Schlichtung mit Ufo
Älter als 7 Tage

Vorerst keine weiteren Streiks bei Lufthansa

Nicoley Baublies (Ufo) und Bettina Volkens (Lufthansa)
Nicoley Baublies (Ufo) und Bettina Volkens (Lufthansa), © Ufo

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FRANKFURT - Passagiere der Lufthansa können aufatmen: Mit einer am Dienstag vereinbarten Schlichtung zwischen der Fluggesellschaft und der Kabinengewerkschaft Ufo sind erneute Streiks der Flugbegleiter erst einmal vom Tisch, wie beide Seiten nach dreitägigen Gesprächen in Frankfurt erklärten.

Der Lufthansa-Konzern hat sich laut Ufo zudem bereit erklärt, verschiedene arbeitsrechtliche Klagen gegen die Spartengewerkschaft zurückzunehmen. Auch soll es bereits erste Verbesserungen für Berufseinsteiger geben.

Die Gewerkschaft hatte für den Fall des Scheiterns der Sondierungen neue Streiks in verschiedenen Lufthansa-Flugbetrieben angedroht, nachdem sie bereits in der vergangenen Woche an zwei Tagen rund 1.500 Flüge verhindert hatte.

Die Gewerkschaft erklärte sich nun mit einer Friedenspflicht bereit, bis zum Ende der Schlichtung auf weitere Arbeitskampfmaßnahmen zu verzichten. Über nähere Details und möglicherweise auch schon konkrete Schlichter wollen die Kontrahenten erst am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt berichten.

In dem Tarifkonflikt geht es nur vordergründig um Spesen und Zulagen für die rund 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kerngesellschaft. Lufthansa hat die Ufo-Führung nach internen Führungskämpfen monatelang nicht anerkannt und zudem parallel Verhandlungen mit der Konkurrenz-Gewerkschaft Verdi aufgenommen.

Es stellt sich nun immer noch die Frage, welche Gewerkschaft künftig die Tarifverträge für die Flugbegleiter aushandelt und unterzeichnet. Lufthansa hatte angekündigt, neben der Ufo auch mit Verdi und der erst am Montag gegründeten "Cabin Union" zu sprechen. Laut einer Ufo-Mitteilung werden Verdis Rechte als Minderheitsgewerkschaft geschützt. Verdi könne sich in die Prozesse einbringen, erklärte das Unternehmen.

Nach dem Grundsatz der Tarifeinheit soll in einem Betrieb eigentlich die mitgliederstärkste Gewerkschaft die Tarifbedingungen vereinbaren. Ufo nimmt für sich in Anspruch, mehr als die Hälfte der Lufthansa-Flugbegleiter zu vertreten. Ausgezählt worden sind die Mehrheitsverhältnisse bislang aber nicht.

Lufthansa hatte seit Monaten dem Ufo-Vorstand nach gewerkschaftsinternen Querelen die Vertretungsberechtigung abgesprochen und jegliche Verhandlungen mit den Funktionären abgelehnt. Ufo will zum 14. Februar kommenden Jahres einen neuen Vorstand gewählt haben.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte das Steuer herumgeworfen, indem er in der verfahrenen Situation das persönliche Gespräch mit den Gewerkschaftsspitzen suchte. "Wenn wir schlichten, muss das ganze juristischen Halt haben", hatte Spohr der Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens vorgegeben.

Verdi hatte die umfangreichen Flugabsagen der Lufthansa zum Ufo-Streik am vergangenen Donnerstag und Freitag scharf kritisiert. Verdi äußerte den Verdacht, dass der "nach Presseberichten augenscheinlich unter schweren Korruptionsverdacht geratene Verein UFO e.V." wieder salonfähig gemacht werden solle. Es brauche ein neues, klares Tarifwerk.

Update: Winterzulage für Saisonkräfte

Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier reklamierte eine für die rund 3.500 Saisonkräfte vereinbarte "Winterzulage" von 400 Euro pro Monat als Verhandlungserfolg ihrer Gewerkschaft, den Ufo nur nachzeichne. "Es zeigt sich, dass sich erst etwas bewegt, wenn wir den Finger in die Tarifwunden legen." Grundsätzlich müsse aber das gesamte von Ufo geschaffene Tarifwerk verändert werden.

Bereits mit der aktuellen Übereinkunft seien besondere Zahlungen für diese Gruppe vereinbart worden, stellte ein Ufo-Sprecher die Sache dar.

Eine zunächst geforderte Gehaltserhöhung um 2 Prozent für alle Flugbegleiter hatte Lufthansa bereits einseitig umgesetzt, ohne dies allerdings verbindlich tariflich zugesagt zu haben.

Die Cabin Union hat nach eigenen Angaben am Montag einen Vorstand mit sieben Mitgliedern gewählt, einen ebenso starken Beirat sowie eine Tarifkommission mit fünf Personen. Sie ist ein eigenständiger Fachbereich innerhalb der Industriegewerkschaft Luftverkehr, die Beschäftigte aus allen Luftverkehrsbereichen organisieren will. Tarifverträge hat die IGL bislang aber noch nicht abgeschlossen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 12.11.2019 17:11

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Beitrag vom 13.11.2019 - 12:16 Uhr
Die Ausdifferenzierung der Gewerkschaften und die Entstehung von Spartengewerkschaften sind natürlich ein ambivalentes Phänomen, verstärkt noch durch die arbeitsrechtliche Regelung, dass die jeweils mitgliederstärkste Gewerkschaft eines Bereiches den für alle gültigen Tarifvertrag aushandelt - eine Regelung, die man einführte weil man hoffte, damit der GdL das Wasser abgraben zu können.

Erinnert werden muss allerdings, dass der Erfolg der Spartengewerkschaften in manchen Branchen wie der Luftfahrt durch den auf Konfrontation ausgerichteten "angelsächsischen Führungsstil" der neueren Manager-Generation letztlich verursacht wurde - ein Führungsstil, der die Ausrichtung der traditionellen DGB-Gewerkschaften auf Mitbestimmung und die damit verbundene Neigung zum Konflikt und Streik scheuenden "Bargaining" vor allem als Schwäche interpretierte, die in vielen Tarifverhandlungen auch gnadenlos ausgenutzt wurde. In der Folge standen die alten DGB-Gewerkschafter häufig als Looser mit sehr weit heruntergeholten Hosen vor ihren Mitgliedern - und bestimmte Schlüsselgruppen einiger Branchen haben sich das dann irgendwann einfach nicht mehr gefallen lassen und ihre Schlüsselstellung in den Unternehmen zur Gründung von Spartengewerkschaften genutzt - als erstes die Ärzte, dann die Lokführer, in sehr breitem Maße auch Piloten und Kabinencrews der Luftfahrtbranche (aber natürlich nicht nur diese). Dies hat einerseits zur Folge, dass jene Berufsgruppen in den Unternehmen, die nicht zu den "Schlüsselberufen" zählen, deren Mitglieder leicht austauschbar sind und/ oder schlecht organisiert, jetzt eine noch geringere Lobby und schwächere Interessenvertretung haben. Am Anfang fanden das viele, die ihre Weisheit von den "Chicago Boys" bezogen, auch besonders toll, ich habe noch die Wahlkampfreden der FDP im Ohr, wo jubiliert wurde, endlich zöge mit den neuen Spartengewerkschaften auch bei den Gewerkschaften die freie Marktwirtschaft ein. Das hat sich dann aber recht schnell wieder gedämpft als klar wurde, dass die Vorstände dieser neuen Spartengewerkschaften im Grunde genauso "ticken" wie die Top-Manager auf der Unternehmerseite - dass es bei ihnen nicht mehr um Mitbestimmung zum Wohl des Gesamtunternehmens und um Partizipation durch Einbeziehung von Arbeitnehmerinteressen bei der Unternehmensführung geht sondern schlicht und brutal um die Machtfrage und um die Geldfrage. Also um die Frage: Wer ist hier der Chef und wer hat hier das Sagen? Und um die Frage: Wieviel Knete wächst rüber? Und zwar genau auch auf diesem intellektuellen und sprachlichen Niveau.

Leider ist das aber wohl die einzige Sprache, die viele Top-Manager heute verstehen: Entweder Du erfüllst unsere Forderungen oder wir streiken Dir den Laden kaputt - wie man momentan sehr anschaulich bei der Lufthansa sehen kann.

Dieser Beitrag wurde am 13.11.2019 12:24 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 12.11.2019 - 18:18 Uhr
ist ja schön, daß Streiks vorerst mal vom Tisch sein sollen.
Mit käünftig 3 Gewerkschaften nur für das Kabinenpersonal wird das aber nicht einfacher, zumal einerseits UFO reklamiert, die mitgliederstärkste Gewerkschaft zu sein (aber das ist bislang nicht offiziell hieb- und stichfest festgestellt), und ich das Gefühl habe, daß man mitnichten mit der mitgliederstärksten Gewerkschaft einen TV für das gesamte Kabinenpersonal abschließen wird.
und ich wiederhole mich gerne: EINE Gewerkschaft für alle AN in der Luftfahrt, das geht wohl, in anderen Branchen hat man auch sehr unerschiedliche Vergütungen und Leistungen, und man bringt das utner einen Hut.
Wenn das so weitergeht...sehe ich "nicht weiß"


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