"Endphase der Zertifizierung"
Älter als 7 Tage

Boeing will geparkte 737 MAX zügig ausliefern

Xiamen Airlines Boeing 737 MAX
Xiamen Airlines Boeing 737 MAX, © Boeing

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SEATTLE - Boeing arbeitet auf eine Wiederzulassung der 737 MAX in den nächsten Wochen hin. Der regulatorische Prozess sei "in der Endphase", sagt Boeing-Chef Dennis Muilenburg. An den Werken stauen sich rund 250 737 MAX - Boeing will die Flugzeuge in nie dagewesenem Tempo ausliefern.

Am 10. März 2019 halfen die Nebelkerzen nicht mehr, mit denen Boeing nach dem Absturz von Lion Air-Flug 610 Sicherheitsrisiken der 737 MAX vor Behörden, Piloten und Öffentlichkeit verschleiert hatte. Als mit Ethiopian Airlines 302 eine weitere 737 MAX 8 alle Insassen in den Tod riss, griffen die Regulierer binnen Tagen, teils binnen Stunden durch: Flugstopp.

Im Lichte der Abstürze hat Boeing die Sicherheitsarchitektur der 737 MAX überarbeitet und der umstrittenen Trimmautomatik MCAS wesentlich engere Systemgrenzen einprogrammiert. Im Konzern sollen mit einem Sicherheitsausschuss und einer Sicherheitsaufsicht gleich zwei neue Gremien die Sicherheitskultur verbessern und schützen.

Die Ankündigung der neuen Instanzen lässt darauf schließen, dass Boeing fest mit einer baldigen Wiederzulassung rechnet.

"Das ist die Endphase der Zertifizierung", sagte Konzernchef Dennis Muilenburg am Montag in einem Interview mit "Bloomberg". "Wir peilen immer noch eine Wiederinbetriebnahme Anfang des vierten Quartals an, aber ich möchte wiederholen, dass der Zeitplan von den Regulierungsbehörden festgelegt wird."

70 Auslieferungen pro Monat

Tatsächlich hat Boeing längst mit Vorbereitungen für die Zeit nach Aufhebung der Flugverbote begonnen: Zeitarbeiter sollen geparkte Neuflugzeuge auf den neuen Zulassungsstandard umrüsten. Mehr als 250 737 MAX warten derzeit auf Boeing-Stellflächen auf ihren Abflug zu den Kunden.

Geparkte Boeing 737 MAX, © TSL

Nach Informationen von "Flightglobal" will Boeing die Bestände rasch abbauen und pro Monat bis zu 70 Auslieferungen stemmen. Nur einmal - im Dezember 2018 - hatte das Programm mit 69 Flugzeugen ein ähnliches Liefertempo für kurze Zeit erreicht.

Die Neuproduktion soll im Jahresverlauf 2020 den beschlossenen Zielwert von 57 737 MAX pro Monat erreichen. In der Groundingphase hatte Boeing die Linie auf 42 Flugzeuge pro Monat gedrosselt.

Auch Airlines bereiten sich auf den Neuanfang mit der MAX vor: Großabnehmer Southwest Airlines rechnet damit, erste Passagiere "45 bis 60 Tage nach Aufhebung der Flugsperre" durch die US-Luftfahrtbehörde FAA wieder mit der 737 MAX zu befördern - im Verlauf des ersten Quartals 2020 soll die 737 MAX in den Liniendienst zurückkehren.
© Bloomberg News, aero.de | Abb.: United | 01.10.2019 08:48

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Beitrag vom 09.10.2019 - 20:54 Uhr
Laut Seattletimes kann es doch noch etwas länger dauern bis zur Freigabe:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/american-airlines-pushes-out-737-max-return-to-mid-january/

Noch dazu hat Aeroflot heute 22 787 abbestellt und die Southwest Piloten haben Boeing auf 115 Mil $ Schadensersatz verklagt und schwere Beschuldigungen vorgebracht:
 https://www.seattletimes.com/business/boeing-aerospace/in-scathing-lawsuit-southwest-pilots-union-says-boeing-737-max-was-unsafe/

Nachtrag aus dem obigen Artikel, Jon Weaks, Präsident SWPA, Southwest Airlines Pilot Assoziation:
Zitat
"Wenn fehlerhafte Daten von einem einzigen Anstellwinkelsensor (MCAS) eingespeist werden, wird das Flugzeug ohne Eingaben oder Wissen des Piloten in einen nicht behebbaren nose down befohlen “, heißt es in der Klage und fügt hinzu, dass die beiden Luftunfälle, bei denen a 346 Menschen starben, waren "tragisch und vermeidbar".

"Diese dreht sich um MCAS", sagte Weaks. "Sie können nicht trainieren, was nicht im (Pilot-) Handbuch steht. Und MCAS war nicht im Handbuch. "

Weaks wies die Schuld auf Boeings Design und lehnte die Idee ab, dass die Piloten auf den beiden abgestürzten Flügen zur Verantwortung gezogen werden sollten, da ihnen möglicherweise die Fähigkeiten der bestausgebildeten US-Piloten fehlten."
Zitat Ende
SW ist immerhin der größte Betreiber von B 377 Flugzeugen und wenn deren Pilotenvereinigungs Präsident als CPT solche Aussagen trifft, ist das schon sehr schwerwiegend. Was wohl unsere Forums 737 Piloten zu solchen Anschuldigungen sagen? Da war doch was mit einfach Schalter umlegen und so...

Das wird immer teurer für Boeing...


Dieser Beitrag wurde am 09.10.2019 21:23 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.10.2019 - 16:10 Uhr
Ich kann verstehen, dass Boeing eine Kommunikationssperre zu dem Thema an alle ausser dem CEO verhängt hat. Das hat sicherlich rechtliche Gründe muss jede Companie die Aktien am Markt verkauft so machen, sonst ist das auch noch Aktienkursbeeinflussung.
Sie könnten aber Fehler eingestehen ohne sie direkt zu benennen und regelmässig über die Aufarbeitung und Verbesserung kommunizieren.
…..So Sicherheitsproblem XY erkannt - das wird so und so behoben, folgende Ziele werden dabei verfolgt, dann werden wir wieder den Status prüfen und kommunizieren....

Es ist ehh schon peinlich, da ja doch alle ausser POTUS denken zu wissen, dass Boeing Schuld auf sich geladen hat. Mit einem Eingeständnis würden sie nichts schlimmer sondern mit der offen geführten Problembehebung würden sie es besser machen.
Beitrag vom 08.10.2019 - 11:47 Uhr
Ich verstehe dass Boeing seine Aktionäre bei Laune halten möchte, die getätigten Aussagen sind jedoch so verdammt positiv, dass sich schon die Frage stellt inwiefern das unlautere Beeinflussung des Aktienkurses darstellt.

So weit würde ich jetzt nicht gehen. Das „Leistungspotential“ von Boeings Marketingabteilung ist ja hinlänglich bekannt. Man erinnere sich nur an die Entwicklung der 787...

Es soll einfach weiter der Eindruck von Fortschritten und dem Näherrücken des Ende des Groundings geweckt werden.
Wenn Boeing die finale technische Lösung der FAA vorgelegt hat, wird Boeing massiv medialen Druck auf die Behörden ausüben bzw. insbesondere für weitere Verzögerungen den schwarzen Peter auf die Behörden schieben. Alles in allem ein normales Procedere - auch bei Airbus würde das nicht viel anders aussehen.

Alles, was ich seit Oktober 2018 (also seit dem Lion-Air-Absturz) von Boeing zum Thema 737 MAX gelesen habe, kam aus der Marketingabteilung. Alles. Und immer war alles easy, das MCAS im Bedarfsfall zunächst mit einem ganz simplen Handgriff zu neutralisieren und nach dem Ethiopian-Absturz, als die Aufsichtsbehörden weltweit die Notbremse zogen, die MAX demnächst ganz schnell wieder in der Luft. Ich habe von keinem einzigen Boeing-Verantwortlichen mit technischem Sachverstand Informationen zum tatsächlichen technischen Sachstand gelesen - faktisch gab es, soweit ich zu sehen vermag, überhaupt kein offizielles Statement eines technischen Sachverständigen von Boeing, allenfalls Fernseh-Interviews von Dennis Muilenburg, in denen er ebenfalls kund tat, dass alles ganz easy sei und die 737 MAX demnächst wieder in der Luft - und dann gegenteilige Whistleblower-Infos in der Seattle Times. Das zeigt in meinen Augen, dass Boeing von Muilenburg immer noch so geführt wird wie es immer geführt wurde seit er dort CEO ist: Mit Blick auf die Shareholder und den Börsenkurs und ohne Interesse, ja, nach meinem Empfinden sogar ohne Verständnis für die Relevanz der Technik in der Luftfahrtbranche.
Daher würde ich alles, was zum Thema 737 MAX von Boeing kommt, nur mit der ganz, ganz spitzen Zange anfassen und mich in meiner Einschätzung der realen Situation allein nach den offiziellen Statements richten, die von den Aufsichtsbehörden kommen (vor allem von FAA und EASA - noch einmal gegenüber Boeing so vertrauensselig zu sein wie vormals können die sich nämlich politisch inzwischen nicht mehr leisten).
Natürlich wird Boeing - genauer gesagt: die PR-Abteilung von Boeing und der CEO - versuchen, den Aufsichtsbehörden die Schuld in die Schuhe zu schieben, sollte die MAX nicht mehr in die Luft kommen (und das ist eine Option, die man nach meinem Dafürhalten inzwischen in Rechnung zu stellen hat). Nach ihrer bisherigen Öffentlichkeitsarbeit zu urteilen wird ihnen etwas Besseres nicht einfallen. Aber damit werden sie im öffentlichen Diskurs auch nicht sehr viel weiter kommen als bisher, schließlich ist es Sache von Boeing, ein zertifizierungsfähiges Flugzeug zu liefern.

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2019 11:53 Uhr bearbeitet.


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