Konflikt um Airbus und Boeing
Älter als 7 Tage

Johnson brüskiert EU im Zollstreit

Boris Johnson hält die Luftfahrt in Atem
Boris Johnson hält die Luftfahrt in Atem, © IAG, Boris Johnson, aero.de (Montage)

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LONDON - Die britische Regierung hat angekündigt, die Strafzölle auf den Import von Flugzeugen aus den USA aufzuheben, sobald das Land im Januar den Brexit vollzogen hat. Auf den Handelsstreit um Airbus und Boeing hat das keinen Einfluss, wohl aber auf das Verhältnis zu Partnern. Die reagieren verwundert bis brüskiert.

Das US-Handelsministerium begrüßte den Schritt, für den es bisher keine Gegenleistung der USA gibt. Zugleich wiesen die Ministeriumsvertreter jedoch darauf hin, dass Großbritannien als einzelnes Land gar keine Befugnis habe, an den von der Welthandelsorganisation zugestandenen Strafzöllen auf den Import von US-Produkten in die EU zu rütteln.

Die gleiche Botschaft kommt aus Brüssel: allein die EU und die US-Regierung sind in dem seit 16 Jahren schwelenden Handelsstreit um Subventionen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing entscheidungsfähig.

Auch hier laufen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur "Reuters" ernste Verhandlungen hoher diplomatischer Vertreter mit dem Ziel, den Streit beizulegen.

Für Airbus freilich ist der Schritt der britischen Regierung keiner, der Vertrauen für eine zukünftige Zusammenarbeit schafft. Der europäische Flugzeugbauer beschäftigt in Großbritannien derzeit zirka 14.000 Mitarbeiter. Ein Großteil der Tragflächen wird dort produziert und zur Weiterverarbeitung in europäische Länder transportiert.

Der britische Part an der Herstellung ist fest eingegliedert in eine internationale Produktionskette. Der Versuch, allein aus dem Konflikt herauszukommen, mutet Beobachtern auch vor diesem Hintergrund sonderbar an.

"Die Frage ist, wie der britische Teil ohne den Rest Europas gelöst werden soll", zitiert "Reuters" eine Quelle aus den USA. "Die ganze Diskussion war darauf ausgelegt, eine ganzheitliche Lösung zu finden."

Deeskalation sei das Ziel der Aktion, versichert indes ein britischer Regierungssprecher. Tatsächlich braucht insbesondere die britische Regierung Erfolgserlebnisse und eine handelspolitische Perspektive für die Zeit nach dem Brexit-Showdown. Ein Handelsabkommen mit den USA ist ein entscheidender Bestandteil davon.
© aero.de (boa) | Abb.: Campaign | 11.12.2020 07:50

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Beitrag vom 14.12.2020 - 16:42 Uhr
@Debaser:
Weiter oben wurde Solidarität von Airbus gegenüber GB gefordert bzw als moralisch zwingend dargestellt.
Umgekehrt fördert GB, sollten sie diese Entscheidung wirklich so treffen, massiv den Verkauf des Airbus-Konkurrenten Boeing an britische Airlines.
Also warum sollte sich Airbus da an etwas anderes als ihre Quartalszahlen gebunden fühlen?
-Falls- Airbus seine Produktion aus GB abzieht, ist das keine EU- sondern eine Firmen-Entscheidung.

Im übrigen stört mich auch die immer wieder durchschimmernde Häme, mit denen den Briten in Bezug auf den Brexit gegenübergetreten wird. Ist es vielleicht eine Art unterschwelliger Neid, daß die es geschafft haben, sich vom EU-Moloch zu lösen, und die Hoffnung, sie mögen bitte scheitern, weil es nicht einzusehen sei, daß es denen mal besser geht als uns, die dazu nicht in der Lage sind?

Ich kann hier nur für mich sprechen.
In GB hat es ein gebildetes Volk mit einem im weltweiten Vergleich weitgehend funktionalen Schulsystem es trotzdem geschafft, nicht einmal sondern gleich zweimal mehrheitlich auf die Sprüche der Brexiteers reinzufallen und sehenden Auges voll vor die Wand zu laufen.

Den Briten selbst wünsche ich dabei aber alles noch mögliche Gute, sie werden es aber verdammt schwer haben, als völlig erpressbarer Handelspartner selbst mit wohlwollenden Staaten vorteilhafte Handesverträge abzuschließen.

Die Häme (ja, stimmt) bezieht sich beim mir a) auf die nicht mehr zu leugnende Unfähigkeit der Regierung Johnson, ihre großmäuligen Ansagen auch nur ansatzweise umzusetzen und b) darauf, wie ihr die Lügen und der nationale Größenwahn gerade auf die Füße fallen.

Lessons learned:
Populismus als Politik funktioniert nur, solange sich die so gewählten Kräfte aufs Kritisieren Anderer beschränken können und nur Stimmen sammeln müssen.
Wenn sie plötzlich "machen" müssen, wird, wie seit 2 Jahren in GB, offenbar, dass außer einer großen Klappe halt so überhaupt nichts da ist.

Vielleicht ist diese Erkenntnis ja heilsam, auch hierzulande, wer weiß?
Die #DEXIT Hashtags der AfD sind zumindest schon recht selten geworden :-)

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2020 19:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 14.12.2020 - 12:48 Uhr
Kann mir evtl. jemand auf die Sprünge helfen? Ich habe ein kleines Verständnisproblem, speziell bei Sätzen wie diesen:

...dass Großbritannien als einzelnes Land gar keine Befugnis habe, an den [...] Strafzöllen auf den Import von US-Produkten in die EU zu rütteln.

allein die EU und die US-Regierung sind in dem seit 16 Jahren schwelenden Handelsstreit um Subventionen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing entscheidungsfähig.

GB wird nicht mehr Mitglied der EU sein - es ist dann ein souveränes, selbständiges Land, das eigene Handelsrichtlinien, Zölle und Abkommen festlegen bzw. schließen kann. Wie kommt man auf die Idee, die EU hätte die Macht, darüber zu entscheiden, welche Zölle ein Drittland außerhalb ihres Herrschaftsbereiches erheben kann? Das kommt mir ganz schön anmaßend vor.

Airbus als privates Unternehmen mag es zwar stören, daß die Konkurrenzmodelle aus den USA in einem einzigen Staat einen kleinen Wettbewerbsvorteil haben, aber so ist nun mal das Leben. Erwägt man nun die Verlagerung der Tragflächenproduktion nach Kontinentaleuropa, um den Briten zu zeigen, wo der Hammer hängt und wer hier weiterhin das Sagen hat?

Im übrigen stört mich auch die immer wieder durchschimmernde Häme, mit denen den Briten in Bezug auf den Brexit gegenübergetreten wird. Ist es vielleicht eine Art unterschwelliger Neid, daß die es geschafft haben, sich vom EU-Moloch zu lösen, und die Hoffnung, sie mögen bitte scheitern, weil es nicht einzusehen sei, daß es denen mal besser geht als uns, die dazu nicht in der Lage sind?

Die EU versucht tatsächlich alles, um es GB möglichst schwerzumachen - aus ihrer Sicht verständlich, denn man will einen Nachahmereffekt vermeiden, der irgendwann offenlegen würde, wie überflüssig der ganze Apparat eigentlich ist.

Ich wünsche denen gutes Gelingen. Bei einem imaginären Germexit-Referendum würde ich mit vollem Herzen für die Abspaltung stimmen, dienn DIESE EU möchte ich lieber heute als morgen beerdigt sehen. Sehr gerne ein wirtschaftlicher Zusammenschluß wie die EWG es bis 1992 war, mit europäischem Binnenmarkt, gerne auch mit gemeinsamer Außen- und/oder Verteidigungspolitik. Aber nichts tiefergehendes wie z.B. die Vision eines supranationalen Staates.
Beitrag vom 14.12.2020 - 01:34 Uhr
Die Frage was zählt mehr Wirtschaftlichkeit und Loyalität ist dann die nächste Frage.

Ich denke mal jeder Konzern mit Niederlassungen in UK muss sehen wie er mit den dann gültigen Regularien umgeht, wenn sie denn mal final zurechtgestümpert worden sind.
Und dann zählt wohl wie üblich Effizienz, die durch zu barocke Regelungen natürlich leiden wird.
Für einen Großkonzern im internationalen Wettbewerb ist Loyalität gegenüber Staaten oder gegenüber Niederlassungen selten ein entscheidender Motivator.


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