Stillstand bei Tarifverhandlungen
Älter als 7 Tage

Lautes Schweigen zwischen Lufthansa und UFO

Lufthansa Kabine
Lufthansa Kabine, © Lufthansa Group

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FRANKFURT - Lufthansa und UFO liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch, zu konstruktiven Gesprächen über die Arbeitsbedingungen in der Lufthansa-Kabine ist es seit Monaten nicht gekommen. Schuld am Stillstand ist der jeweils Andere. Unterdessen hofft ein Dritter auf seine Chance: Ver.di.

"Ver.di organisiert schon heute eine namhafte Zahl an Kabinenpersonal bei der Lufthansa, stellt jedoch derzeit die Minderheitsgewerkschaft gegenüber der UFO", teilte eine Sprecherin der Gewerkschaft aero.de mit. "Im letzten halben Jahr hatten wir einen weiteren Zuwachs."

Dass Ver.di das Zepter in den Tarifverhandlungen mit der Lufthansa übernimmt, fürchtet Daniel Flohr von der UFO auf absehbare Zeit nicht. Seine Gewerkschaft vertritt ihm zufolge aktuell die deutliche Mehrheit des Lufthansa-Kabinenpersonals.

Doch zwischen Lufthansa und der UFO herrscht seit Monaten ein lautstarkes Schweigen. Lautstark, weil Konzern und Gewerkschaft sich öffentlich Anschuldigungen zuwerfen.

Schweigen, weil die Verhandlungsführer der Tarifgespräche sich seit Februar nicht mehr persönlich zusammengesetzt haben. Die Kündigung der Tarifverträge durch die UFO erkennt Lufthansa nicht an.

"Derzeit ist für uns nicht erkennbar, wann und wie UFO ihrer Rolle als berechenbarer, konstruktiver Tarifpartner wieder gerecht werden kann. Daher finden aktuell keine Gespräche statt", sagte eine Lufthansa-Sprecherin gegenüber aero.de.

Unter welchen Voraussetzungen wäre die Lufthansa bereit, die Tarifverhandlungen mit der UFO noch im Sommer wieder aufzunehmen? "Wir erwarten, dass die Gewerkschaft schnellstmöglich ihre personellen Unruhen beilegt und ihre Vertretungsbefugnis klärt", so die Sprecherin.

Flohr: "Vertrauenskrise"

Flohr sieht dagegen weder ein Führungs-Dilemma in der UFO noch hält er die Vertretungsbefugnis für fraglich. "Wenn überhaupt haben wir eine Vertrauenskrise, weil Dinge nicht gut gelaufen sind. Wir befinden uns in der internen Aufarbeitung , wir sind dabei, Dinge transparent zu machen und Vertrauen wieder herzustellen."

Flohr: "Hätte die Lufthansa hier ein echtes Aufklärungsbedürfnis, würde uns unser Ansprechpartner bei der Lufthansa anrufen und ein persönliches Gespräch vereinbaren." Also mit ihm oder einem Mitglied der gewählten UFO-Tarifkommission.

In einem Schreiben der Lufthansa an die UFO spricht der Konzern der Gewerkschaft jedoch wegen interner Querelen, staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, kritischer Berichterstattung in den Medien und dem angeblichen Austritt hunderter Mitglieder die Basis für "eine belastbare gewerkschaftliche, tarifpolitische Arbeit" ab.

"Die Einzige, die diese Behauptung in den Raum stellt, ist die Lufthansa", sagt Flohr dazu. "Wir haben letzte Woche einen Tarifabschluss mit der LGW gemacht. Wir zeichnen ja heute noch Tarifverträge."

Der Konzern versuche, die Kabinenmitarbeiter mit diesen Aussagen zu verunsichern und davon abzuhalten, sich an einem Streik zu beteiligen. Indem er immer wieder neue Fragen aufwerfe, die aufwendig intern beantwortet werden müssten, wolle er die UFO beschäftigt halten.

Hat die Lufthansa ein Interesse daran, mit einer anderen Gewerkschaft zu verhandeln? "Es ist nicht an uns, zu definieren, wer die gewerkschaftliche Vertretung der Lufthansa-Kabine ist", sagt die Lufthansa-Sprecherin. "Uns ist wichtig, dass die Kabine eine verlässliche, stabile und unabhängige Gewerkschaft hat, über die sie ihre Interessen wahrnehmen kann."

Laut Flohr ist die UFO trotz Vertrauenskrise und der zu erledigenden Hausaufgaben uneingeschränkt in der Lage, mit der Lufthansa über die Arbeitsbedingungen in der Kabine zu verhandeln. "Das läuft alles parallel." Und: auch für Streikvorbereitungen blieben der Gewerkschaft Kapazitäten.
© aero.de (boa) | Abb.: Lufthansa | 20.06.2019 11:22


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