Böses Erwachen
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Europas Airlines am Morgen nach dem Brexit

LONDON - Großbritannien verlässt die EU und der Brexit schickt Schockwelle durch Europas Luftfahrt. Am Schwarzen Börsen-Freitag gehören Airlinetitel zu den ganz großen Verlierern, denn der Austritt Großbritanniens aus der EU hebt das rechtliche und wirtschaftliche Zusammenspiel von Europas Luftfahrt aus den Angeln.

Der Handelsauftakt am Morgen danach gleicht einer Bruchlandung: IAG verliert 17 Prozent, Easyjet verliert 23 Prozent, Ryanair verliert 13 Prozent, Lufthansa verliert 10 Prozent. Anleger mögen keine Ungewissheit und noch ist nicht absehbar, ob der bevorstehende Sichtflug nach dem Brexit mit einer harten oder doch einer weichen Landung endet.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall
Easyjet-Chefin Carolyn McCall, © Easyjet

Großbritannien ist der größte Airlinemarkt Europas. Die britische Flugsicherung NATS zählt rund 250 Millionen Passagiere pro Jahr.

Laut einer Studie von KPMG, aus der "Reuters" zitiert, verdoppelte sich der Luftverkehr zwischen Großbritannien und anderen EU-Staaten zwischen 1996 und 2015 von 69 auf mehr als 130 Millionen Passagiere. Viele davon reisen mit Ryanair oder Easyjet.

Die beiden großen Billigflieger haben in den letzten 20 Jahren zweifelsohne am meisten vom offenen Himmel über Europa profitiert. Für EU-Airlines regelt automatisch die "European Common Aviation Area" (ECAA) den freien Marktzugang - im gemeinsamen Luftfahrtmarkt dürfen Ryanair und Easyjet nach Belieben Strecken quer durch Europa anbieten.

Allein aus Berlin-Schönefeld fliegt Easyjet 36 Ziele an, die nicht in Großbritannien liegen - Freiheiten, die ihr die EU-Mitgliedschaft ihres Heimatlandes verschafft.

Als irische Airline muss sich Ryanair auch nach einem Brexit diesbezüglich ohnehin keine Sorgen machen und selbst bei Easyjet hält sich die Angst vor einem Verlust liberaler Flugrechte und einer Beschränkung auf Nachbarschaftsverkehr zumindest nach Außen in Grenzen.

"Wir dürfen die Auswirkungen (eines Brexit, Red.) auch nicht überschätzen", sagte Easyjet-Chefin Carolyn McCall vor dem Referendum der "WirtschaftsWoche". "Easyjet hat natürlich einen Plan, wenn es zu einem Austritt kommt. Wir sind längst in ganz Europa aktiv und haben auch in anderen Ländern eine Zulassung."

Easyjet reagiert mit Brief an die EU Kommission

Easyjet unterhält zehn Basen in Großbritannien, 13 in der EU und zwei in der Schweiz. Eine Schweizer Flugbetriebslizenz garantiert ihr im schlimmsten Fall liberalen Zugang zum übrigen EU-Luftfahrtmarkt. Ein irisches AOC, wie es sich jüngst Norwegian organisierte, wäre ebenfalls eine Option.

Plan A ist für Easyjet allerdings die weitere Teilhabe Großbritanniens am gemeinsamen Luftfahrtmarkt auch nach dem Brexit.

"Wir haben heute einen Brief an die Regierung Großbritanniens und an die EU Kommission geschrieben und sie gebeten, den Verbleib Großbritanniens im gemeinsamen EU-Luftfahrtmarkt ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen", sagte McCall am Freitag.  Easyjet erwarte im Übrigen "keine materiellen Auswirkungen" des Brexit auf ihre weitere Strategie.

Großbritannien dürfte tatsächlich schnell versuchen, der ECAA als Nicht-EU-Staat beizutreten. Der Pakt steht nämlich auch Ländern außerhalb des Blocks offen - Norwegen und Island sind Mitglieder der ECAA aber nicht der EU. Das wird sich also regeln lassen.

Ryanair fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen

Viel schlechter sind die wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Brexit und ihre Auswirkungen auf die Luftfahrt abschätzbar.

Ryanair-Chef Michael O`Leary ist überzeugt, dass EU und Großbritannien Handel verlieren und auch Ryanair "extrem anfällig für Schwankungen" im Markt sein wird. Ryanair hat ihr größtes Standbein im Vereinigten Königreich.

O`Leary sagte für den Fall eines Brexit höhere Ticketpreise für britische Passagiere voraus und vermutet, dass weniger internationale Passagiere über London nach Europa einreisen werden. Im Vorfeld des Referendums hatte Ryanair für das "Remain"-Lager getrommelt.
© aero.de | Abb.: Easyjet, Airbus | 24.06.2016 09:20

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Beitrag vom 24.06.2016 - 19:29 Uhr
Warum steht die ECAA überhaupt anderen Ländern offen? Wer nicht Teil der EU sein will, sollte auch nicht die Vorteile der EU nutzen können - easy as that.

It is not quite as easy as that. Die ECAA ist nicht die EU; die EU ist nicht Europa (weder in der Geographie am Boden, noch in der Luftfahrt am Himmel).
Die politischen Verhaeltnisse und Interessen im Hintergrund von Struktur, Organisation und Regulierung des Luftverkehrs innerhalb von Europa sind sehr vielschichtig. Entsprechend werden sich die praktischen Auswirkungen des Brexit im Luftverkehr - wie auch in anderen Wirtschaftszweigen in Europa (z.B. in den Finanzmaerkten) - erst mit der Zeit entfalten, d.h. ueber die naechsten Jahre hinweg.

Ein paar grundlegende Daten & Fakten, entlang meiner derzeitigen Lernkurve (ref.: Engl. Wikpedia und Pages der entsprechenden Organisationen):

EU: 28 Nationen
Europa: 47 Nationen

Uebersichtsgrafik:
 https://en.wikipedia.org/wiki/File:European_aviation_organisations_members.svg

Einige fuer den Luftverkehr in Europa relevante Strukturen & Organisationen:

-> European Civil Aviation Conference (ECAC):
Intergovernmental Orgznization, 44 member states,
"promotes the continued development of a safe, efficient and sustainable European air transport system. In doing so, it seeks to harmonise civil aviation policies and practices amongst its Member States and promote understanding on policy matters between its Member States and other parts of the world." (Wiki, quoting from ECAC)

-> European Common Aviation Area (ECAA):
"The European Common Aviation Area - an ambitious agreement with partners from South-Eastern and Northern Europe: Albania, Bosnia and Herzegovina, Croatia, the former Yugoslav Republic of Macedonia, Montenegro, Serbia, Kosovo under UNSCR 1244, Norway and Iceland."
 http://ec.europa.eu/transport/modes/air/international_aviation/country_index/ecaa_en.htm

-> European Organisation for the Safety of Air Navigation (EUROCONTROL), 41 Member states:
"an international organisation working to achieve safe and seamless air traffic management across Europe" (Wiki)

-> European Aviation Safety Agency (EASA):
"an agency of the European Union (EU) with regulatory and executive tasks in the field of civilian aviation safety" (Wiki)

-> The European Cockpit Association (ECA):
"was created in 1991 and is the representative body of European pilots at European Union (EU) level. It represents over 38,000 European pilots from the National pilot Associations in 37 European states. In addition, ECA has 2 Associate Members from outside the European region."
 https://www.eurocockpit.be/pages/about-eca

Dieser Beitrag wurde am 24.06.2016 19:32 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.06.2016 - 18:51 Uhr
Leave bedeutet Leave, liebe Briten!

Man kann nicht aus der EU austreten und danach noch eine Sonderbehandlung für britische Firmen erwarten!

Das sollte die europäische Kommission in ihren kommenden Verhandlungen sehr klar machen!

Schluss mit britischen Extrawürsten!
Die Zeit ist nun vorbei.

Beitrag vom 24.06.2016 - 18:27 Uhr
Norwegen etc sind Mitglied der EFTA und mussten um diese Freiheiten zu bekommen sehr vielen Verpflichtungen gegenüber der EU eingehen. Im Gegensatz zu UK als EU Mitglied haben die EFTA Staaten kaum Mitbestimmungsrecht. So einfach, wie die UK sich das vorstellt, dass man die selben rechte bekommt, Ohne die Pflichten einzugehen, macht es die EU den Briten hoffentlich nicht.


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