"Börsen-Zeitung" zur Lage bei Lufthansa
Älter als 7 Tage

Gefangen im Würgegriff der Krise

Gaparkte Lufthansa A320
Gaparkte Lufthansa A320, © Lufthansa

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FRANKFURT - Bei Lufthansa fallen diese Woche die Würfel: Vorstand und Aufsichtsrat entscheiden über Flotten- und Personalstärke. Piloten und Flugbegleiter wollen weitere bittere Pillen nicht einfach schlucken - und die Handlungsoptionen des Managements sind in der in Krise begrenzt, kommentiert die "Börsen-Zeitung".

Die Rechnung ist schnell gemacht: Die Lufthansa verbrennt aktuell 500 Millionen Euro monatlich und hat ein staatliches Hilfspaket von insgesamt 9 Millairden Euro zur Verfügung. Das Geld reicht also für 18 Monate - maximal.

Denn noch nicht eingerechnet ist, dass sich das Geschäft angesichts steigender Infektionszahlen weiter verschlechtern könnte, weil es nach und nach wieder mehr Reisebeschränkungen gibt. Ebenfalls noch nicht einkalkuliert ist, dass Ende nächsten Jahres das Kurzarbeitsreglement endet, was die Personalkosten deutlich ansteigen lässt. Auch die nun geplanten Kündigungen würden den Aufwand zunächst einmal erhöhen.

Die Lufthansa selbst rechnet damit, dass sich die Passagierzahlen frühestens 2025 erholt haben werden und hinter der Erlös- und Ergebnisentwicklung selbst dann noch ein dickes Fragezeichen steht. Bis dahin sind es indes noch mehr als 18 Monate, und der Lufthansa könnte in der Zwischenzeit das Geld ausgehen. Die Handlungsoptionen, um dies zu verhindern, sind übersichtlich.

Weitere staatliche Hilfe wird das Management der Fluglinie möglichst nicht in Anspruch nehmen wollen, denn dann dürfte der Staat auf einer deutlich höheren Beteiligung an der Lufthansa bestehen. Einen spendablen Großaktionär wie etwa der Konkurrent IAG, dessen Anteilseigner aus Katar gerade eine milliardenschwere Kapitalerhöhung absicherte, hat die deutsche Fluggesellschaft nicht.

Schutzschirmverfahren wieder denkbar

Die Einnahmen durch die nun geplanten Verkäufe von Unternehmensteilen könnten angesichts der Krise der Luftfahrtbranche ebenfalls hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Bliebe das immer wieder durchgespielte Szenario eines Schutzschirmverfahrens. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde das zwar diskutiert, aber verworfen, da man befürchtete, durch die entstehende Unsicherheit viele Kunden zu vergraulen. Doch mittlerweile fliegt sowieso nur noch, wer unbedingt muss, so dass ein solches Verfahren wieder in den Bereich des Möglichen gerückt ist.

Alles in allem ist das Kapitel Lufthansa in der Coronakrise ein Trauerspiel. Ein Unternehmen, das zwar ein paar Makel hatte, aber in seinen Grundstrukturen noch Anfang des Jahres pumperlgesund war, führt nur wenige Wochen später einen Überlebenskampf. Eine Besserung ist mittelfristig nicht in Sicht.

Langfristig wird der Luftverkehr wieder anziehen, und Lufthansa könnte dann in verschlankter Form zu denen gehören, die gestärkt aus dieser Krise fliegen. Aber erst einmal muss die Firma überleben.
© aero.de, OTS, Börsen-Zeitung | Abb.: Lufthansa | 21.09.2020 08:09

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Beitrag vom 23.09.2020 - 03:02 Uhr

Hätte mir vor 2 Jahren jemand gesagt, dass ein LR-Purser mal mit 2600/brutto bei 75 BH nach Hause geht, ..........
Bezogen auf einen regulären AN ist das in etwa eine Halbzeitstelle. Da man in unteren Regionen weniger Abgaben zahlt, käme das in etwa einem Vollzeit Brutto von 5500 nahe. Dazu noch die ganzen Zulagen und Spesen, kostenlosen Reiseerlebnisse incl. Top Unterbringung, Firmenvergünstigungen usw.
Wo ist eigentlich das Problem?

Sie haben noch nie einen fliegerischen Beruf ausgeübt, oder?

Welche "ganzen Zulagen" meinen Sie eigentlich? Hier gehts um einen untarifierten Flugbetrieb..... Spesen sollte man übrigens niemals als Gehaltsbestandteil sehen. Und das 75 Blockstunden/Monat nicht die monatliche Arbeitszeit ist, ist Ihnen bewusst? Kennen Sie den Unterschied zwischen Dutytime, Flight Dutytime und Blocktime? Und die "kostenlosen Reiseerlebnisse" inkl. "top" Unterbringung sind leider unverzichtbar. Flughafenhotels in MIA oder POP sind übrigens alles andere als "top".

Man vergisst auch ganz schnell das auch schöne Hotels mit 4 oder 5 sternen relativ schnell langweilig werden. Keine Küche, keinen Raum.
Ist eine Berater Weisheit:
Büros, Hotels und Flughäfen sind auf der welt recht gleich.

Für ne Weile ist das sicher cool.
Beitrag vom 22.09.2020 - 23:15 Uhr

Hätte mir vor 2 Jahren jemand gesagt, dass ein LR-Purser mal mit 2600/brutto bei 75 BH nach Hause geht, ..........
Bezogen auf einen regulären AN ist das in etwa eine Halbzeitstelle. Da man in unteren Regionen weniger Abgaben zahlt, käme das in etwa einem Vollzeit Brutto von 5500 nahe. Dazu noch die ganzen Zulagen und Spesen, kostenlosen Reiseerlebnisse incl. Top Unterbringung, Firmenvergünstigungen usw.
Wo ist eigentlich das Problem?

Sie haben noch nie einen fliegerischen Beruf ausgeübt, oder?
Hängt davon ab ob Sie meinen Standpunkt akzeptieren? Ich gehe von einem klaren "Nein" aus, daher ist es objektiv gesehen unwichtig.
Spesen sollte man übrigens niemals als Gehaltsbestandteil sehen.
Ich fürchte das kann ich so sehen wie ich es sehe, auch wenn es von Ihrer Meinung abweichen sollte. Davon gehe ich aus. Spesen sind per Definition nicht Bestandteil der Vergütung, da bin ich bei Ihnen. Aber wenn jemand eine Woche auf den Malediven auf den nächsten Rückflug wartet, kann man zuhause je nach individueller Lebenssituation schon einiges sparen. Verköstigung, KFZ Kosten, Heizkosten, Strom, Licht usw., man darf das nicht unterschätzen oder einfach unter den Teppich kehren. Insofern bleibt am Monatsende die ein oder andere Mark übrig, gleichzusetzen mit einer höheren Vergütung, nur ohne entsprechende Steuerbelastung.
Und das 75 Blockstunden/Monat nicht die monatliche Arbeitszeit ist, ist Ihnen bewusst? Kennen Sie den Unterschied zwischen Dutytime, Flight Dutytime und Blocktime?
Ja das wissen wir alle. Es gab auch schon welche hier die sich beschwert hatten dass die Anreise zum Flughafen nicht als Arbeitszeit gerechnet wird. No Comment.
Und die "kostenlosen Reiseerlebnisse" inkl. "top" Unterbringung sind leider unverzichtbar.
Die Hotelkategorie ist nicht unverzichtbar, aber daran arbeitet man wohl bereits.
Flughafenhotels in MIA oder POP sind übrigens alles andere als "top".
Andere werden wohl folgen.
Beitrag vom 22.09.2020 - 21:36 Uhr

Hätte mir vor 2 Jahren jemand gesagt, dass ein LR-Purser mal mit 2600/brutto bei 75 BH nach Hause geht, ..........
Bezogen auf einen regulären AN ist das in etwa eine Halbzeitstelle. Da man in unteren Regionen weniger Abgaben zahlt, käme das in etwa einem Vollzeit Brutto von 5500 nahe. Dazu noch die ganzen Zulagen und Spesen, kostenlosen Reiseerlebnisse incl. Top Unterbringung, Firmenvergünstigungen usw.
Wo ist eigentlich das Problem?

Sie haben noch nie einen fliegerischen Beruf ausgeübt, oder?

Welche "ganzen Zulagen" meinen Sie eigentlich? Hier gehts um einen untarifierten Flugbetrieb..... Spesen sollte man übrigens niemals als Gehaltsbestandteil sehen. Und das 75 Blockstunden/Monat nicht die monatliche Arbeitszeit ist, ist Ihnen bewusst? Kennen Sie den Unterschied zwischen Dutytime, Flight Dutytime und Blocktime? Und die "kostenlosen Reiseerlebnisse" inkl. "top" Unterbringung sind leider unverzichtbar. Flughafenhotels in MIA oder POP sind übrigens alles andere als "top".


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