschließen. "Wir müssen weiterhin mit Demut und vollständiger Transparenz auf diesen Unfall reagieren", schrieb der Manager an die Mitarbeiter. "Außerdem müssen wir auf allen Ebenen unseres Unternehmens ein umfassendes Engagement für Sicherheit und Qualität verankern. Alaska Airlines Flug 1282 ist ein Wendepunkt für Boeing."

Bei den jüngsten Untersuchungen hat Boeing laut "New York Times" von 89 Überprüfungen einzelner Prozesse nur 56 bestanden. Insgesamt seien 97 Verstöße festgestellt worden, hatte die Zeitung Mitte März unter Berufung auf eine interne Präsentation berichtet. Wie schwerwiegend die Probleme waren, blieb dabei unklar. Die FAA teilte bisher lediglich mit, sie habe mehrfach Verstöße gefunden.

Inzwischen lotet Boeing die Übernahme seines Zulieferers Spirit Aerosystems aus, der den Großteil der Rümpfe für die 737-Max-Jets baut. Dies hatte der Hersteller Anfang März bestätigt. Schon im vergangenen Jahr hatte Spirit wegen Produktionsmängeln aufwendige Nacharbeiten und Verzögerungen bei Boeing notwendig gemacht.

Bis zum Jahr 2005 hatte Spirit Aerosystems als Boeings Rumpfsparte fast 80 Jahre lang zum Konzern gehört. Dann verkaufte der Konzern das Werk in Wichita (Kansas) mit weiteren Standorten an einen Finanzinvestor. Dieser brachte Spirit später an die Börse. Bis heute ist Boeing dessen wichtigster Kunde. Medienberichten zufolge prüft Spirit auch einen Verkauf seines Werks in Nordirland, das Tragflächen für Boeings Rivalen Airbus herstellt.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: NTSB | 25.03.2024 13:30

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Beitrag vom 26.03.2024 - 15:57 Uhr
Die Diskussion über Ingenieur vs. BWL - meine Güte, die ist doch sowas von durch. Was denken sie das die Ingenieure heute in Managementebenen tun?
Das sind Themen der 90ger und 00er Jahre. Aber auch heute, wenn sie als Ing. Vorstand werden wollen, dann haben sie Dekaden Management hinter sich.
Dafür ist es auch zu komplex.
Das braucht es heute auch.
Sie führen eine Firma heute einfach nicht mehr so wie vor 30, 40 Jahren.
Dafür sind es auch zuviele Hierachiebenen.

Viele Hierarchiebenen entsprechen einer klassischen Unternehmensstruktur, wie es sie schon vor hundert Jahren gegeben hat. Moderne Strukturen kommen mit weniger Ebenen aus. Zudem wird moderne Führung durch Empowerment unterer Ebenen und Eigenverantwortung charakterisiert. Was man jetzt bei Boeing zu Termindruck, Aufforderung zur Bruch von vorhandenen Prozessen und Drohungen bei nicht Erreichen der Ziele ans Tageslicht gekommen ist, zeugt von einer extrem autoritären und veralteten Führungskultur.
Boeing wird augenscheinlich bis heute noch wie vor 60 Jahren geführt.

Eine neue Führungskulrur hängt sicherlich nicht von BWL oder Ingenieur ab, aber die Überzeugung, wofür beim Flugzeugbau heute Geld ausgegeben werden muss, um in 10 oder 20-30 Jahren noch gut dazustehen, hängt sehr viel von Erfahrung und Ausbildung ab. Diese Diskussion ist hochaktuell. Nicht umsonst werden Nachfolger-CEOs meistens aus den eigenen Reihen oder zumindest aus der eigenen Industrie nachbesetzt - genau wegen dieser Begründung. ist auch man in anderen Tech-Branchen weit verbreitet.

Die Vorstellung, dass ein CEO grundsätzlich jedes Unternehmen auch aus ganz verschiedenen Branchen gleichermaßen erfolgreich führen kann und sein Werdegang dabei keine Rolle spielt, ist völlig an der Realität vorbei und wird übrigens allgemein bei den Entscheidern auch nicht pauschal so gesehen.

Dieser Beitrag wurde am 26.03.2024 16:02 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 26.03.2024 - 15:43 Uhr
Der Witz ist ja, das an dem door Blowout Spirit keine Aktien hatte.

Das war Boeing selbst.

Und auch an MCAS, das war Boeing selbst.

Das Spirit massive Probleme hat, ist natürlich ebenso klar.

Spirit war indirekt doch daran beteiligt, denn die Demontage des Plugins durch Boeing-Mitarbeiter war nur notwendig, weil irgendwelche Mängel durch Spirit vorhanden gewesen sind.
Beitrag vom 26.03.2024 - 13:24 Uhr
Wenn man einen geeigneten Kandidaten plus Stab gefunden hat, sind Calhouns Tage gezählt.
Eine Übernahme von Spirit lenkt z. Z. nur von den eigenebn Problemen ab. Spirit muss sich selbst neu positionieren.
Calhoun ist schon jetzt Geschichte.

Der Witz ist ja, das an dem door Blowout Spirit keine Aktien hatte.

Das war Boeing selbst.

Und auch an MCAS, das war Boeing selbst.

Das Spirit massive Probleme hat, ist natürlich ebenso klar.


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