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Fraport peilt zehn Prozent Billigaufkommen in Frankfurt an

FRANKFURT - Der Frankfurter Flughafen will sein Geschäft mit neuen Angeboten für Billigflieger ausbauen - doch die Ansiedlung von Ryanair hat schon andernorts heftigen Streit losgetreten. Wegen der Flaute im klassischen Passagiergeschäft öffnet sich das Heimatdrehkreuz der Lufthansa zunehmend für Niedrigpreis-Gesellschaften.

Das stößt bei etablierten Airlines auf harsche Kritik. Zu einem ähnlich gelagerten, älteren Konflikt am Flughafen Lübeck gab es am Donnerstag beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe noch keine Entscheidung.

Fraport-Chef Stefan Schulte verteidigte den von Lufthansa und Condor kritisierten Neukunden-Rabatt für den irischen Billigflieger. Die geplanten Anreize für Ryanair richten sich ihm zufolge sowohl an neue Airlines als auch an Bestandskunden, wenn diese neue Ziele anfliegen oder ihre Kapazitäten stark ausbauen.

Wow Air
WOW Air in Frankfurt, © Fraport AG

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings wäre als neuer Anbieter hoch willkommen, habe aber für den kommenden Sommerflugplan keine Starts und Landungen beantragt.

Der Flughafenbetreiber mit vielen internationalen Standorten steuert 2016 auf einen Rekordgewinn zu. Gründe dafür sind ein Anteilsverkauf im russischen St. Petersburg und die lang ersehnte Entschädigung für das geplatzte Terminal-Projekt in Manila auf den Philippinen, die zusammen bis zu 140 Millionen Euro zusätzlichen Nettogewinn bringen.

"Wir erwarten das beste Ergebnis, das dieses Unternehmen je erzielt hat", sagte Schulte in Frankfurt. Angepeilt sind 400 bis 440 Millionen Euro bei einem nahezu unveränderten Umsatz von 2,6 Milliarden Euro.

Für die Fraport-Aktie ging es am Donnerstag dennoch um knapp 1 Prozent abwärts, nachdem es für das Papier nach Bekanntwerden der neuen Ryanair-Pläne für Frankfurt an den vorigen beiden Tagen kräftig auf und ab gegangen war.

Frankfurt werde mit seiner komplizierten Infrastruktur nur einen begrenzten Anteil von Billigfliegern haben, sagte der Flughafen-Chef. Derzeit sind 4 Prozent des Aufkommens dort Billig-Fluggesellschaften zuzurechnen. Für sie sollen die technischen Abläufe vereinfacht und beschleunigt werden. 10 Prozent wie in München seien eine realistische Größe, meinte Schulte.

Ryanair will von März 2017 an zwei Maschinen in Frankfurt stationieren und 28 Flüge pro Woche anbieten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte am Mittwoch betont, dass er nicht bereit sei, höhere Gebühren zu zahlen als Ryanair. Schulte rechnet dagegen mit einer Genehmigung der Gebührenstaffel durch das hessische Verkehrsministerium in den kommenden zwei Wochen.

Wie hoch mögliche Rabatte an die Airlines sein dürfen und wie diese genau definiert werden müssen, beschäftigt bereits den BGH. In einem jahrelangen Streit um angebliche Vergünstigungen für Ryanair in Lübeck ist aber kein schnelles Ende in Sicht. Ein Urteil dazu werde es erst am 9. Februar geben, kündigte der BGH an.

Der Konflikt geht zurück auf eine Klage des Konkurrenten Air Berlin, der Flüge ins nahe gelegene Hamburg im Programm hat. Die Fluggesellschaft will die Hansestadt Lübeck zwingen, die Vorteile für Ryanair offenzulegen.

Air Berlin hält die Leistungen für unzulässige staatliche Beihilfen. Vor den Gerichten versucht das Unternehmen daher durchzusetzen, dass Ryanair Geld zurückerstatten muss. Der Fall wird dadurch verkompliziert, dass es am Lübecker Flughafen nach zwei Insolvenzen heute gar keinen Linienflugbetrieb mehr gibt. Ryanair hatte sich im Juli 2014 von dort zurückgezogen. Wegen des Verdachts der Beihilfen hatte die EU-Kommission bereits 2007 ein Prüfverfahren eröffnet.
© aero.de, dpa-AFX | Abb.: Fraport AG | 04.11.2016 08:18

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Beitrag vom 04.11.2016 - 19:16 Uhr
@Guido3: was Sie schreiben ist richtig für "Route Incentives" - also Rabattstaffeln für neue Strecken, die eine bestehende oder neue Airline ab einem Airport aufnimmt. Solche Route Incentives sind unproblematisch (auf einer Strecke, die es bisher nicht gibt, kommen sich schließlich auch keine Wettbewerber ins Gehege). Es gibt solche Rabattstaffeln z.B. auch an den Lufthansa-Airports BRU und VIE.

FRA geht allerdings mit einem "New Operator Incentive" auf Airlinefang. Eine neue Airline käme also auch auf einer Strecke, die es bereits gibt, in den Genuss eines Rabatts. Das verzerrt den Wettbewerb und verstößt gegen Artikel 102 TFEU.

Ein Beispiel: Lufthansa fliegt akt. 16x am Tag von FRA nach HAM. Wenn RYR nächstes Jahr entscheidet, diese Strecke auch mehrmals am Tag zu fliegen - würde dann der Fraport-Rabatt nicht den Wettbewerb zwischen LH und RYR auf der Strecke FRA - HAM verzerren? Da wir den genauen Wortlaut kennen ist alles Spekulation.
Beitrag vom 04.11.2016 - 19:15 Uhr
@Guido3: was Sie schreiben ist richtig für "Route Incentives" - also Rabattstaffeln für neue Strecken, die eine bestehende oder neue Airline ab einem Airport aufnimmt. Solche Route Incentives sind unproblematisch (auf einer Strecke, die es bisher nicht gibt, kommen sich schließlich auch keine Wettbewerber ins Gehege). Es gibt solche Rabattstaffeln z.B. auch an den Lufthansa-Airports BRU und VIE.

FRA geht allerdings mit einem "New Operator Incentive" auf Airlinefang. Eine neue Airline käme also auch auf einer Strecke, die es bereits gibt, in den Genuss eines Rabatts. Das verzerrt den Wettbewerb und verstößt gegen Artikel 102 TFEU.

Ein Beispiel: Lufthansa fliegt akt. 16x am Tag von FRA nach HAM. Wenn RYR nächstes Jahr entscheidet, diese Strecke auch mehrmals am Tag zu fliegen - würde dann der Fraport-Rabatt nicht den Wettbewerb zwischen LH und RYR auf der Strecke FRA - HAM verzerren?

Absolut richtig analysiert. Das darf nicht sein. Auf einer bereits eingeführten Strecke muß der Wettbewerb zeigen wer sich durchsetzt. Dafür wären Rabatte wettbewerbsverzerrend.
Beitrag vom 04.11.2016 - 15:48 Uhr
@AirTommy,

du verdrehst etwas und willst es nicht von der neutralen Seite sehen.
Wo steht denn das die LH bei neuen Strecken leer aus gehen würde, wenn sie schon von einer anderen Fluggesellschaft bedient werden würde?
Auch eine LH bekommt den Rabat, wenn sie z.B. nach SAW wollen, obwohl da schon TK oder PC Hinfliegen.


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