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Boeing gerät nach Beinaheunfall in die Defensive

Alaska Airlines Boeing 737 MAX 9
Alaska Airlines Boeing 737 MAX 9, © NTSB

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WASHINGTON - Frustrierte Kunden, genervte Aufseher: Nach dem Beinaheunfall einer 737 MAX 9 von Alaska Airlines nimmt der Druck auf Boeing zu. Die US-Luftfahrtbehörde FAA stellt das 737-MAX-Programm unter verschärfte Aufsicht - ein Großkunde erwartet 2024 bereits weniger Flugzeuge von Boeing.

Ben Minicucci hat Klärungsbedarf mit Boeing. Der Chef von Alaska Airlines bekannte diese Woche freiheraus "Wut" auf den Stammlieferanten.

Nach dem Verlust einer Türblende einer 737 MAX 9 von Alaska Airlines im Steigflug aus Portland am 5. Januar hat die Airline an weiteren baugleichen Flugzeugen ihrer Flotte nachlässig montierte Blenden festgestellt.

Der Airbus-Konkurrent hatte 2024 zum Wendejahr ausgerufen. Mit steigenden Auslieferungen wollte Boeing die Permakrise der letzten fünf Jahr endlich abstreifen. Nun muss sich Boeing-Chef Dave Calhoun ein weiteres Mal gegenüber Kunden und Aufsehern erklären.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA, die nach Fertigungsmängeln bereits das 787-Programm eng überwacht, legt ab sofort auch die 737-MAX-Linien in Renton an die kurze Leine - und unterbindet Hochlaufpläne des Konzerns: Die Monatsrate, die bis 2025 eigentlich in 50er-Bereiche vorstoßen sollte, wird bei 32 Flugzeugen eingefroren.

Großabnehmer Southwest Airlines hat seine Flottenprognose für 2024 daraufhin am Donnerstag angepasst. Statt mit 85 rechne man im laufenden Jahr nur noch mit 79 neuen 737 MAX, teilte die Airline laut "Reuters" mit.

Sondergenehmigung für 737 MAX 7 fraglich

Die 737 MAX 7 erwartet Southwest Airlines frühestens 2025. Und auch dieser Termin ist alles andere sicher. Das Einstiegsmodell ist noch nicht zugelassen. Boeing ist für das FAA-Zertifikat auf eine Ausnahmegenehmigung angewiesen - und ob die kommt, ist alles andere als sicher.

Das Enteisungssystem der 737 MAX kann aus Verbundmaterial gefertigte Triebwerkseinlässe überhitzen. Piloten von 737 MAX 8 und 737 MAX 9 müssen besondere Bedienvorschriften beachten. Um Schäden am Triebwerksgehäuse im Flug zu vermeiden, darf die Enteisung in trockener Umgebung nicht länger als fünf Minuten laufen.

Boeing arbeitet nach eigenen Angaben an einer "langfristigen Lösung". Weil die auf sich warten lässt, hat der Hersteller in diesem Punkt bei der US-Luftfahrtaufsicht FAA eine Ausnahmegenehmigung für die Zulassung der 737 MAX 7 beantragt - Boeing will die 737 MAX 7 bis 31. Mai 2026 noch mit den aktuellen Triebwerkseinlässen ausliefern.

Hiergegen formiert sich Widerstand. "Boeing will eine Sondergenehmigung der FAA, um Sicherheitsstandards zu umgehen und noch mehr Flugzeuge mit einem bekannten Sicherheitsmangel in die Luft zu bringen", sagte US-Senator Tammy Duckworth. "Das ist ein dreister Versuch, Profite über die Sicherheit der Passagiere zu stellen."
© aero.de | Abb.: NTSB | 26.01.2024 08:54

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Beitrag vom 26.01.2024 - 14:44 Uhr
...
Aus dem Artikel:
42 737 MAX pro Monat ab Februar 2024, 47,2 ab August 2024, 52,5 ab Februar 2025 - und 57,7 ab Oktober 2025: Boeing schickt die 737-MAX-Rate in den Steigflug.

Um im Bild zu bleiben: Das Resultat war ein Strömungsabriss...
Das trifft es ganz gut.
Beitrag vom 26.01.2024 - 13:08 Uhr
Addendum: Dennis Tajer zufolge, dem Sprecher der Allied Pilots Association, warnt die FAA vor einem neuen Problem bei der Max. Die Triebwerksenteisung länger als fünf Minuten in Betrieb zu nehmen, könne demnach dazu führen, dass das Triebwerk sich vom Flügel löst und Einzelteile der Gondel in die Kabine eindringen. Tajer sagte, er vertraue zwar dem Flugzeug, aber nicht der Boeing-Führung, die immer neue Skandale produziere.

 https://www.youtube.com/watch?v=yZr-5_fdFdA

nicht ganz neu:

 https://www.aero.de/news-46563/Boeing-beantragt-Ausnahmeregelung-fuer-737-MAX-7.html

Aus dem Artikel:
42 737 MAX pro Monat ab Februar 2024, 47,2 ab August 2024, 52,5 ab Februar 2025 - und 57,7 ab Oktober 2025: Boeing schickt die 737-MAX-Rate in den Steigflug.

Um im Bild zu bleiben: Das Resultat war ein Strömungsabriss...
Beitrag vom 26.01.2024 - 12:30 Uhr
Wenn Calhoun nicht bald durchgreift, gerät der ganze Konzern in Schieflage. Ich frage mich, wie lange er sich das noch anschauen will. Bis jetzt sieht das alles eher nach Durchwurschteln aus. Die FAA steht auch unter Druck, nachdem sie alle möglichen Probleme nicht erkannt hat, und muss liefern -> noch mehr Druck für Boeing.

Das Blöde daran ist: es ist nicht so, als würde Boeing per se schlechte Flugzeuge bauen. Aber der Profit geht seit vielen Jahren absolut eindeutig über die Qualität. Das zu drehen wird Zeit (und damit Geld) brauchen, und die läuft dem Unternehmen langsam davon.


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