Das Truss-Braced Wing-Konzept von Boeing sieht lange und schmale Flügel vor, die zum Rumpf abgestrebt sind, © Boeing
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Zumindest ein Problem der 737 wäre mit dem neuen Jet Geschichte: während Boeing bei seinem Dauerbrenner mit jeder neuen Generation mehr Schwierigkeiten hatte, die immer größeren Turbofans unter den tiefliegenden Flügel zu bekommen, und bei der 737 MAX dafür gar weitreichende konstruktive Änderungen vornehmen musste, böte der Transonic Truss-Braced Wing (TTBW) in dieser Hinsicht unbegrenzte Möglichkeiten.
Der Schulterdecker mit dem abgestrebten Flügel soll jedoch auch in anderer Hinischt wegweisend sein – und dem Luftverkehr der Zukunft als aerodynamisch besonders effizienter Zeitgenosse seinen Stempel aufdrücken.
Anfang 2019 stellte Boeing sein TTBW-Konzept erstmals in der aktuellen Auslegung vor. Seither testet der US-Flugzeugbauer in Zusammenarbeit mit der NASA den überarbeiteten Entwurf am Computer und im Windkanal.
Die Ergebnisse bislang scheinen vielversprechend: rund neun Prozent weniger Treibstoff verbraucht der TTBW in der Simulation, verglichen mit modernen heutigen Standardrumpf-Verkehrsflugzeugen. Der Schlüssel dazu liegt in dem ultraschmalen Flügel mit extremer Streckung und 51,8 Meter Spannweite.
Um die nötige Festigkeit zu erreichen ist der Flügel abgestrebt, wobei die verbreiterten Streben als Hilfsflügel und Hochauftriebshilfen dienen. Weitere, kleine Stützstreben kommen hinzu. Damit das Flugzeug am Boden übliche Parkpositionen nutzen kann, sind die gesamten Außenflügel zum Parken hochklappbar.
Dank einer leichten Pfeilung soll der Spar-Zweistrahler eine Reisegeschwindigkeit von Mach 0.8 erreichen. Auch der Einsatz alternativer Antriebskonzepte wäre denkbar – etwa ein hybrid-elektrischer Ansatz.
Forschung geht weiter
Ob das Konzept eines Tages tatsächlich auch praktisch zur Anwendung kommt, ist noch nicht klar. Die Chancen darauf sind allerdings eher gestiegen als gesunken, denn bei der NASA scheint der TTBW hoch im Kurs zu stehen, wenn es um die Gestaltung eines künftigen, grüneren Luftverkehrs geht. Im kürzlich von der US-Regierung abgenickten Budget für die kommenden Jahre ist diesem Bereich ein beträchtlicher Batzen gewidmet.
Allein im Haushaltsjahr 2022 sollen 244 Millionen US-Dollar in das Advanced Air Vehicles Program für künftige Airliner-Konzepte fließen. Neben anderen Projekten nennt die NASA unter diesem Programmpunkt auch ausdrücklich die weitere Forschung am TTBW.
© FLUG REVUE - Patrick Zwerger | Abb.: Boeing, NASA | 03.06.2021 07:47
Kommentare (7) Zur Startseite
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Währenddessen fährt Airbus die Produktion hoch um weitere Marktanteile abzugreifen. Und Airbus entwickelt gerade einen neuen Next-gen Flügel für eine A320-5 und A322 und rechnet eine A220-500 durch um Boeings Pläne zu durchkreuzen.
Wieso muss man eine A225 durchrechnen? Der Stretch ist von BBD vorgesehen worden und bereits konzeptioniert, man wird da nicht soviel machen müssen.
Da geht es v.a. um die Produktion, die Kosten und die Nachfrage.
IN fast 10 Jahren (erstflug 2013!) am Markt wurden halt nur 150 ausgeliefert, das sind halt einfach extrem wenige, selbst wenn man nur die zeit seit 2015 betrachtet.
Man muss auch sehen das z.b. die LH, obwohl Swiss A220 betreibt, und selbst viele A319 hat, bisher den A220 nicht nachgeordrt hat.
Hat seltsamer Weise keine der Airlines gemacht, Air Baltic mal ausgenommen.