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Der Krieg am Persischen Golf hat den Kerosinpreis binnen Wochen verdoppelt. Die Kostenexplosion geht auch an Lufthansa trotz umfänglicher Risikovorsorge nicht spurlos vorbei.
Zwar federt Lufthansa den aktuellen Preissprung mit einer hohen Hedging-Quote - 80 Prozent des Treibstoffbedarfs für 2026 sind preisgesichert - ab.
Der nicht-abgesicherte Anteil des Kerosineinkauf dürfte aber allein 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten nach sich ziehen, sagte Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr laut "Handelsblatt" auf einer internen Veranstaltung.
Lufthansa prüfe deswegen eine Angebotsreduktion um 2,5 Prozent durch eine dauerhafte Stilllegung von rund 20 überwiegend älteren Flugzeugen. Falls die Lage sich noch verschärfe, könnte Lufthansa sogar 40 Flugzeuge parken oder vorzeitig ausmustern.
"Wir wollen früh vorbereitet sein", sagte Spohr laut der Zeitung mit Blick auf die Folgen des Kriegs im Nahen Osten.
Durch Nachfrageverlagerungen von Golfdrehkreuzen hin zu Direktflügen aus Europa erlebt Lufthansa für März und April eine Sonderkonjuktur - der Konzern lud kurzfristig 60 Flüge zu Zielen in Asien und Afrika ins System nach.
"Unsere Treibstoff-Hedging-Strategie verschafft uns mit unserer relativ hohen Hedgerate einen wichtigen Wettbewerbsvorteil", hatte Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert vor Medienvertretern und Investoren gesagt. Weitere Preissicherungsaktivitäten setzt Lufthansa zunächst aber aus.
Nun stellt sich Lufthansa - auch durch höhere Ticketpreise - auf geringere Flugnachfrage ein. "Die Folgen sind größer, als wir erwartet hatten", sagte Spohr laut "Handelsblatt". "Es werden weniger Menschen reisen."
Derzeit sei zwar noch "eine unverändert hohe Nachfrage nach Reisen zu verzeichnen, obwohl bereits Ticketpreiserhöhungen durchgeführt werden mussten", teilte Lufthansa am Dienstag mit. "Dennoch werden aktuell parallel zur Erweiterung des Flugangebotes auch Szenarien bei den Airlines der Lufthansa Group entwickelt und bewertet, um auf Änderungen des Marktumfeldes schnell reagieren zu können, zum Beispiel durch Streichung unprofitabler Strecken oder auch einer vorzeitigen Ausflottung von älteren Flugzeugen."
Vorerst will der Konzern die Flugzeuge anderweitig nutzen, die derzeit nicht zu Zielen im Nahen Osten fliegen. Geplant sind zusätzliche Verbindungen zu verschiedenen Zielen in Indien ebenso wie zu touristisch attraktiven Destinationen auf der iberischen Halbinsel, in Italien und Griechenland.
Über den Sommer ergebe das rund 1.600 zusätzliche Abflüge von den Drehkreuzen in Frankfurt, München, Zürich, Wien und Brüssel, teilte Lufthansa am Dienstag mit.
SAS und United streichen bereits Flüge
Der gestiegene Kerosinpreis brachte zuletzt SAS in Bedrängnis. Die Airline hat keine Preissicherungen betrieben und ihren Flugplan für April bereits um rund 1.000 Flüge ausgedünnt. Auch der US-Lufthansa-Partner United Airlines hegt wegen der Folgen des Iran-Kriegs sein Flugprogramm ein.
Dabei gehe es etwa um Nachtflüge oder Verbindungen an Dienstagen, Mittwochen oder Samstagen. "Kurzfristig ergibt es keinen Sinn, Geld mit Flügen zu verbrennen, die die gestiegenen Kosten nicht absorbieren können", sagte United-Chef Scott Kirby.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 31.03.2026 15:00







Kommentare (8) Zur Startseite
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Moskau und St Petersburg teilweise mehrmals täglich bzw. von FRA und MUC
Alleine im Kurz- und Mittelstreckenbereich die Flüge nach Nahost, die jetzt wegfallen, dazu noch die schon seit Jahren durch den Ukrainekrieg wegfallenden Russland- und Ukrainedestinationen, und das waren sehr viele.
Streckennetz unmittelbar vor dem Ukraine-Krieg:
Russland: Moskau und St.Petersburg
WeissR: Minsk (2021 eingestellt nach der Ryanair Zwischenlandung)
Ukraine: Kiev
Lviv und Odessa sehr sporadisch, (schon vor 2022 ausgesetzt/Pandemie+Sicherheitslage)
Und DAS sind dann SEHR VIELE?
Im Langstreckenbereich sind die Zahl der Flüge nach China immer noch höchstens 50% gegenüber vor dem Krieg, und die übrigen werden mit riesigen Umwegen geflogen, wie auch die nach Japan und Korea.
Ich finde, angesichts dieser geopolitischen Krisen ist es schon verwunderlich, dass man immer noch Gewinne einfliegt.
Und bitte nicht vergleichen mit den amerikanischen Airlines, die sind von den genannten Problemen ja kaum betroffen!
Da macht das Management doch sehr viel richtig, auch wenn es hier einige Pseudofachleute anders sehen, bzw. besser können!
Auf den Strecken nach Indien/Asien verdient sich LH gerade dumm und dusselig, weil immer noch eine Menge Kapazität über die Golfstaaten fehlt.
Bestimmt auch ein Erfolg des fantastischen Managements, dass den Restart nach Corona voll verkackt hat, weil man mit lächerlich lange aufrechterhaltenen Kündigungsdrohungen möglichst viel aus dem Personal an Zugeständnissen herauspressen wollte - was dann auch mächtig in die Hose ging.
Dieser Beitrag wurde am 01.04.2026 20:32 Uhr bearbeitet.
Inwiefern ist LH unvorbereitet? 80% des Sprits sind preislich abgesichert. Welche Vorkehrungen hätte sie noch treffen sollen? Ich bitte um die Nennung mehrerer Vorschläge.
- Auslagerung des Flugbetriebs an Subunternehmer
- Beschäftigung von Leiharbeitern ohne Tarifbindung
- Beschäftigung von Scheinselbständigen
- Beschäftigung über eine Personalgesellschaft im Ausland, die im Konkursfall das Gesamtunternehmen nicht belastet.
Gibt es schon alles am Markt.
Und offenbar gibt es auch einige Conforisti, denen es nichts ausmacht, selbst unter solchen Bedingungen beschäftigt zu sein, was sie dadurch dokumentieren, daß sie solche Airlines bevorzugt buchen.