Airlines
Älter als 7 Tage

Tauziehen um Air Berlin geht in die Fortsetzung

Air Berlin Airbus A330-200
Air Berlin Airbus A330-200, © Air Berlin

Verwandte Themen

BERLIN - Der Bund lehnt eine Komplett-Übernahme der insolventen Air Berlin durch den Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl klar ab. "Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig am Samstag dem Inforadio des RBB.

Man müsse "nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass man jetzt mehrere Partner braucht". Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lag bis zum Samstagmittag noch kein Angebot von Wöhrl bei Air Berlin vor.

Es werde auch keinen Zuschlag alleine an die Lufthansa geben, mit der Air Berlin bereits Gespräche führt, sagte Machnig. "Das wäre kartellrechtlich und wettbewerbsrechtlich gar nicht möglich." Nach eigenen Angaben ist der Bund an den Verhandlungen nicht beteiligt und steuert sie auch nicht.

Air Berlin spricht nach eigenen Angaben außer mit dem deutschen Marktführer Lufthansa mit zwei weiteren Unternehmen. Als Interessenten gelten die britische Billiglinie Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor. Die Verhandlungen hatten dem Vernehmen nach am Freitag begonnen und sollen schon bald beendet werden.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem der Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte.

Etihad friert Topbonus ein

Kunden können ihre gesammelten Flugmeilen nicht mehr gegen Gratisflüge oder andere Prämien einlösen. "Wir müssen das Meilensammeln und das Meileneinlösen solange aussetzen, bis wir Klarheit über die Situation bei Air Berlin erlangt haben", hieß es auf der Seite des Programms Topbonus.

Ein Airline-Sprecher sagte: "Air Berlin bedauert, dass der Mehrheitseigner das Topbonus-Programm offenbar nicht weiter führen will." Etihad hält 70 Prozent an dem Vielfliegerprogramm, Air Berlin 30 Prozent.

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, warnte vor einer politisch motivierten Bevorzugung der Lufthansa bei der Zerschlagung von Air Berlin. Ein Ausbau der Lufthansa-Marktanteile in der internationalen Luftfahrt sei zwar grundsätzlich zu begrüßen.

"Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde", sagte Wambach der "Welt am Sonntag". In der Regel führe weniger Wettbewerb zu weniger Innovationen und zu unattraktiveren Produkten, meinte der Chef des Beratungsgremiums. Die Lufthansa müsse stattdessen auf guten Service zu attraktiven Preisen setzen.

"Deutscher Champion"

Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt dafür geworben, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt: "Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr", hatte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post" (Freitag) gesagt.

Ziel der Verhandlungen sei, möglichst alle Angestellten so in eine neue Beschäftigung zu überführen, dass die tarifvertraglichen Grundlagen weiter gelten, sagte Staatssekretär Machnig. "Wir haben den Verantwortlichen bei Air Berlin und bei anderen Airlines unsere Erwartungen sehr deutlich formuliert, und ich glaube auch, dass ist verstanden worden", sagte Machnig.

Ryanair-Chef Michael O'Leary, der eine Bevorzugung der Lufthansa beklagt, sei dafür bekannt, "PR-mäßig" unterwegs zu sein, sagte Machnig weiter. Wenn er wirklich Interesse habe, solle er sich melden: "Ich bin gerne zu Gesprächen bereit."

Die Bundesregierung hatte Air Berlin mit einem Brückenkredit in Höhe von 150 Millionen Euro geholfen. Das war unter anderem von O'Leary scharf kritisiert worden. Rückendeckung erhielt der Bund hingegen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Es sei "vernünftig, das zu machen", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer dem SWR. Er forderte aber, schnell eine Lösung für die Fluglinie zu finden.

Vor allem der deutsche Marktführer Lufthansa hofft auf einen großen Teil der Flugzeuge der Airline. Die Gewerkschaft Verdi forderte, einen Sozialtarifvertrag zu vereinbaren, um den Übergang für die mehr als 8.000 betroffenen Mitarbeiter abzufedern.

Bei den Gesprächen mit Lufthansa könne es um rund 90 der 144 von Air Berlin geleasten Flugzeuge gehen, hieß es in Unternehmenskreisen. Im Eigentum von Air Berlin ist keine Maschine der Flotte mehr. Dementsprechend müssen auch die Leasingfirmen in eine Vereinbarung eingebunden werden.

Eine Komplettübernahme von Air Berlin, die derzeit aber nicht zur Debatte steht, würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einer starken Stellung verhelfen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Ingo Lang | 20.08.2017 11:11

Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de registrieren oder einloggen.

Beitrag vom 20.08.2017 - 21:59 Uhr
Worum geht es bei der Insolvenz?
Es geht hierbei zunächst nicht um Arbeitsplätze sondern um Befriedigung der bzw. die gerechte Verteilung der Verluste auf die Gläubiger.
Kann Wöhrl ansatzweise die Interessen der Gläubiger befriedigen?


Beitrag vom 20.08.2017 - 18:36 Uhr
Etwas Störfeuer gefällig? Air Berlin würde es in jetziger Form ohne Herr Wöhrle nicht geben, ob das nun gut oder schlecht ist. Fakt ist das Wöhrl damals sowohl LTU als auch Deutsche DBA vor dem Untergang bewahrt hat und dann an Air Berlin veräußerte, sicherlich mit der Absicht daran zu verdienen. Sei es drum.

Wöhrl bereits im Vorfeld auszuschließen hat definitiv ein Geschmäckle. Das es am Ende wahrscheinlich doch LH wird ist auch in meinen Augen der richtige Weg, wobei es LH wenn überhaupt auf die Slots und das Fliegende Personal geht. Neue, gar bessere Leasingverträge abzuschließen traue ich LH sowieso zu. Auch der Bereich Technik und Maintenance sowie Bodenpersonal an manchen Stationen dürften von Interesse sein und für die endgültige Abwicklung der Verwaltungsstellen auch die Personalabteilung und Teile der Buchhaltung. Einfach platt gehen lassen ist die denkbar schlechteste Alternative auch für LH.
Beitrag vom 20.08.2017 - 15:54 Uhr
Woher beziehen Sie Ihre durchaus detaillierten Informationen? Aus der hier kopierten dpa Meldung? Laut Insolvenzverwalter, Interview glaube FAZ bin aber nicht sicher, wird mit 10 Interessenten, aber nicht alles Airlines, verhandelt. Richtig ist, bei der Vorstellung und Erläuterung der Angebote hat LH am Freitag den Anfang gemacht. Warten wir doch erst mal ab, was die nächsten Tage so durchsickert. Dann kann man ja immer noch urteilen. So kommt hier nur eine weitere (vollständige?) Zusammenfassung des bisher Bekannten.

Ich will gar nicht urteilen was hier gut oder schlecht läuft, aber wenn alle strikt "by the book" handelten wäre AB seit Freitag 18 Uhr gegroundet. Mit allem was dazu gehört.

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2017 15:55 Uhr bearbeitet.


Stellenmarkt

Schlagzeilen

Meistgelesene Artikel

Community

Thema: Pilotenausbildung

PaxEx.de Passenger Experience

FLUGREVUE 10/2019

Shop

Es gibt neue
Nachrichten bei aero.de

Startseite neu laden