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SAS ist die A320neo auf vielen Strecken zu groß

SAS Airbus A320neo
SAS Airbus A320neo, © Mark Harkin

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STOCKHOLM - In der aktuellen SAS-Flotte klafft laut Airlinechef Rickard Gustafson eine Lücke, die weder A320neo noch CRJ900 füllen können. Die Airline warnt nach enttäuschenden Geschäftszahlen vor "signfikant weniger Wachstum" 2020 - und will Tarifvereinbarungen mit dem Flugpersonal neu verhandeln.

Ein starkes Schlussquartal konnte das Geschäftsjahr für SAS nicht mehr drehen: die skandinavische Airline vermeldet für 2019 einen 61-Prozent-Einbruch ihres Operativgewinns auf 75,2 Millionen Euro.

Der Pilotenstreik mit 4.015 Flugausfällen im Frühjahr kostete SAS nach eigenen Angaben 58,2 Millionen Euro.

Für das laufende erste Geschäftsquartal 2020 erwartet Gustafson einen höheren Verlust, der auch mit dem trainingsintensiven Umstieg von Boeing 737 auf Airbus A320neo zusammenhängt. SAS hat ihre Kurzstreckenflotte mit 80 Bestellungen auf die A320neo ausgerichtet, kann die 180-Sitzer aber nicht auf allen Strecken zufriedenstellend auslasten.

"Rund 20 Prozent der Ziele im SAS-Netzwerk lassen sich optimal mit Flugzeugen bedienen, die zwischen der A320neo mit 180 Sitzen und der CRJ900 mit 90 Sitzen liegen", stellte Gustafson fest. "Wir können dort nicht auf Dauer mit großen, halbleeren Flugzeugen fliegen - wir brauchen Flugzeuge mit 120 bis 150 Sitzen."

Ausbau von SAS Ireland oder Cityjet-Mandat?

Airbus A220 oder Embraer E2 könnten die Lücke schließen, doch SAS sträubt sich gegen eine Bereederung solcher Flugzeuge zu Mainline-Kosten. Mit neun A320neo bei SAS Ireland und den CRJ900 bei Cityjet hat SAS bereits Teile der Produktion ausgelagert. SAS will mit den Gewerkschaften über einen Ausbau der externen Plattformen auf 120 bis 150 Sitzer sprechen, rechnet aber mit Widerstand.

Daher prüft SAS inzwischen die Gründung eines dritten Flugbetriebs unter dem Dach der Hauptairline. "Wenn es keine Einigung mit dem Tarifpartner gibt, müssen wir Regionalflugzeuge selbst betreiben", bestätigte SAS-Finanzvorstand Torbjorn Wist unternehmensinterne Überlegungen in diese Richtung.
© aero.de | Abb.: Mark Harkin, CCBY | 10.12.2019 09:35

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Beitrag vom 11.12.2019 - 09:23 Uhr
Ich denke mal, dass sich die Crews der SAS noch sehr gut daran erinnern können, dass ihre letzten Zugeständnisse vor ein paar Jahren direkt dazu benutzt wurden, um den Managern der oberen Etage prompt die wesentlichen erhöhten Bonus Zahlungen sowohl zu „begründen“ als auch zu bezahlen. Der Aufschrei damals war recht groß soweit ich mich erinnere.
Bei den bestehenden Strukturen unserer Wirtschaft und der Amerikanisierung der Gehaltsstrukturen speziell in den oberen Etagen muss man sich daher nicht wundern, wenn die Belegschaft wieder auf den Putz hauen sollte und sich weigert, auch nur einen kleinen Deut herzugeben.
SAS wird durch das im Artikel beschriebene Problem weder pleite gehen noch schrumpfen. Aber durch höchst spekulative zusätzliche Profite, die die Bereederung einer Flotte kleinerer Flieger bewirken könnte, profitiert kein Arbeitnehmer außer in den höchsten Management Ebenen.
Ob dazu jemand aus der operativen Belegschaft bereit ist, wird sich zeigen. Ich habe da so meine Zweifel. Dazu hat sich in der Vergangenheit die Geschäftsführung zu sehr selbst bedient.

Sie treffen den Nagel auf den Kopf, insbesondere die "Amerikanisierung der Gehaltsstrukturen"
Beitrag vom 11.12.2019 - 09:11 Uhr
Ich denke mal, dass sich die Crews der SAS noch sehr gut daran erinnern können, dass ihre letzten Zugeständnisse vor ein paar Jahren direkt dazu benutzt wurden, um den Managern der oberen Etage prompt die wesentlichen erhöhten Bonus Zahlungen sowohl zu „begründen“ als auch zu bezahlen. Der Aufschrei damals war recht groß soweit ich mich erinnere.
Bei den bestehenden Strukturen unserer Wirtschaft und der Amerikanisierung der Gehaltsstrukturen speziell in den oberen Etagen muss man sich daher nicht wundern, wenn die Belegschaft wieder auf den Putz hauen sollte und sich weigert, auch nur einen kleinen Deut herzugeben.
SAS wird durch das im Artikel beschriebene Problem weder pleite gehen noch schrumpfen. Aber durch höchst spekulative zusätzliche Profite, die die Bereederung einer Flotte kleinerer Flieger bewirken könnte, profitiert kein Arbeitnehmer außer in den höchsten Management Ebenen.
Ob dazu jemand aus der operativen Belegschaft bereit ist, wird sich zeigen. Ich habe da so meine Zweifel. Dazu hat sich in der Vergangenheit die Geschäftsführung zu sehr selbst bedient.
Beitrag vom 10.12.2019 - 13:41 Uhr
Naja, es gibt doch auch noch den A319. Es werden doch fast regelmäßig Flugzeugbestellungen aufgrund von unerwarteten Marktsituationen abgeändert; siehe A380 --> A350. Bevor Airbus Aufträge an Embraer verliert, würden die bestimmt auch statt A320 A220 und A319 ausliefern.

Das Problem ist glaube ich weniger, dass es keine passenden Flieger auf dem Markt gibt oder man mit Airbus keine Einigung erzielen würde, sondern eher, dass man diese kleineren Flieger nicht zu den gleichen Konditionen wie große Flieger bereedern will.

Ich denke auch nicht wirklich, dass das ganze jetzt so eine große Überraschung für SAS ist, wie man es bei dem Artikel vielleicht interpretieren könnte. Das wird denen vorher schon bewusst gewesen sein, als sie angefangen haben, die kleineren 737-600 durch A320 zu ersetzen.


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