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Ziel der Demonstration unter Beteiligung der Zulassungsbehörde FAA sei eine Prüfung gewesen, ob die Piloten Checklisten-Verfahren auch bei signifikanter Vibration im Cockpit abarbeiten und Cockpitanzeigen erkennen können, teilte Boeing mit.
Solche Vibrationen können bei Triebwerksschäden, etwa einem Schaufelverlust, auftreten. Flugzeuge müssen zulassungsseitig auch für diese Belastung ausgelegt sein.
Die jetzt erfolgte Untersuchung war bei Boeing die erste dieser Art für eine 777 seit 1995. Neu ist eine verstärkte Schwerpunktsetzung bei den Humanfaktoren. Mit Hilfe einer neuen Methodologie überprüfte Boeing auch Bestandsdaten darauf, ob die neuesten Anforderungen weiterhin erfüllt werden.
"Wir haben diese Untersuchungen jahrelang vorbeitet, sie zeigen, wie stark unser Team bei der Technik ist," sagte Trevor Brown, Flight Deck Ergo & Physical Human Factors functional leader. "Mit unserer Arbeit legen wir die Grundlagen auch für künftige Flugzeugprogramme und für unsere Methodologie, mit der wir die Einhaltung aller Zulassungsvorschriften nachweisen.
Simulator und Rütteltisch
Kern der Testkampagne waren zwei Demonstrationen. Einerseits absolvierten Testpiloten von Boeing und FAA in einem Boeing-Flugsimulator in Miami vorgegebene Flugszenarien, bei denen sie mit einem für sie unerwarteten "Blade-out-Event", also einem Schaufelverlust, konfrontiert wurden.
Dabei wurde die Simulatorkabine mit den zu erwartenden Vibrationen beaufschlagt, während die Piloten das betroffene Triebwerk identifizieren und stilllegen mussten, und danach alle üblichen Verfahren abzuarbeiten hatten. "Außerdem musste das Flugzeug im gesamten Test-Szenario sicher gehandhabt werden," sagte Camilla Proffitt, Lead Human Factors Engineer.
Proffitt ließ anschließend noch ein vorderes Cockpit-Panel der 777-9 im Boeing-Testlabor in Seattle auf einem Rütteltisch montieren, um unter absichtlich unterschiedlichen Lichtverhältnissen das fehlerfreie Ablesen vorgegebener Anzeigen und Farben, Schriftgrößen und Schrifttypen vor unterschiedlichen Hintergründen und bei wechselnden Kontrasten demonstrieren zu lassen.
Testpiloten kommen ins Zittern
"Die Beatzungen mussten bei Nacht und extremsten Vibrationen Szenarien bewältigen", berichtete der teilnehmende Boeing-Testpilot Kapitän Greg Bigalk, der in 37 Jahren schon 45 Flugzeugmuster steuerte.
"Geprüft wurde, ob man das richtige Triebwerk identifiziert, die Höhe hält und die richtige Geschwindigkeit. Außerdem musste man den richtigen Kurs halten, Wegpunkte finden und die Triebwerkswerte im Auge behalten. Währenddessen haben die Piloten die Checklisten gelesen und bewiesen, dass unser Design funktioniert."
Boeing legt die Ergebnisse nun bei der FAA vor, damit sie für die Zulassung genutzt werden können. 5100 Datenpunkte wurden bei der Kampagne gemessen und in 370 Situationen geprüft. 54 Cockpit-Anzeigeszenarien wurden entwickelt. Die Testkampagne dauerte elf Tage. Nach aktuellem Stand hofft Boeing auf eine FAA-Zulassung der 777-9 im ersten Quartal 2027.
© Flug Revue (SST), aero.de | Abb.: Boeing | 29.03.2026 08:02







Kommentare (3) Zur Startseite
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Gut, dass die FAA die 777-9 nicht als Variante der 777 durchgehen hat lassen. Außer dem Rumpfdurchmesser ist wohl nichts mit der alten Maschine identisch. Was passiert, wenn man alte Typen missbraucht, hat die MAX gezeigt.
Mal sehen, wie präzise der neue Termin für die Zulassung der 777-9 ist. Bei Stuttgart 21 ist man jetzt davon abgekommen, neue Eröffnungstermine zu publizieren.
Er ist schon seit vielen Jahren erforderlich und betrifft sämtliche Komponenten des Flugzeuges.
Schon A380 und A350 waren derartigen Versuchen unterworfen.
Gut, dass nun auch dieses "Derivat" der 777 getestet wird...