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Ufo: Staat soll sich an Condor und Lufthansa beteiligen

Condor Boeing 767-300ER
Condor Boeing 767-300ER, © Condor

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FRANKFURT - Nach der geplatzten Condor-Übernahme haben die Beschäftigten schnelle Staatshilfe für den Frankfurter Ferienflieger gefordert. Der deutsche Staat solle sich an den Airlines Condor und Lufthansa direkt beteiligen, erklärte ein Sprecher der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Dienstag.

Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit setzte sich für Hilfen aus Steuermitteln ein.

Am Ostermontag hatte die polnische Luftfahrt-Holding PGL die bereits im Januar fest vereinbarte Übernahme der Condor ohne Angabe von Gründen abgesagt. Die wichtigste PGL-Gesellschaft Lot ist wie zahlreiche andere Airlines durch die Corona-Krise geschwächt und muss voraussichtlich selbst in Polen Staatshilfe in Anspruch annehmen.

Condor befindet sich nach Angaben einer Sprecherin weiterhin in Verhandlungen mit staatlichen Stellen über eine alternative Lösung. Dies wurde auch von der schwarz-grünen Landesregierung Hessens bestätigt.

Das Unternehmen mit rund 4.900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen ist nach der Pleite des britischen Mutter-Konzerns Thomas Cook im September 2019 in einem Schutzschirmverfahren saniert worden. Diese Insolvenz in Eigenverwaltung sollte mit dem Einstieg der PGL beendet werden. An ihre Stelle könnte nun der deutsche Staat direkt oder ein Treuhänder treten, der das Unternehmen provisorisch als Investor führen würde.

Weder Condor noch die Bundesregierung machten am Dienstag Angaben zu möglichen Fortschritten. Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass sich der zuvor genannte Termin vom 15. April zur Rückzahlung des KfW-Brückenkredits über 380 Millionen Euro noch bis zum Wochenende verschieben könne.

Der Kredit soll nur etwa zu zwei Dritteln abgerufen worden sein, sagte eine weitere mit der Sache vertraute Person. Die zur Rückzahlung eingeplante Kaufsumme der Polen in unbekannter Höhe steht aber nicht zur Verfügung. Eine Verlängerung des von der EU genehmigten KfW-Kredits hatte die Condor nach eigenen Angaben nicht beantragt, sondern auf neue Darlehen gesetzt. Weitere Mittel zur Rettung könnten von einem Treuhandkonto fließen, auf dem Kundengelder für Condor-Tickets nach dem 1. April gelandet sind.

Der Flugbetrieb der Condor stehe auf grundsoliden Füßen, erklärte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Die Unterstützung durch die Bundesregierung sei daher auch weiterhin gerechtfertigt, erklärte VC-Sprecher Janis Schmitt in Frankfurt. Es dürfe nicht sein, dass die Mitarbeiter in der Corona-Krise fallengelassen würden.

"Fatales Signal"

Es wäre ein "fatales Signal", wenn der Staat als erster Gläubiger der Condor den Saft abdrehe, erklärte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies. Die frühere Thomas-Cook-Tochter sei ohne eigenes Verschulden in das Schutzschirmverfahren gerutscht und habe in den vergangenen Monaten ihre Hausaufgaben erledigt. "Das Unternehmen steht transparent und gut saniert da", sagte Baublies.

Aus Sicht der Kabinengewerkschaft sollte sich der Staat an den wichtigen Luftverkehrsunternehmen einschließlich der Lufthansa in einer Übergangszeit direkt beteiligen und auch in den Aufsichtsräten vertreten sein, sagte Baublies.

Damit könne man Einfluss auf die Situation nach der Krise gewinnen, um beispielsweise einen Unterbietungswettbewerb in einem ansonsten schwachen Markt zu vermeiden. Über neue Strukturen könne aber erst in vielen Monaten entschieden werden.

Vor der Corona-Krise galt der Ferienflieger insbesondere wegen seines Angebots zu touristischen Langstreckenzielen in Übersee als unverzichtbar für die Reisebranche, die stets einen Gegenpol zur mächtigen Lufthansa haben wollte. Nach der Thomas-Cook-Pleite hatten große Veranstalter sogar erwogen, sich selbst an der Fluggesellschaft zu beteiligen.

Die Lufthansa hatte zwar im Frühjahr 2019 Interesse an einer Übernahme gezeigt, aber letztlich auch aus kartellrechtlichen Gründen nicht für die Condor geboten.
© dpa | Abb.: Lufthansa | 14.04.2020 13:42

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Beitrag vom 15.04.2020 - 14:35 Uhr
Ist schon witzig, dass Sie die Polen erwähnen. Wie gut es da klappt ( LOT bittet das 2.x auch schon vor Corona um Staatshilfe, was da wohl ggf nach EU Recht verweigert worden wäre ) sieht man ja.
Sind wohl doch nicht die Mega Manager
Wäre Ihnen denn einer vom Schlage wie CS lieber gewesen?
VAE und Konsorten, stehen zum einen auch nicht mehr so gut da und sind zum anderen nichts als staatlich subentionierte Unternehmen, denen in letzter Zeit in Hülle und Fülle die Piloten wegliefen.
Warum laufen die denn weg? Wissen Sie noch was Sie vor zwei, drei Jahren hier alles geschrieben haben als man bei LH mehr als ein Dutzend Pilotenstreiks aufgestellt hat? Und: Wo laufen die denn jetzt hin?
Muss an der guten Bezahlung und besonders am genialen Mitarbeiter Umgang dort gelegen haben.
Das widerspricht doch 100 prozentig Ihren damaligen Beiträgen hier. Ich hatte es Ihnen damals bereits nicht abgekauft, bestimmt erinnern Sie sich.
Und nur weil SIE gern mit den ME3 fliegen und die Condor nicht brauchen, nunja, das ist ja IHR Ding und sicherlich nicht der Grund, warum man tausende MA abservieren sollte.
Das ist auch nicht der Grund. Den kennen Sie aber bestens, ist hier zur Genüge zu lesen.
Condor hat wie die MA auch positiv ins System eingezahlt und das sollte doch wohl reichen
Das haben alle so gemacht. Man kann nicht alle retten, das ist bitter aber das ist auch die Wahrheit. Ich bedaure es was mit der Condor passieren wird aber es gibt noch so viele andere über die noch nicht mal einer spricht.
Der Wegfall der Condor wird Arbeitslose hervorrufen, und zwar nicht wenige, und die werden dann auch aus Steuergeldern gezahlt. Die monatl. Beträge sind dann allerdings für der Staat für immer weg
Es wurde bereits darauf geantwortet, dass man zuerst diejenigen retten muss, die eine realistische Chance haben. Da siehts für Condor nicht gut aus. Mir tun die Condorianer sehr leid, aber alle anderen genauso.

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2020 14:37 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 15.04.2020 - 11:13 Uhr
Das die Gewerkschaften diese Forderungen stellen, ist legitim in dieser Zeit. Dafür bezahlt das Mitglied seine Beiträge.
Wie die Entscheidung ausfällt, da bin ich auch gespannt. Jedem MA gönne ich, dass es weiter geht.
Aber bei Condor war ich schon ohne Corona der Meinung, dass die Übernahme entweder gar nichts wird oder kurzfristig scheitert. Ich traute denen bei PGL eben nicht.
Wenn jetzt der Staat einspringt und vielleicht den Gedanken LH UND CONDOR ins Spiel bringt, ist das sicher schön für manchen Nostalgiker.
Aber erklären sie das mal MA von Germanwings.
Also meine Meinung bleibt (leider). Condor überlebt das nicht.
Beitrag vom 15.04.2020 - 10:28 Uhr
@2ndSEG

Ist schon witzig, dass Sie die Polen erwähnen. Wie gut es da klappt ( LOT bittet das 2.x auch schon vor Corona um Staatshilfe, was da wohl ggf nach EU Recht verweigert worden wäre ) sieht man ja.
Sind wohl doch nicht die Mega Manager

VAE und Konsorten, stehen zum einen auch nicht mehr so gut da und sind zum anderen nichts als staatlich subentionierte Unternehmen, denen in letzter Zeit in Hülle und Fülle die Piloten wegliefen. Muss an der guten Bezahlung und besonders am genialen Mitarbeiter Umgang dor gelegen haben.

Uber Türkish können Sie selbst mal recherchieren.

Und nur weil SIE gern mit den ME3 fliegen und die Condor nicht brauchen, nunja, das ist ja IHR Ding und sicherlich nicht der Grund, warum man tausende MA abservieren sollte.
Hört sich schon ein bisschen trotzig an. Die anderen haben etwas was man selbst nicht hat aber unbedingt will. Es ist völlig nebensächlich wie gut oder schlecht es anderen geht, wenn die Einen mit großer Schatulle oder tiefen Taschen haben. Die gehen ja nicht weg nur weil man die doof findet, im Gegenteil.
Condor hat wie die MA auch positiv ins System eingezahlt und das sollte doch wohl reichen.
Reicht aber nicht, denn KAG bekommen sie ja schon.
Der Wegfall der Condor wird Arbeitslose hervorrufen, und zwar nicht wenige, und die werden dann auch aus Steuergeldern gezahlt. Die monatl. Beträge sind dann allerdings für der Staat für immer weg, den Kredit lässt sich der Staat mit einem uberdruchschn. Marktzins vergolden.
Da werden so oder so Arbeitslose aus der Condor heraus kommen. Wenn alle Airlines dieser Welt und die IATA selbst in ihren Prognosen zwischen 10 und 30% Rückgang für die nächsten 2-4 jahre erwarten, wieso sollte dieser Kelch an der Condor vorrüber gehen? Das leuchtet mir nicht ein. Nur müssten dann die Geldgeber, hier der Staat, diese Entlassungen verantworten. Ob die das Mal tragen wollen wird man sehen.
Das mit dem Staatskredit haben Sie falsch verstanden. Die Aufgabe des Staates ist nicht, mit hohen Zinsen sich eine goldene Nase zu verdienen. Dann sollte er lieber Amazon Aktien kaufen. Der Staat soll Unternehmen helfen, die sonst am Markt kein Geld bekommen. Wenn er Wucherzinsen nimmt fördert er das Scheitern, nur eben später.
Bitte mal nachlesen, statt hier als Unbeteiligter solche Dinger rauszuhauen.
Vielleicht sind es die Unbeteiligten, die einen neutralen Blick haben? Die Zahlen der operativen Performance liegen ja vor, das war jetzt nicht so dolle. Wohlgemerkt in einer langen Phase eines konjunktirellen Hochs. Die Marge war, bereingt um die Verluste, knapp 3% über 10 Jahre. Der Branchen Konsenz, selbst Tekentrup hat das im Dezember bestätigt, man braucht mindestens 8% um nachhaltig zu wirtschaften. Das schafft Condor nicht alleine ohne Partner. Es geht also nicht nur ums Geld, sondern auch um einen Partner. Wo soll der herkommen? Jetzt oder demnächst? Die, die nach einem weiteren Anbieter rufen um nicht von TUI und LHG abhängig zu sein wollen selbst nicht in Risiko gehen. Das ist für mich die Mutter aller Erkenntnisse. Wer soll es denn dann machen, wenn selbst die Profiteure die Finger davon lassen? In der Zwischenzeit würden jedoch die Schulden immer weiter wachsen. Wer soll die später wie bezahlen?
Und fliegen Sie gern weiter mit ME3 Airlines. Das stört die MA der Condor Null
Trotzig, sag ich doch.

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2020 10:30 Uhr bearbeitet.


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