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Der Elefant ist im Raum. Nach der Veröffentlichung des ersten Ermittlerberichts zu Air-India-Todesflug 171 müssen Experten in der weiteren Untersuchung einen erweiterten Selbstmord eines der Piloten in Betracht ziehen.
"Das Flugzeug erreichte die aufgezeichnete Höchstgeschwindigkeit von 180 Knoten IAS gegen 08:08:42 UTC und unmittelbar danach wechselten die Engine Fuel Control Switches von Triebwerk 1 und Triebwerk 2 nacheinander von der RUN- in die CUTOFF-Position mit einem zeitlichen Abstand von einer Sekunde", hält der Bericht fest.
Dann folgt ein brisanter Absatz: "In der Aufzeichnung des Stimmenrekorders ist zu hören, wie einer der Piloten den anderen fragt, warum er die Triebwerke abgestellt hat", heißt es in dem Bericht weiter. "Der andere Pilot antwortete, dass er dies nicht getan habe."
Exakten Wortlaut und Dauer des Dialogs geben die Ermittler vorerst nicht preis. Der Bericht lässt offen, welcher Pilot die Treibstoffschalter umgelegt haben soll. Pilot Flying war der 32 Jahre alte Erste Offizier, Pilot Monitoring der 56 Jahre alte Kapitän.
Die 787-8 ist nicht mehr zu recovern. Noch innerhalb der Flughafengrenzen verliert die gerade gestartete Maschine wieder Höhe.
Innerhalb von 10 und 14 Sekunden werden beide Treibstoffschalter wieder von "CUTOFF"- in "RUN"-Position gelegt. Das löst automatisch einen Triebwerksneustart aus. Aus der geringen Höhe ist die 787-8 aber nicht mehr zu recovern - das Flugzeug sinkt in ein Wohnheim innerhalb der Abflugschneise.
"Ausgehend von den ersten Ansatzpunkten werden jetzt weitere Details ermittelt", erklären die Ermittler. Nach aktuellem Sachstand gebe es keine Grundlage für Sicherheitsempfehlungen an Boeing oder den Triebwerkshersteller GE.
"Kein eindeutiger Schluss"
Pilotenvertretungen wie die Vereinigung Cockpit warnen nach Vorlage des Berichts vor einer vorschnellen Festlegung auf eine Selbstmordthese.
"Aus Sicht der VC lässt der bisher vorgelegte Bericht (...) keinen eindeutigen Schluss auf eine absichtliche Handlung zu", erklärt die Pilotengewerkschaft in einer Medienmitteilung. "Wichtige technische und systemische Aspekte sind nach wie vor ungeklärt."
Die Fuel Control Switches werden durch eine Entriegelungsperre, das sogenannte "Locking Feature", gegen eine unbeabsichtige Betätigung physisch gesichert.
An einigen Boeing 737 zeigte der Mechanismus mit der Zeit schwächen - die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte 2018 in einem "Special Airworthiness Information Bulletin" auf die Gefahr eines möglichen Funktionsverlusts der Sperre hingewiesen. Der Mechanismus ist an allen Boeing-Typen ähnlich konstruiert.
Das sogenannte "Throttle Control Module", die Einheit in der auch die Fuel Control Switches liegen, wurde an der Unfallmaschine 2019 und 2023 turnusgemäß nach Wartungsvorgaben des Herstellers erneuert.
Etihad Airways prüft Sperren
Boeing sieht nach Vorlage des Berichts keinen Handlungsbedarf bei Betreibern. In Teilen der Airlinewelt will man sich auf diese Empfehlung nicht verlassen: Etihad Airways lässt an ihren 787 gerade die Sicherungsmechanik der Fuel Control Switches von der hauseigenen Technikabteilung überprüfen.
© aero.de | Abb.: DGCA, Government of India | 14.07.2025 10:01







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Dieser Beitrag wurde am 17.07.2025 23:03 Uhr bearbeitet.
Die Psychologische Auszeit führt auch in Deutschland nicht automatisch zu einer erneuten Psychologische Untersuchung, sondern bestenfalls zu einer oder mehreren Fragen im Medical. Und die kann man auch einfach richtig beantworten. (siehe Germanwings)
Ich weiß nicht und habe es auch nicht überprüft, wer das an die Medien übermittelt hat. In einem Bericht standen "Freunde und Arbeitskollegen". Dann sind es nicht mal Daten aus der Gesundheitsakte und kommen auch nicht vom Ermittlerteam.
Ich dachte auch an eine Presseente, als VOR Veröffentlichung des Preliminary Reports plötzlich berichtet wurde, dass die CutOff Switche ausgeschaltet wurden. Und dann kam der Report.
15000FH mit 56 Jahren ist recht wenig. Westliche Piloten (EU und USA) habe da im Schnitt deutlich über 20000. Widerholte Auszeiten, aus welchen Gründen auch immer, würden das begründen.
Zitat:
... new reports suggest the flight's captain, who died in the crash along with 240 others, had previously taken medical leave for mental health issues.
...
Now, medical records submitted to investigators indicate that Sabharwal had been on medical leave in the last few years due to reported episodes of depression and other mental health concerns
Traurig, und das ein paar Tage vor seinem Ruhestand.
Ich bin für Spekulationen, da das technisch interessant ist und auch logisch das Gehirn trainiert ABER bin ich raus, denn alle medizinischen Daten unterliegen der Schweigepflicht der Ärzte d.h. sowas sollte nicht in den Medien sein und sollte es ein Leak im Ermittlerteam geben, dann hat dieser sich strafbar gemacht. Selbst dort sollten ja nur Mediziner im Ermittlerteam die Gesundheitsakte der Piloten lesen dürfen und die unterleigen auch wieder der Schweigepflicht, weil sie selbst ja auch Ärzte sind. Ausserdem hat sich der Kapitän aus psychen Gründen wirklich eine Auszeit genommen, dann musste er mit Sicherheit danach wieder durch ein psychlogische Bewertung um wieder flugtauglich zu werden. Also möglich aber das kann auch gut eine Presse-Ente sein.