Insolventer Airport
Älter als 7 Tage

Hahn-Käufer lassen Zahlungsfrist verstreichen

Flughafen Frankfurt Hahn
Flughafen Frankfurt Hahn, © Hahn Airport

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HAHN - Die Hängepartie um den Verkauf des insolventen Hunsrück-Flughafens Hahn geht in eine neue Runde. Denn die Käufer des Airports haben trotz einer Frist, die in der Nacht zum Mittwoch ablief, die Kaufsumme nicht bezahlt. Hauptnutzer Ryanair hält sich zur weiteren Strategie am Hahn bedeckt.

Der Frust am Tag danach ist bei Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner klar heraus zu hören: "Der Vollzug des Kaufvertrags verzögert sich leider nochmals", teilte er mit - ohne ins Detail zu gehen.

Er stehe weiter mit dem Käufer, der Investorengruppe Swift Conjoy GmbH, in Kontakt, um den Vollzug zu realisieren. "Gleichzeitig prüfe ich aber weitere Maßnahmen, um schnell Klarheit für den Flughafen Frankfurt-Hahn zu schaffen", schrieb Plathner in einer knappen Erklärung. Die Höhe des Kaufpreises ist weiter geheim.

Die Nachricht über den verzögerten Verkauf löste bei den rund 400 Beschäftigten am Hahn Verunsicherung aus. "Die Arbeitnehmer sind sehr angespannt", sagte der Rechtsanwalt des Betriebsrates am Hahn, Georg Wohlleben, in Trier. Seit das Land Rheinland-Pfalz 2017 seine Anteile (82,5 Prozent) für rund 15 Millionen Euro an den chinesischen Konzern HNA verkauft habe, habe der Flughafen eine "sehr wechselhafte Geschichte" erfahren. "Seit Jahren ist da nie Ruhe drin."

Die Insolvenz der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH wegen finanzieller Schieflage der HNA im Oktober 2021 sei "schon ein Schlag" gewesen, sagte Wohlleben weiter. Nach dem Kaufvertrag mit der Swift Conjoy aus Frankfurt Ende Juni habe man dann gehofft, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. "Und jetzt geht das alles wieder von vorne los." Das Land Hessen hält am Hahn noch einen Minderheitsanteil von 17,5 Prozent.

Der Jurist geht davon aus, dass Swift Conjoy den Kauf nicht mehr vollziehen wird. "Ich würde keine Wette darauf abschließen, dass dieses Geschäft noch durchgeführt wird mit diesem Käufer." Seine Begründung: Wenn der Käufer das Geschäft hätte abschließen wollen, wären schon längst Maßnahmen angelaufen. "Und dann hätte der Betriebsübergang zum 1. September stattgefunden."

Stattdessen habe es keine größere Kontaktaufnahme der Investorengruppe gegeben mit Betriebsrat, Gewerkschaft oder potenziellen Geschäftspartnern. Wohlleben sagte, er habe mit seiner Kanzlei schon viele Betriebsübergänge und Unternehmensverkäufe begleitet. "Aber das hier haben wir so noch nicht erlebt."

Die gute Nachricht am Mittwoch lautete: "Der Flughafenbetrieb wird in vollem Umfang weitergeführt", sagte Plathner. Und sein Sprecher betonte: "Das steht über allem." Darauf könnten sich die Airlines, die Passagiere und die Mitarbeiter verlassen. Der Flugbetrieb auf dem Airport läuft derzeit normal. Im aktuellen Winterflugplan werden vom Hahn mehr als 30 Ziele angeflogen.

Betriebsratsvize Karl-Heinz Heinrich sagte, der Hahn sei nach der Entspannung der Corona-Pandemie wieder im Aufwind: "Wir haben immer noch schwarze Zahlen, der Flugbetrieb läuft gut." Weihnachten werde diese Entwicklung noch beflügeln. Plathner und der Chef für das operative Geschäft, Rüdiger Franke, werden den einzigen größeren Airport in Rheinland-Pfalz laut Heinrich vorerst weiter führen.

Der einstige US-Militärflughafen wird seit 1993 zivil betrieben. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres zählte der Hahn nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) gut eine Million Fluggäste inklusive Transit. Das waren 123 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum - aber knapp 200 000 weniger als im 2019 vor Corona. 2007 hatte der Hahn noch über vier Millionen Gäste gezählt.

Der Schwerpunkt am Hahn sei aber das Frachtgeschäft, sagte Wohlleben. Der Flughafen könne mit einer 24-Stunden-Fluggenehmigung punkten, die bundesweit gerade mal eine Handvoll Airports hätten.

Bei Swift Conjoy handelt es sich um ein Konsortium zweier Unternehmen. Die Gesellschaft Conjoy Investment Partners ist laut Sprecher des Insolvenzverwalters erst 2021 von englischen und australischen Luftfahrt- und Touristikunternehmern gegründet worden. Die Frankfurter Swift Holding kümmert sich nach eigenen Worten um Immobilienprojekte. Nun könnten wegen der ausbleibenden Zahlung für den Hahn womöglich Schadenersatzansprüche auf Swift Conjoy zukommen, hieß es in Flughafenkreisen.

Wie es nun weiter geht? Insider gehen davon aus, dass Plathner nun auch mit anderen Unternehmen sprechen wird, die bei dem Verfahren dabei waren. Wohlleben sagte: "Ich denke, dass der Insolvenzverwalter jetzt zumindest mal an die Nummer zwei auf der Liste herantritt."

Um wen es sich dabei handelte, durfte er nicht sagen. Wichtig für die Beschäftigten sei, dass es jemand sei, der den Flughafen weiter betreibe. "Alles andere wäre wirtschaftlich unklug, keine Frage."

Mit im Rennen um den Hahn ist einst nach eigenen Angaben die NR Holding AG des Nürburgrings gewesen. Neue derartige Verhandlungen hat die Gesellschaft um den russischen Unternehmer Viktor Charitonin kürzlich dementiert. Doch da war die Zahlungsfrist für Swift Conjoy noch nicht abgelaufen.

Ryanair zögert mit Hahn-Zusagen für 2023

Hauptnutzer Ryanair hat seinen Sommerflugplan 2023 für Hahn unterdessen noch nicht komplett bekanntgegeben. Nur die Strecken nach London-Stansted und Palma de Mallorca seien bisher buchbar, teilte die Bürgerinitiative (BI) gegen den Nachtflughafen Hahn am Mittwoch mit.

"Unser vollständiger Flugplan für den Sommer 2023 wird noch bekanntgegeben", teilte Ryanair auf Anfrage mit.. In den kommenden Wochen werde es weitere Ergänzungen des Flugplans geben.
© dpa-AFX | Abb.: Flughafen Hahn | 16.11.2022 11:34

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Beitrag vom 17.11.2022 - 12:05 Uhr
welcher Insolvenzverwalter verkauft auch an eine neue gegründete GmbH (25.000€ Haftung), hinter der als Gesellschafter eine Unternehmensberatung (BPM Consulting GmbH aus Mainz und die Conjoy Investment Partners Limited, die im Dezember 2021 gegründet wurde mit einem Stammkapital von 2 GBP) steht.

 https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/13787998/filing-history/MzMyMjc3NTczNWFkaXF6a2N4/document?format=pdf&download=0

So ein Konstrukt wird von keiner Bank finanziert, das war absehbar, dass der Deal platzt.
Beitrag vom 17.11.2022 - 10:58 Uhr
Auf der Homepage der SWIFT-Holding Gesellschaft steht:
WERTE BEWAHREN, WERTE SCHAFFEN, WERTE STEIGERN

Da kann doch nichts mehr schief gehen, oder..

Vielleicht sitzen ja die Hauptinvestoren für den Hahn östlich des Dnipro und haben nur Probleme mit dem SWIFT Zahlungssystem.

Der Volksmund würde das allgemein so formulieren: Der Rubel rollt einfach nicht mehr so wie früher.

Dieser Beitrag wurde am 17.11.2022 11:13 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 17.11.2022 - 09:45 Uhr
Wenn man sich die Homepage so anschaut, dann muss man sich sowieso fragen, was die mit einem Flughafen wollen. Die sind ja scheinbar eher im Immobilieninvest und weniger im Invest von Firmen aktiv.
Nicht, dass es am Ende sowieso eher in die Richtung gedacht war wie bei Karstadt und Benko... das interessante da waren/sind ja auch die Immobilien in teilweise bester Innenstadtlage; die Kaufhäuser selbst sind da doch auch nur nötiges Übel, das jetzt so langsam Stück für Stück abgeschaltet wird.

Vielleicht hat SWIFT ja auch schon versucht das Gelände und die Immobilien anders zu verwenden und keine Mieter/Käufer o.ä. gefunden oder haben festgestellt, dass eine Umwidmung gar nicht so einfach wird und jetzt hat man das Interesse verloren...


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