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Tuifly leitet massiven Stellenabbau ein

Tui Boeing 737
Tui Boeing 737 MAX 8, © Tui

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HANNOVER - Die Covid-19-Krise zwingt Tuifly zur drastischen Kurskorrektur. Die Airline will sich in Cockpit und Kabine von Hunderten Mitarbeitern trennen und legt Pläne für Langstrecken aus Deutschland auf Eis. Auslieferungen neuer Boeing 737 MAX hat der Mutterkonzern bereits um zwei Jahre verschoben.

Am 17. Juni startet Tuifly in den Sommerflugplan. Die Krise setzt dem deutschen Ferienflieger dabei schwer zu.

Tuifly will laut Kreisen jeden zweiten Arbeitsplatz in Cockpit und Kabine streichen und die Flotte von 39 auf rund 20 Flugzeuge halbieren, auch am Boden und in der Verwaltung fallen Stellen weg. Laut Quellen des Senders n-tv stehen 700 Arbeitsplätze auf der Kippe, darunter 230 in Vollzeit. Zuvor hatte airliners.de über Kürzungen berichtet.

Ein Sprecher hat Pläne am Freitag grundsätzlich bestätigt, wollte sich aber nicht zu Zahlen äußern. Ziel sei, die verkleinerte Flotte über das ganze Jahr hinweg auslasten zu können und nicht im reiseschwachen Winter zu viele Flugzeuge zu haben. Tuifly hat nach eigenen Angaben 2.000 Vollzeitstellen, davon 1.400 Piloten und Flugbegleiter.

Arbeitnehmervertreter sehen die Kürzungspläne sehr kritisch - auch angesichts der Tatsache, dass Tui gleichzeitig mit Darlehen der staatlichen Förderbank KfW über 1,8 Milliarden Euro zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit unterstützt wird. "Wenn nun ein mit Steuergeldern finanzierter Arbeitsplatzabbau kommen sollte, wäre das schon ein starkes Stück", sagte ein Gewerkschafter der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist völlig unklar, wie das funktionieren soll."

Tui-Chef Fritz Joussen hatte den KfW-Kredit mit einer Laufzeit bis Mitte 2022 als entscheidende Hilfe bezeichnet. Der Abfluss an Liquidität war wegen des fast komplett ruhenden Geschäfts im Frühjahr zuletzt beträchtlich. Einem Bericht des Online-Wirtschaftsmagazins "Business Insider" zufolge soll Tui nun weitere Hilfsanträge erwägen, das Unternehmen wollte dies nicht kommentieren. Im Konzern sollen laut bisherigen Plänen schon 8.000 Stellen vor allem im Ausland wegfallen.

Das Geschäft von Tuifly ist wie bei anderen Fluggesellschaften durch die Corona-Krise praktisch weggebrochen. Bis zu sieben der Tuifly-Maschinen waren bisher für die Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz. Diese Verträge laufen aber aus, und auch Eurowings selbst verkleinert seine Flotte. Tuifly wolle sich nun "verstärkt auf das reine Tui-Geschäft konzentrieren", wie es hieß.

Keine Langstrecken aus Düsseldorf

Nach aero.de-Informationen stellt Tuifly zudem den geplanten Aufbau einer deutschen Langstreckenbasis auf unbestimmte Zeit zurück. Die Airline wollte ab Herbst mit zwei Boeing 787-8 von Düsseldorf nach Mexiko und in die Dominikanische Republik starten. Wegen "großer Unsicherheiten in der Flug- und Nachfrageplanung" sei das Vorhaben gestoppt, heißt es aus dem Konzern.

Im Zuge der Flottenverkleinerung will Tuifly ihre Zelte an kleineren Standorten wie Nürnberg abbrechen - Flugzeuge und Crews sollen laut n-tv nur noch an den Flughäfen Düsseldorf, München, Hannover, Frankfurt und Stuttgart fest stationiert werden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit befürchtet drastische Folgen durch die Standortschließungen - bis zu 270 Vollzeitjobs für Piloten stehen demnach auf der Kippe. "Das wäre sehr bitter", hieß es - selbst wenn Stellen gerettet werden könnten, würden sich so vermutlich der Pendelaufwand vieler Kollegen vergrößern. Tuifly gehe offenbar davon aus, dass der touristische Flugverkehr sich erst in zwei bis drei Jahren erhole.

Mit Blick auf die schon gewährte Staatshilfe erklärte die Gewerkschaft: "Auch das ist bitter. Es zeigt aber auch, wie stark Reisekonzerne von Corona betroffen sind. Die müssen an allen Ecken und Enden sparen." Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zeigte sich "schockiert" von dem Plan.

Der europaweit verzweigte Touristikkonzern stellt die Strategie für weitere seiner Fluggesellschaften auf den Prüfstand. "Wir werden in allen Märkten einen Analyse vornehmen", sagte ein Sprecher aero.de. "Die Situation ist aber recht unterschiedlich. In UK hat die Konsolidierung durch den Wegfall von Thomas Cook schon begonnen und in BeNeLux ist unsere Flotte "nur" auf einem Winter-Ops Level. Die Herausforderung in Deutschland ist also extrem groß."

Tui hatte erst in dieser Woche einen Vergleich mit Boeing über Schadensersatz für die 737 MAX-Ausfälle geschlossen. Zeitgleich bestätigte Tui, dass die 61 bestellten 737 MAX wegen der Covid-19-Krise im Schnitt zwei Jahre später zur Flotte stoßen werden sollen als zunächst vereinbart.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Tuifly | 05.06.2020 07:56

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Beitrag vom 05.06.2020 - 22:24 Uhr
Dann bin ich mal gespannt wie mein Ersatzflug nach Punta Cana im November aussehen wird. Ich hatte mir schon extra den Flug mit Tui für den Pauschalurlaub ausgesucht.
Beitrag vom 05.06.2020 - 17:42 Uhr
Sorry, das ist doch alles Unsinn.

Warum gibt es die Staatshilfen (in Form von Krditen)? Um einen kurzfristigen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Das Geld muss züruckgezahlt werden, aber dafür muss es erst mal verdient werden. Das alles sagt noch nichts über die potentielle Überlebensfähigkeit des Unternehmens aus. Niemand kann eine belastbare Prognose abgeben.

Wenn man diese Hilfen mit Bedingungen wie Arbeitsplatzsicherheit verbindet, aber kein Markt da ist der diese Produktionskapazitäten rechtfertig, dann fließt das Geld schneller aus der Kasse als man es Oben reinschütten kann. Daher muss man den Geldabfluss reduzieren, unter anderem dadurch, dass man überschüssige Produktionskapazitäten abbaut. Das ist doch Unternehmer 1x1. Das macht doch jeder hier, der kurzfristig von KUG leben muss. Ausgaben reduzieren.

Aktuell ist bei TUI der Sommer nur zu 35% verkauft und nirgendwo steht, in welchem Zeitrahmen man den Abbau plant. Eigene Kapazität ist für den Sommer also vorhanden. Die sollte auch für den Winter reichen. Nächstes Jahr? Glaskugel.


Dieser Beitrag wurde am 05.06.2020 17:43 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 05.06.2020 - 16:22 Uhr
Schade. Einer der letzten anständigen Flugbetriebe in Deutschland wird kleingehackt. LaudaMOLion steht ja bestimmt bereit.

Fakt ist:

- Es ist fragwürdig, ob die Staatshilfen gerechtfertigt sind, wenn man dann sofort massive Redimensionierungen mit Entlassungen durchzieht.

- Die Milliarden an Staatsgeldern, verlorengegangene Geschäfte, etc. werden in der Weltwirtschaft noch zu gravierenden Einbrüchen führen. Ich schliesse mich EricM an und glaube auch nicht, dass sich all das in Kürze "in Luft auflösen" wird, sondern dass wir alle in eine brutale Rezession stürzen werden. Da bleibt der Tourismus-Sektor nicht aussen vor. Das dicke Ende kommt erst noch.

- Sollte es trotzdem gut laufen, dann wird Hans M. Recht behalten und die zusätzliche Kapazität wird dann wieder einmal von windigen Anbietern aus "günstigeren" Breiten Europas abgedeckt werden.

Schade um TUIFly. Ich hatte gehofft, dass es für sie glimpflicher ausgeht.


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