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Portugal überprüft TAP-Deal mit Airbus

TAP Air Portugal Airbus A330-900
TAP Air Portugal Airbus A330-900, © Airbus

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LISSABON - Portugal stellt TAP Air Portugal wieder ins Schaufenster. Zeitgleich zur aktuellen Investorensuche wird die Airline von Transaktionen in Zusammenhang mit der Privatisierung 2015 eingeholt. Portugals Strafverfolgungsbehörde DCIAP arbeitet einen Flugzeugdeal zwischen Airbus und TAP Air Portugal auf.

Hat TAP Air Portugal ihre 61-Prozent-Übernahme durch Atlantic Gateway 2015 effektiv aus eigener Tasche finanziert? Für diesen Verdacht gibt es zumindest Anhaltspunkte.

Der Reihe nach. Im TAP-Vorstand wundert man sich 2022 über hohe Leasingraten. Ein Gutachten schafft Klarheit: TAP Air Portugal zahlt tatsächlich 20 bis 28 Prozent mehr für Flugzeuge als marktüblich. Nur warum?

Das Wirtschaftsportal "Economia Online" hat die Spur bis zurück zur Privatisierung 2015 verfolgt. David Neeleman hatte sich TAP als Übernahmeziel ausgeguckt. Der US-brasilianische Investor ist Airlineseriengründer - JetBlue Airways, Westjet, Azul und Breeze Airways gehen auf Neeleman zurück.

Für den Einstieg bei TAP setzt Neeleman das Konsortium Atlantic Gateway auf - und verordnet TAP eine neue Flottenstrategie.

TAP Air Portugal cancelt eine Bestellung über zwölf A350-900 und deckt sich im gleichen Atemzug per Leasing bei Airbus mit 15 A320neo, 24 A321neo und 14 A330-900 ein.

Diesen Deal hatte Neeleman offenbar bereits im Vorfeld der TAP-Übernahme mit Airbus eingefädelt. Das legt zumindest ein Rechtsgutachten der Kanzlei Serra Lopes, Cortes Martins & Associados (SLCM) nahe, auf das sich "ECO" beruft.

Demnach hat Airbus einer Neeleman-Firma im Zuge des Deals 226,75 Millionen Euro vorgestreckt. Über Atlantic Gateway soll dieses Geld später zu TAP geflossen sein.

Airbus soll sich wiederum durch eine Vertragsstrafe abgesichert haben - wenn TAP Air Portugal aus dem neuen Deal aussteigt, wird die vorfinanzierte Summe fast auf den Euro genau fällig.

Der Fall schlägt in Portugal gerade hohe Wellen - falls sich der Verdacht erhärtet, bezahlte TAP Air Portugal ihre Privatisierung 2015 am Ende wohl tatsächlich selbst ab.

Die Änderungen am Auftragsbuch sollen für TAP Air Portugal dabei gleich in zweifacher Hinsicht unvorteilhaft gewesen sein. TAP hatte die stornierten A350-900 zu guten Konditionen bestellt, das Gutachten kommt auf einen möglichen Gesamtschaden von 444 Millionen Euro auf Seiten der Fluggesellschaft.

Die Sache ist auch deswegen brisant, weil der Deal letztlich kaum ohne Mitwissen der damaligen Regierung durchgegangen wäre.

Neue Privatisierungsrunde

In der Coronakrise hatte Portugal TAP mit Steuermilliarden gestützt und erneut die Kontrolle übernommen.

Gerade stellt Portugal die Airline wieder ins Schaufenster - IAG, Air France-KLM, Lufthansa und der US-Fonds Certares sollen an TAP interessiert sein. Die neue Privatisierungsrunde könnte bereits im März Fahrt aufnehmen - laut Medienberichten will der Staat mit 10 bis 20 Prozent langfristig an TAP beteiligt bleiben.
© aero.de | Abb.: Airbus | 13.02.2023 09:38


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