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Airbus gelingt Rekordgewinn im Krisenjahr

Airblue Airbus A321neo
Airblue Airbus A321neo, © Airbus

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TOULOUSE - Airbus ist ausgerechnet im zweiten Corona-Jahr 2021 der höchste Gewinn seiner Geschichte gelungen. Dank gestiegener Flugzeug-Auslieferungen, Einsparungen und positiver Sondereffekte übertraf der Überschuss mit 4,2 Milliarden Euro den bisherigen Rekordgewinn von 2018, wie Airbus am Donnerstag in Toulouse mitteilte.

Im laufenden Jahr will Airbus-Chef Guillaume Faury die in der Krise gedrosselte Flugzeugproduktion wieder ein gutes Stück hochfahren. Der Gewinn im Tagesgeschäft soll weiter steigen.

An Börse kamen die Neuigkeiten nur zunächst gut an. Die Airbus-Aktie legte im frühen Handel bis zu zwei Prozent zu, konnte die Gewinne aber nicht halten und drehte ins Minus. Zuletzt gab der Kurs rund ein Prozent auf 116,64 Euro nach.

Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit gegen den Trend rund fünf Prozent zugelegt und lag wieder deutlich über dem Tief in der Corona-Krise von weniger als 50 Euro. Das Rekordhoch von 139,40 Euro aus der Zeit kurz vor der Pandemie ist aber immer noch ein Stück entfernt.

Mit seinen Jahreszahlen übertraf Airbus durchweg die Ziele des Vorstands und die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten. So lieferte der Hersteller nach dem herben Geschäftseinbruch im ersten Corona-Jahr nun 611 Verkehrsflugzeuge aus, 45 mehr als 2020.

Der Umsatz legte um vier Prozent auf 52,1 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) verdreifachte sich nahezu auf knapp 4,9 Milliarden Euro.

Während das krisengebeutelte Geschäft mit Passagierflugzeugen deutlich mehr abwarf, lieferten auch die Hubschraubersparte Airbus Helicopters und die Rüstungssparte Airbus Defence and Space verbesserte Ergebnisse ab.

Seinen hohen Nettogewinn verdankt der Konzern indes nicht nur den Verbesserungen im Tagesgeschäft. Neben dem lukrativen Verkauf eines Standorts in Frankreich nahm Airbus einen Teil der Abschreibungen für das Produktionsende des Riesenfliegers A380 zurück. Dies war unter anderem deshalb möglich, weil Teile der A380-Fabriken für den Produktionsausbau bei den Mittelstreckenjets genutzt werden können.

Zudem konnte er Rückstellungen für den Abbau tausender Arbeitsplätze teilweise auflösen. Solche Sonderfaktoren herausgerechnet, hätte der Überschuss etwa 3,4 Milliarden Euro betragen, erklärte Finanzchef Dominik Asam in einer Konferenz mit Analysten.

In den Jahren 2019 und 2020 hatte Airbus Milliardenverluste eingefahren - erst aufgrund einer Strafe wegen Korruptionsvorwürfen, dann wegen der Corona-Krise und des Stellenabbaus. Angesichts des jüngsten Milliardengewinns sollen die Anteilseigners nach zwei Nullrunden wieder eine Dividende erhalten. Mit 1,50 Euro je Aktie fällt der Dividendenvorschlag höher aus als von Analysten erwartet.

Nach den Einschnitten infolge der Pandemie will die Airbus-Führung die Flugzeugproduktion wieder ein gutes Stück hochfahren. Vor allem die Mittelstreckenjets aus der Modellfamilie A320neo sind trotz der Krise stark gefragt. Insgesamt plant Airbus in diesem Jahr die Auslieferung von rund 720 Verkehrsflugzeugen, das wären gut 100 mehr als im vergangenen Jahr. Das Rekordniveau von 863 ausgelieferten Maschinen aus dem Jahr 2019 ist aber immer noch ein gutes Stück entfernt.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) soll im laufenden Jahr 5,5 Milliarden Euro erreichen - das wären rund 600 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Beim freien Mittelzufluss peilt das Management vor Fusionen, Übernahmen und Kundenfinanzierungen rund 3,5 Milliarden Euro an. Diesen Wert hat der Konzern überraschend schon 2021 erreicht.

Der Konzern braucht das Geld, um in seine langfristigen Projekte zu investieren. Dabei geht es vor allem um das erste Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb, das der Hersteller bis zum Jahr 2035 an den Start bringen will. Daneben arbeitet Airbus eine Frachtversion seines Großraumjets A350.

A320neo-Linien fahren hoch

Derweil weitet der Konzern die Produktion der stark gefragten Mittelstreckenjets der A320neo-Familie kräftig aus. Sie soll vom krisenbedingt gedrosselten Niveau von zuletzt etwa 45 Maschinen pro Monat bis Mitte 2023 auf monatlich 65 Stück wachsen. Das wäre mehr als vor der Pandemie. Bis zum Jahr 2025 erwägt das Management eine weitere Steigerung der Monatsproduktion auf bis zu 75 Maschinen.
© dpa-AFX | Abb.: Airbus | 17.02.2022 07:02

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Beitrag vom 18.02.2022 - 09:07 Uhr
Auf den ersten Blick erstaunlich. Wenn man aber genauer nachdenkt eigentlich keine Überraschung. Zwar ist die Zahl der Auslieferungen deutlich gesunken aber nicht so stark wie es zeitweise zu befürchten war. Da die Gewinnspanne doch recht ordentlich zu sein scheint kommt so ein gutes Ergebnis zu stande.

Ebenfalls wesentlich sind noch andere Punkte. Es gibt derzeit kein größeres Vorhaben bei der Entwicklung mit hohen Kosten. 321 XLR ist da nicht so teuer. A350F ist auch zu wuppen. Noch wesentlicher: Es gibt derzeit keine kostpieligen Abschreibungen wie A380, A400M und sonstige hohen Kosten wie Strafen usw. Könnte eine Weile so weiter gehen.



Dieser Beitrag wurde am 18.02.2022 09:09 Uhr bearbeitet.


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