Terror in Brüssel
Älter als 7 Tage

Experten: Einlasskontrollen an Flughäfen sind nicht sinnvoll

Flughafen Frankfurt
Terminal am Flughafen Frankfurt, © world-of-aviation.de, Bjoern Schmitt Aviation Photography

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FRANKFURT - Komplette Einlasskontrollen schon am Eingang von Flughäfen sind nach Einschätzung des ehemaligen Frankfurter Airport-Sicherheitschefs Volker Zintel nicht sinnvoll. Er halte diese Debatte nach den Terroranschlägen auf dem Brüsseler Flughafen für eine "Phantomdiskussion", sagte Zintel der "Rhein-Zeitung" (Mittwoch).

Nach Ansicht des Experten haben die europäischen Flughäfen ein "gut funktionierendes Sicherheitssystem - ab der Sicherheitskontrolle". Ein Vorziehen der Kontrolle bringt seiner Meinung nach nichts: "Dann stellt sich der potenzielle Attentäter in Zukunft einfach vor das Terminal."

Sicherheitskontrollen an Bahnhöfen, die wie in Frankfurt direkt neben dem Flughafen liegen, sieht Zintel ebenfalls skeptisch. Anders als etwa beim Eurostar unterm Ärmelkanal lasse sich das Verkehrssystem nicht hermetisch abschotten. Körperscanner an Flughäfen sind dagegen laut dem Experten wichtig. Sie spürten sowohl Schusswaffen als auch Sprengstoff auf: "Das ist die Zukunft."

Auch ADV hält Zugangskontrollen für nicht praktikabel

Auch nach EInschätzung des Verbandes ADV sind vollständige Zugangskontrollen an den deutschen Flughäfen nicht umsetzbar. Jährlich werden derzeit rund 70 Millionen Passagiere an den deutschen Flughäfen erst unmittelbar vor Betreten des Sicherheitsbereichs kontrolliert. Die Eingangshallen und Check-in-Bereiche, in denen es in Brüssel die Bombenexplosionen gegeben hatte, sind hingegen auch in Deutschland für jedermann frei zugänglich.

Eine vollständige Kontrolle aller Personen, die in diesen öffentlichen Bereich wollten, sei nicht leistbar, hieß es am Dienstag beim Verband in Berlin. Von einer Verlagerung der Kontrollen vor die Terminals sei kein Sicherheitsgewinn zu erwarten, da das Gefahrenpotenzial damit nur verlagert würde. Vor den Terminals würden neue sicherheitskritische Zonen entstehen. Zudem gebe es technische, bauliche und sicherheitspolitische Bedenken gegen Kontrollen bereits am Gebäudeeingang.

Computergestütztes Social Profiling zur Erkennung von Terroristen

Die Erfolge beim Schutz des Luftverkehrs können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Polizei im öffentlich zugänglichen Raum der Flughäfen weiterhin vor allem auf ihre Beobachtungsgabe angewiesen ist. Das geschieht ganz klassisch über Streifen, aber natürlich auch über Video-Überwachung. Hier kommen Techniken des "Social Profiling" zum Zuge, also der Versuch, auch mit Hilfe von Computerprogrammen und guter Beobachtungsgabe verhaltensauffällige Menschen aus der Masse der Besucher herauszufiltern.

Der in den USA tätige Sicherheitsexperte Rafi Sela aus Israel hält diesen Ansatz für vielversprechend. 80 Prozent der Leute könnten mit technischen Hilfsmitteln zuverlässig als harmlos erkannt werden, erklärte er in einem Interview im vergangenen Jahr nach dem Bombenanschlag auf ein russisches Passagierflugzeug im Sinai. Weitere zehn Prozent könnten mit ein paar Fragen abgeklärt werden, wie das am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv bereits geschehe. Ein Terrorist könne sein Verhalten nicht verstecken.

Solche Maßnahmen wie am weltweit bestgesicherten Flughafen in Tel Aviv hält der ADV aber für nicht zu leisten.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: world-of-aviation.de | 23.03.2016 06:41

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Beitrag vom 25.03.2016 - 09:58 Uhr
Modhinweis
5 Beiträge gelöscht. "OT"
Fly-away
Beitrag vom 23.03.2016 - 22:26 Uhr
Kontrollen an Bahnhöfen sind logistisch nicht durchführbar und, wie oben oft genug erwähnt, recht sinnfrei. Abgesehen davon, dass man dann bei Busse und Trambahnen auch genauso kontrollieren müssten.

Warum an Flughäfen kontrolliert wird sollte ja recht klar sein. Entführen Sie ein Flugzeug und steuern Sie es in Atomkraftwerke, Hochhäuser, Stadien, öffentliche Plätze etc.
Da gibt es dann tausende Tote und das für die Terroristen mit viel weniger "Aufwand" als wie es aktuell passiert.

Jeder sollte ein bisschen sensibler mit der Sicherheit umgehen und auch sein Umfeld aufmerksamer beobachten. In unserer Lebensweise gibt es einfach kaum Mittel die Sicherheit signifikant zu steigern!
Beitrag vom 23.03.2016 - 16:59 Uhr
Richtig!
Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt. Und das ist wirklich nichts Neues!
Sicherheit - wenn es die überhaupt gibt - ist ein Produkt der Gesellschaft und nicht einzelner Gruppen der Gesellschaft wie z. B. der der Polizei oder irgendwelcher "security"-Leute!

Dieser Beitrag wurde am 23.03.2016 17:00 Uhr bearbeitet.


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