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Air Berlin beendet Einsatz von Ersatzflugzeugen im Juli

Go2Sky B734 für Niki
Go2Sky Boeing 737-400 in FlyNiki-Farben, © Go2Sky

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BERLIN - Theorie und Wirklichkeit passten so gar nicht zusammen in der Planung von Air Berlin für den Sommer 2017, als der neue Firmenchef Thomas Winkelmann im Februar den Chefposten von Stefan Pichler übernahm. Air Berlin mietete kurzfristig Ersatzflugzeuge an.

Der Ex-Germanwings-Chef Winkelmann musste ernüchtert feststellen: "Die Planung für 2017 war mangelhaft, nach der Restrukturierung im Herbst 2016 gab es keine Übereinstimmung zwischen der Anzahl an Flugzeugen und den vorhandenen Kabinenbesatzungen."

Vor allem beim Regionalpartner Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) kniff es an allen Ecken und Enden: "Im April und Mai hatten wir dort etwa 25 Prozent Kabinenbesatzungen zu wenig," so Winkelmann im Gespräch mit aero.de. Um das Problem zu lösen musste Personal eingestellt werden, was allerdings Vorlauf benötigt.

Kurzfristig wurden die Lücken mit sogenannten Wet Leases gestopft, der Anmiete von Flugzeugen samt Besatzungen bei anderen Airlines.

Dies brachte Air Berlin viele Negativschlagzeilen ein. Angefangen von verärgerten Passagieren, die sich in Flugzeugen unbekannter Kleinst-Airlines wie der slowakischen Go2Sky (Boeing 737-400) , der italienischen Mistral Air (ATR-72, bemalt in den Farben der italienischen Post) oder des spanischen Charteranbieters Privilege Style (eine Boeing 777-200 in neutraler Bemalung) wiederfanden.

Als dann im Mai Fluggäste ein Loch im Rumpf einer geleasten ATR-72 entdeckten und sich weigerten, damit zu fliegen, erreichte das Vertrauen in die Überbrückungsflieger von Air Berlin einen Tiefpunkt. Wenig hilfreich war auch die Tatsache, dass bei den unvermeidlichen Unregelmäßigkeiten wie verspäteten oder gestrichenen Flügen die Besatzungen oft kein Deutsch sprachen, selbst auf innerdeutschen Flügen.

Da tröstete es viele Betroffene auch nicht, dass es an Bord einiger der einspringenden Airlines besseren Bordservice als bei Air Berlin gab, etwa freie Getränke oder Snacks.

Etihad unglücklich mit Ersatzlösung

Nach Informationen von aero.de ist man auch beim Partner Etihad unzufrieden darüber, dass Air Berlin derzeit für mehrere Monate die Boeing 777-200 EC-MIA von der spanischen Privilege Style für die Flüge von Berlin nach Abu Dhabi einsetzt.

"Das Business Class-Produkt ist nicht mit dem von Air Berlin oder Etihad vergleichbar, bietet keine Fullflat-Sitze, das hätte Air Berlin eher auf Strecken wie nach Miami mit mehr Urlaubern einsetzen sollen als nach Abu Dhabi, wo der Geschäftsreise-Anteil höher liegt," heißt es bei Etihad gegenüber aero.de.

Die Ursache für das Anmieten der 777 lag nach Brancheninformationen allerdings darin, dass mehrere in Abu Dhabi bei Etihad Airways Engineering zur Wartung bzw. in der Kabinenumrüstung befindliche Airbus A330 für Air Berlin sich in ihrer Ablieferung um bis zu drei Monate verzögert hatten.

Dabei handelte es sich in zwei Fällen um Neuzugänge, die A330-200 D-ABXE (ex-TAM) und D-ABXG (ex-Evelop), die genau wie ein drittes Flugzeug jetzt aus der Überholung zurück und bereits wieder für Air Berlin im Einsatz sind.

"Seit dem 1. Juni sind Air Berlin und LGW mit Flugzeugen und Personal gut ausgestattet, es gab 700 Neueinstellungen bei Air Berlin, 50 bei LGW und 100 bei NIKI," erklärt Thomas Winkelmann. Deshalb kann Air Berlin bis Ende Juli alle im Wet Leasing betriebenen Flugzeuge wieder zurückgeben.

Nur bis zum 30. Juni kommt dabei noch Air Mistral zum Einsatz, die sowohl ATR-72 als auch Boeing 737 (darunter eine in Go2Sky-Bemalung) gestellt hatte. Kritik an Air Mistral oder anderen beauftragten Flugunternehmen weist Oliver Iffert, der COO von Air Berlin, zurück: "Wir hatten auch Angebote zum Wet Leasing, die wir nicht genommen haben. Unternehmen wie Air Mistral sind klein, aber das bedeutet nicht dass sie unsicher sind, die erfüllen die Standards, die wir mit dem LBA abgeklärt haben und damit ist das eine vernünftige Lösung."

Ein vorhandenes IOSA-Sicherheitsaudit der IATA sei Grundvoraussetzung, darüber hinaus "sind wir nicht mit dem Minimum zufrieden, sondern haben einen weiteren Auswahlprozess, der darauf aufbaut."

"Völlig in Ordnung"


Der Einsatz der Privilege Style-Boeing 777 endet am 10. Juli. Das Produkt sei "völlig in Ordnung", heißt es intern, und im Gegenteil sei die Empfindlichkeit der Miami-Klientel gegenüber der nicht Air Berlin-Standard bietenden Business-Kabine größer als auf der Abu Dhabi-Strecke, daher der Einsatz dort.

Bis Ende Juli wird Air Berlin noch eine Saab 2000 von Etihad Regional/Darwin aus der Schweiz einsetzen sowie eine Q400 von Wideroe aus Norwegen. Danach ist Air Berlin nach eigenen Angaben wieder in der Lage, ihre angebotenen Flüge auch selbst durchzuführen. Gleichzeitig liefert die Fluggesellschaft erst jetzt die letzten drei von 38 vereinbarten Airbus A320 an Austrian Airlines bzw. Eurowings.
© Andreas Spaeth, aero.de | Abb.: Oyoyoy CCBYSA | 28.06.2017 08:14


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