Flug PS752
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Nach 737-Absturz im Iran suchen Ermittler nach Ursache

Flug PS752 am 08.01.2020
Flug PS752 am 08.01.2020, © ANTW/Twitter

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KIEW / TEHERAN - Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine vom Typ Boeing 737-800 im Iran geht die Suche nach der Ursache weiter. Iranische, ukrainische, schwedische und kanadische Experten sind an der Aufklärung beteiligt. Laut iranischen Ermittlern brannte das Flugzeug bereits in der Luft.

Die iranische Regierung hat am Donnerstag (9. Januar 2019) Schweden und Kanada eingeladen, ebenfalls Ermittler zu entsenden, um die Ursache des Unglücks herauszufinden. Ein erstes Treffen zwischen ukrainischen und iranischen Ermittlern hat am Donnerstag bereits stattgefunden.

In einem ersten Bericht beziehen sich die Ermittler der iranischen Luftfahrtbehörde auf Zeugen, die das Unglück vom Boden aus beobachtet haben, aber auch auf die Besatzung eines anderen Flugzeugs, das in der Nähe der Boeing 737-800 flog. Demnach brannte sie bereits in der Luft.

Nach Angaben der Behörden versuchte die Ukrainian Airlines-Besatzung, zum Flughafen in Teheran zurückzukehren. Einen Notruf habe es aber nicht gegeben.

Experten sehen Hinweise auf einen Raketentreffer, Quellen der Nachrichtenagentur "Reuters" zeichnen ein anderes Bild.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sollten Spezialisten aus Kiew in der Nacht zum Donnerstag zur Absturzstelle fliegen.

Die Experten sollen demnach bei der Suche und Identifizierung von Passagieren helfen. "Sie werden auch hinzugezogen, um die Leichen der Ukrainer zu überführen", sagte das Staatsoberhaupt. Auf seine Anweisung hin hatte die ukrainische Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

Die Maschine von Ukraine International Airlines stürzte am Mittwoch kurz nach dem Abflug aus etwa 2.400 Metern Höhe auf ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand ab. Sie war auf dem Weg von Teheran in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Nach Angaben beider Länder saßen 176 Menschen in dem Flieger.

Das Außenministerium in Kiew hatte zunächst auch von drei Deutschen gesprochen, die an Bord gewesen sein sollen. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwochabend mit, dass es zunächst keine Erkenntnisse über Todesopfer aus Deutschland erhalten habe.

Im Fokus der Ermittler stehen nun die letzten Minuten der Maschine. Die iranischen Behörden hatten kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen. Irans Präsident Hassan Ruhabi forderte später vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

Selenskyj hatte vor Spekulationen gewarnt. Ungeprüfte Informationen sollten nicht weitergegeben werden, sagte er. Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden Blackboxen mit den Flugdaten geborgen. Von ihnen erhoffen sich die Experten Aufschluss zur Ursache.

Der Iran hat noch nicht entschieden, ob unabhängige internationale Stellen die Daten auslesen und auswerten werden. Eine Übergabe an Boeing schloss Iran allerdings bereits aus.

Abschuss oder technischer Defekt

Laut Airline wurde die 737-800, die die Fluggesellschaft nach eigenen Angaben erst 2016 in den Dienst genommen hat, erst am vergangenen Montag überprüft.

Jeff Guzzetti, ein ehemaliger Chefermittler der US-Flugunfallbehörde NTSB sieht im Absturzverlauf und Trümmerbild "alle Kennzeichen einer absichtlichen Handlung". Die 737-800 sei bereits in der Luft "nicht mehr intakt" gewesen, sagte Guzzetti der "Washington Post".

Quellen der Nachrichtenagentur "Reuters" aus amerikanischen, kanadischen und europäischen Sicherheitskreisen zeichnen ein anderes Bild. Die erste Einschätzung der Geheimdienste laufe auf eine technische Fehlfunktion zu: es gebe Hinweise darauf, dass eines der Triebwerke überhitzte, sagte die kanadische Quelle.

Weltweit wollen mehrere Fluggesellschaften den iranischen Luftraum umfliegen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte Airlines aus ihrer Heimat bereits vor dem Absturz untersagt, überhaupt noch über den Irak, den Iran, den Persischen Golf und den Golf von Oman zu fliegen.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch US-Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Die FAA begründete das Flugverbot für zivile Flugzeuge aus den USA mit der erhöhten militärischen Aktivität und wachsenden politischen Spannungen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Absturz der ukrainischen Maschine und der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar.

Iran will Flugschreiber an Ukraine übergeben

Der Iran hat einem Tag nach dem Absturz bekräftigt, dass eine technische Ursache zu der Katastrophe geführt haben soll. "Wegen eines technischen Defekts hat die Maschine Feuer gefangen und dies führte zum Absturz", sagte Verkehrs- und Transportminister Mohammed Eslami der Nachrichtenagentur Isna am Donnerstag.

Spekulationen über einen "verdächtigen" Absturz und Gerüchte über einen Abschuss der Boeing 737 oder eine Terroroperation seien alle falsch, sagte der Minister. Wie er zu diesen Erkenntnissen kam, sagte Eslami nicht.

Die iranischen Behörden hatten bereits kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen. Irans Präsident Hassan Ruhabi forderte später vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

Bei dem Absturz kamen laut iranischen Angaben alle 176 Menschen am Bord ums Leben. Der Iran werde nach gründlichen Untersuchungen die beiden Blackboxen an die Ukraine übergeben, kündigte die Luftfahrtbehörde an. Laut Staatsanwaltschaft in Teheran sollten auch die Überreste der Leichen an die ukrainischen Behörden übergeben werden.
© dpa, aero.de | Abb.: Iranian Students News | 09.01.2020 06:21

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Beitrag vom 10.01.2020 - 15:14 Uhr
Ach ja, mein lieber, guter, alter Freund @contrail55, dabei habe ich über Carsten Spohr und die Lufthansa hier in diesem Beitrag gar nichts geschrieben... :-)

Sollte ich Mr. Gazzetti gestern Unrecht getan haben, dann bin ich bereit, Abbitte zu leisten. Oder er hat einfach doch aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung korrekt von c² auf a² geschlossen. Den Aviation Herald hatte ich gestern in der Tat zum Stand der Dinge in diesem Fall gelesen, ich bin mir dabei natürlich schon im Klaren darüber gewesen, dass er selbstverständlich nur öffentlich zugängliche Informationen und keine Geheimdienstinformationen oder geheime Regierungsdokumente veröffentlichen kann, allerdings hat er bei Crashs und Accidents von Flugzeugen eigentlich immer die validesten Informationen geboten und vor allem sachliche. Dass ich behauptet hätte, Insiderwissen zu besitzen und bessere Aussagen treffen zu können als die Spezialisten, können Sie in einem meiner Beiträge hier in diesem Forum nicht gelesen haben.

Ja, und das mit dem Warten auf den ersten Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde hat sich zwischenzeitlich ja wohl erledigt, dieser Vorgang ist seit gestern Abend auf einer anderen Ebene angekommen, nämlich auf der der Staatspräsidenten und Premierminister. Ich gebe zu, das habe ich gestern nachmittag so auch noch nicht erwartet sondern damit gerechnet - und das gefühlte zehn Mal hier im Forum auch so geschrieben, dass wir bis zum ersten Zwischenbericht warten müssen, bis wir nähere Informationen erhalten, die begründete Vermutungen über die Absturzursache erlauben ("Arbeitshypothesen": das ist etwas Anderes als Spekulationen).

Ihnen noch ein schönes und geruhsames Wochenende.

Dieser Beitrag wurde am 10.01.2020 15:22 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 09.01.2020 - 17:11 Uhr
Genau - wenn man sich etwas in die einschlägige Literatur hineinliest dann findet man, dass durch Bombenanschläge oder Abschüsse gecrashte Flugzeuge häufig bereits in der Luft zerbersten und dann einen weiten Trümmerradius verursachen, während "im ganzen Stück" gecrashte Flugzeuge zumeist ohne äußere Gewalteinwirkung verunfallt sind.
Wenn Sie dazu die einschlägigen Statistiken lesen dann sind es etwas mehr als die Hälfte die zum Absturz kommt, Der Rest hat noch eine Landung hinbekommen. Davon können Sie nichts ableiten undd jede Aussage dazu ist nicht besser als die Aussagen der Spezialisten.
Ich vermute, Mr. Gazzetti hat die Bilder von der Absturzstelle im Internet gesehen, die gestern veröffentlicht wurden, und dann nach dem genannten Erfahrungsmuster auf c²=b²+a² geschlossen - und sicher verfügt er über entsprechende berufliche Erfahrungen und Expertenkenntnisse. Leider ist er dabei aber offensichtlich doch dem "Ruheständlerphänomen" zum Opfer gefallen, also selbst keine validen Insider-Informationen über aktuelle Ermittlungen mehr zu besitzen, aber dann doch etwas sagen zu wollen, als sich eine Fernsehkamera auf ihn richtete bzw. ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten wurde - und mehr als spekulieren auf einem vielleicht etwas höheren Niveau konnte er dabei natürlich nicht, was jetzt als "Expertenmeinung" durch die medialisierte Welt unseres digitalen Global Village zirkuliert.
Damit ist er ja hier in bester Gesellschaft. Auch hier hat keiner Ahnung, geschweige denn Fach- oder Insiderwissen und trotzdem wissen alle was los ist. Auch gelobte Seite wie AVHerald beziehen die Informationen aus öffentlichen Quellen. Ok, die Filtern vielleicht mehr Bullshit raus, aber werden nie eine geheime interne Quelle zitieren.
Eine tatsächliche Expertenmeinung wäre nur die, welche von einem/r aktuellen ErmitterIn käme, die oder der in diesen speziellen zu untersuchenden Fall involviert ist, die oder der also über den aktuellen Stand der Dinge hinter den Kulissen der Öffentlichkeit in diesem konkreten Fall valide Informationen besitzt und somit tatsächlich etwas Valides zu sagen hätte.
Das wären dann die gut unterrichteten Quellen. Wenn da dann was an die Öffentlichkeit dringt weiß aber niemand ob das valide ist, oder nicht.
Persönlich bin ich übrigens froh, dass offenbar zumindest die ukrainischen Ermittler Zugang zu den Ermittlungen und damit auch zu den Daten von CVR und FDR erhalten sollen - was der ukrainische Präsident und auch der ukrainische Ministerpräsident gestern an Statements von sich gaben klang sachorientiert und vernünftig. Der iranische Verkehrsminister unternimmt dagegen jetzt schon zum zweiten Mal (gestern gleich am frühen Morgen hatte er das offenbar seinen Sprecher schon einmal tun lassen) den Versuch, die Untersuchungsbehörde seines Landes von vornherein auf die Unfallursache "technischer Defekt" festzulegen. Ein Untersuchungsbericht, bei dem die Politik von Anfang an festlegt, was die Untersuchungsbehörde herauszufinden hat, ist aber das Papier nicht wert, auf dem er steht - dafür hätten dann keine Bäume gefällt zu werden brauchen. Wohlgemerkt: Ich spekuliere hier nicht über Motivationen dieses Ministers, ich ordne hier einfach nur sein Verhalten ein, so wie es sich mir aus den mir zugänglichen Quellen erschließt. Ein externer zweiter Blick auf die Untersuchungen in diesem Fall scheint mir da wirklich sinnvoll zu sein.
Ach Politiker. Jeder hat seine Agenda und sucht die Bühne. Da sind alle gleich. Ansonnsten, willkommen im Club. Es ist eben nicht leicht bei den Fakten zu bleiben, auch wenn Sie das wiederholt anmahnen. Wenn man den ersten Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde liest dann halten sie sich an die Vereinbarungen. Alle Betroffenen sind eingeladen, auch das NTSB und auch Boeing. Daher läuft das so wie es aussieht erst mal nach Plan ab, aber das dauert nun mal und das scheint, wie immer, der schwierigste Part. Morgen kommt der Bericht auf englisch raus, dann wissen wir wieder ein Stück mehr. Den Bericht in Farsi schafft Googleübersetzer einwandfrei.

Dieser Beitrag wurde am 09.01.2020 17:16 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 09.01.2020 - 17:08 Uhr
... es scheint heraus zu kristallisieren, dass es einen neuen Fall MH13 oder MS804 gibt. Mal abwarten, was nicht herauskommt ...


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