Flug D3-159
Älter als 7 Tage

Piloten gingen nicht von Terrorakt aus

Daallo Airlines Airbus A321
Daallo Airlines Airbus A321, © BEA

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PARIS - Minuten nach dem Start zündet der Passagier auf 16F eine Bombe: Daallo Airlines Flug 159 bricht in gut 10.000 Fuß Höhe den Steigflug ab - und kehrt sicher zum Flughafen Mogadischu zurück. Sieben Jahre nach dem Zwischenfall liegt der Abschlussbericht vor. Die Piloten gingen zunächst nicht von einem Anschlag aus.

"Bombenexplosion in der Kabine im Steigflug, Druckabfall, Notumkehr, sichere Landung": Die Fallakte zu Daallo Airlines Flug 159 ist mit Vorlage des Abschlussberichts geschlossen.

Der Airbus A321 verlässt am 2. Februar 2016 mit 74 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern Somalia in Richtung Dschibuti. Sieben Minuten nach dem Start, der Airbus A321 SX-BHS passiert gerade 10.400 Fuß, "kommt es in der Kabine zu einer Explosion", hält der Bericht fest.

An der Untersuchung hat die französische Flugunfallbehörde BEA mitgewirkt. "Der Passagier auf Sitz 16F hat einen Sprengsatz in einem mitgeführten Notebook gezündet", rekonstruieren die Ermittler das Geschehen. Tage später wird sich die Terrormiliz Al-Shabaab zu dem Anschlag bekennen.

Am Fensterplatz klafft ein "etwa ein Quadratmeter großes" Loch im Rumpf. Der Terrorist wird ins Freie gesogen, Einsatzkäfte lesen später "im Umfeld des Flughafens" sterbliche Überreste auf.

Im Cockpit hören die Piloten die Explosion, der Master Alarm löst aus, der Kabinendruck fällt ab. "Ich übernehme die Kontrolle", zeichnet der Voice Recorder um 8:41:03 Uhr die Stimme das Kapitäns auf. Die Crew leitet einen Sinkflug ein, geht die Checkliste durch und dreht zum Flughafen Mogadischu um.

Drei Minuten später ist der Kabinendruck in 8.100 Fuß Höhe wieder stabil. Die Piloten vermuten ein "gesprungenes Fenster in der Kabine" als Ursache der Explosion und des Druckabfalls, heißt es im Bericht. Der Airbus A321 landet schließlich sicher in Mogadischu, drei Passagiere im Bereich um 16F müssen medizinisch versorgt werden.

USA erlassen Elektronikverbot

Der Anschlag auf Flug 159 hat international Konsequenzen für den Flugverkehr - die Vereinigten Staaten erlassen 2017 zeitweise ein "Elektronikverbot" im Handgepäck für Flüge von zehn Flughäfen in die USA, darunter die großen Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha am Persischen Golf sowie Istanbul.
© aero.de | Abb.: BEA | 23.08.2023 06:38

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Beitrag vom 27.08.2023 - 14:35 Uhr
Da hast Du sicherlich recht. Unbeleuchtet bisher ist die Tatsache, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Mogadishu anscheinend nicht wirklich hoch sind.

Raktion der Cockpit-Besatzung liest sich trotz allem vorbildlich.

In der Tat. Somalia ist ja im Übrigen ein Land, das im Grunde seit Jahrzehnten von einem Bürgerkrieg zerrissen wird, in dem große Teile des Landes von irgendwelchen Milizen und lokalen "War Lords" kontrolliert werden, so dass es erstaunlich ist, dass der Flughafen Mogadischu überhaupt in Betrieb war und ist.
Seit "9/11" sind die Sicherheitskontrollen eigentlich weltweit so scharf geworden, dass so ein terroristischer Vorfall seither ansonsten eigentlich kaum noch vorgekommen ist (Kogalymavia-Flug 9268 im Oktober 2015 in Ägypten ist der einzige andere Fall, den ich erinnere). Deshalb lag der Gedanke an eine Bombe den Piloten offenbar auch fern, obwohl sie in diesem Bürgerkriegsland gestartet waren.

Dieser Beitrag wurde am 27.08.2023 14:41 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 27.08.2023 - 13:00 Uhr
Da hast Du sicherlich recht. Unbeleuchtet bisher ist die Tatsache, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Mogadishu anscheinend nicht wirklich hoch sind.

Raktion der Cockpit-Besatzung liest sich trotz allem vorbildlich.
Beitrag vom 26.08.2023 - 22:31 Uhr
Dieser Vorfall hat in der Tat weltweit für Schlagzeilen gesorgt als er passierte. Jetzt, da der Abschlussbericht veröffentlicht wurde, nimmt von diesem leider kaum noch jemand Notiz. Leider - aber üblich. Liest man sich diesen Abschlussbericht durch, dann gewinnt man schon den Eindruck, dass die Piloten hier sehr professionell und gut gehandelt haben, gerade auch in der Kommunikation mit der Cabin Crew, die Anzeichen von Panik zeigte. Freilich war es wohl wirklich so, dass sie nicht zuletzt deshalb so gut "performten", weil ihnen der Gedanke an eine Bombe gar nicht kam sondern sie an ein defektes Fenster, also ein "normales" Problem als Ursache glaubten.

Man fragt sich allerdings auch etwas beklommen, was passiert wäre, wenn der Attentäter nicht in Reihe 16 sondern z.B. in Reihe 8 gesessen und mit dem Zünden der Bombe gewartet hätte, bis die Maschine in Reiseflughöhe gewesen wäre. Der Dilettantismus des Attentäters hat hier wohl Menschenleben gerettet.

Aber das soll die Leistung der Piloten nicht schmälern.

Dieser Beitrag wurde am 26.08.2023 22:41 Uhr bearbeitet.


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