Nervenkrieg am Drehkreuz
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Lufthansa rudert bei Condor-Zubringervertrag zurück

Condor Boeing 767-300 D-ABUS
Condor Boeing 767-300 D-ABUS, © Condor

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FRANKFURT - Lufthansa wird wohl weiterhin Condor-Passagiere ans Frankfurter Drehkreuz fliegen. Nach aero.de-Informationen ist der Konzern bereit, einen zum 01. Juni 2021 gekündigten Zubringervertrag mit Condor wieder aufleben zu lassen. Lufthansa spürte in der Sache zuletzt nicht nur politischen Druck.

Lufthansa drehte Condor im Dezember den Hahn zu. Der Konzern kündigte mit sechs Monaten Vorlauf das "Special Prorate Agreement", das die Condor-Langstrecke seit Jahrzehnten an den Frankfurter Lufthansa-Verteiler anschließt.

"Verträge, die Passagierströme von Lufthansa auf andere Airlines verlagern, werden nicht fortgeführt", hatte Lufthansa-Vorstand Michael Niggemann den Schritt im Kontext der Luftfahrtkrise noch im Februar verteidigt und Condor auf "eigene Zubringerflüge" oder "die Bahn" verwiesen.

Nun zeichnet sich eine Kehrtwende um 180 Grad ab. "Wir ziehen in Erwägung, den Vertrag mit Condor vorerst weiter laufen zu lassen", sagte ein Lufthansa-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. "Es war uns nicht bewusst, dass es so schlecht um Condor steht."

"In der Sache ist Bewegung"

Nach aero.de-Informationen will Lufthansa über einen neuen Zubringervertrag verhandeln. "In der Sache ist Bewegung", erfuhr aero.de am Montagabend aus Lufthansa-Kreisen. "Condor wird diese Konnektivität am Ende nicht verlieren."

Bisher hat Lufthansa allerdings noch nicht wieder bei Condor angeklopft, sagte eine Condor-Sprecherin aero.de am Dienstag. Ganz freiwillig rudert Lufthansa ohnehin nicht zurück.

Condor führt eine Kartellbeschwerde gegen Lufthansa und lässt parallel EU-Subventionsauflagen vom EuGH überprüfen. Der Nervenkrieg zeigt offenbar Wirkung. Laut einem "Spiegel"-Bericht hat EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager Bund und Lufthansa im März die gelbe Karte gezeigt.

Lufthansa hat nach Einschätzung der EU-Kommission gegen Subventionsauflagen verstoßen, die eine "aggressive, durch staatliche Beihilfe finanzierte Geschäftsexpansion" verbieten: Lufthansa stellt Condor in Frankfurt kalt und zieht zeitgleich mit Eurowings Discover am Drehkreuz eine eigene Touristikairline hoch, die viele Condor-Langstrecken spiegelt.

Auch aus der Ecke der Reiseveranstalter spürte Lufthansa Gegenwind. Die Branche fürchtet ein Lufthansa-Monopol auf Strecken, auf denen viele Touristiker seit Jahren gut mit Condor zusammenarbeiten.
© aero.de | Abb.: Condor | 30.03.2021 09:56

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Beitrag vom 30.03.2021 - 17:15 Uhr

Zudem würde die Entstehung eines Monopols dem freien Markt widersprechen, da eine freie Preisbildung durch Angebot und Nachfrage nicht mehr möglich wäre und daher die freie Preisbildung manipuliert wäre.


Den Punkt müssten Sie mir mal erklären... inwiefern ist die freie Preisbildung durch Angebot und Nachfrage nicht mehr möglich, wenn es ein Monopol gibt?
Es gibt immer noch Nachfrage und es gibt immer noch ein Angebot. In dem Fall ein beschränktes Angebot, wodurch der Preis steigt. Wenn der Preis zu weit steigt, steigen die Chancen für einen neuen Anbieter in den Markt einzudringen. Dieser wird nicht an der freien Preisbildung gehindert.
Ein Monopol geht immer zu lasten des jeweils anderen, je nachdem ob Angebots- oder Nachfragemonopol, aber die freie Preisgestaltung schränkt es nicht ein.

Wieso überhaupt Monopol?
Man kann doch z.B. von HAM nach MRU mit Emirates über DXB, mit Turkish über IST oder mit Lufthansa/Condor über FRA fliegen.

Dieses Streckenbeispiel macht keinen Sinn, da es aktuell auch kein Duopol auf dieser Strecke gibt und es somit kein Monopol geben kann wenn nur ein Anbieter aus dem Markt ausscheidet.

Dem Kunden aus Hamburg ist es doch völlig egal, ob es auf der Strecken FRA-MRU ein Monopol oder ein Duopol gibt. Hier geht es doch um die Zubringer, also um den Kunden der nicht in Frankfurt wohnt.

Von einem Monopol betroffene Strecke sind diese, auf denen schon heute ein Duopol mit LH und Condor herrscht.

Zur Zeit gibt es nur ein Monopol auf diesen Strecken und der Monopolist unternimmt alles, damit es auch so bleibt.

Eine Monopoldiskussion ist doch völlig überflüssig, weil jeder Kunde mehrere Möglichkeiten hat, sein Ziel zu erreichen. Sie können von jedem größeren Flughafen in Deutschland über London nach Noramerika, über Istambul nach Asien fliegen oder über Amsterdam in die Karibik fliegen.
Es gibt kein Monopol im Luftverkehr.

Was würde denn passieren, wenn aus einem Duopol (wie Sie das nennen) ein Anbieter freiwillig ausscheidet? Darf der andere dann auch nicht mehr fliegen, weil er eine (angebliche) Monopolstellung hat?
Das ist doch alles absurd!

Dieser Beitrag wurde am 30.03.2021 17:21 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 30.03.2021 - 15:45 Uhr
Zudem würde die Entstehung eines Monopols dem freien Markt widersprechen [...]

Als studiertem Ökonomen sollte Ihnen aber klar sein, dass die maximale Anbieter-Konzentration auf n=1, das Monopol, die natürliche Endstufe jedes wirklich freien Marktes darstellt.
Daher muss ein funktionierender Markt immer zu einem gewissen Grade "unfrei" sein.
Beitrag vom 30.03.2021 - 15:42 Uhr
FloCo - Die Nachfrage bleibt unverändert und es entsteht auf einigen Strecken ein Anbietermonopol, was ohne Eingriffe immer zu einer Verschlechterung für den Nachfragenden führen wird. Den die Regel ist das ein Unternehmen immer versuchen wird seinen Gewinn zu maximieren, was zu Kosten des Nachfragenden und damit der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt geht. Ob ein neuer Anbieter in den Markt kommen kann ich durchaus fraglich, denn LH wird dagegen ankämpfen. Auch hätte dieser einen schlechten Stand. Denn keiner kennt diesen Anbieter und dieser muss ersteinmal in FRA oder z.B. auch MUC Fuß fassen können, Zubringer anbieten können usw.. Zudem entsteht dieser Anbieter nicht von heute auf morgen und die Zeit zwischen einer Condorpleite und diesem möglichen Szenario wäre trotz alledem ein Monopol auf den möglichen Strecken mit den einhergehenden Nachteilen.

Schön und gut, jetzt reden Sie aber über ein anderes Thema. Sie sagten weiter oben als allgemeine Definition des Monopols bzw. dazugehörig:
"Zudem würde die Entstehung eines Monopols dem freien Markt widersprechen, da eine freie Preisbildung durch Angebot und Nachfrage nicht mehr möglich wäre und daher die freie Preisbildung manipuliert wäre."

Darauf habe ich geantwortet. Meine Fragen bzw. Anmerkungen haben nichts mit Condor oder LH zu tun. Sie sagten, die Preisbildung ist eingeschränkt. Dem habe ich widersprochen.
Ihre Antwort jetzt passt daher nicht wirklich zu meiner Anmerkung.


Stichwort: Monopolistische Preisbildung
Die Preisbildung wird dahingendend verändert, dass der Nachfragende keine Möglichkeit zur Einflussnahme mehr hat, da er keine andere Wahl hat, wenn er genau dieses Produkt sucht.
Und die Regel der Gewinnmaximierung ergibt daher steigende Preise.


Dieser Beitrag wurde am 30.03.2021 15:43 Uhr bearbeitet.


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