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Der Iran will im Zuge der Feuerpause am Persischen Golf den Klammergriff um die Straße von Hormus lockern.
Eine damit verbundene Aussicht auf wieder anspringende Tankerverkehre durch die Engstelle im Persischen Golf lassen Ölpreise zur Wochenmitte einbrechen - ein Barrel der Sorte "West Texas Intermediate", die als besonders liefersicher gilt und sich deswegen zuletzt überproportional verteuert hatte, verbilligte sich am Mittwoch im frühen Handel um bis zu 19 Prozent.
Auch beim Kerosin dreht die Preiskurve nach unten - Flugtreibstoff hatte sich im Iran-Krieg im Handel auf bis zu 2.000 US-Dollar pro Tonne hochgeschaukelt und war damit mehr als doppelt so teuer wie noch im Februar.
Lufthansa und Ryanair warnten zudem vor physischen Engpässen bei der Versorgung europäischer Flughäfen.
Ryanair-Chef Michael O'Leary schloss Flugstreichungen im Umfang von "fünf oder zehn Prozent" ab Mai bei einem fortdauernden Krieg nicht aus. Vier Flughäfen in Norditalien schränkten die Betankung von Kurzstreckenflügen vergangene Woche vorsorglich ein, um andere Flüge "priorisiert" mit Treibstoff versorgen zu können.
In Asien wurde der Kerosinmangel bereits akut - einige Flughäfen wiesen zusätzliche Fluganfragen laut Lufthansa ab. "Die Frage der Verfügbarkeit von Flugkraftstoff ist an einigen asiatischen Flughäfen bereits jetzt schwierig", sagte Lufthansa Technologie-Vorständin Grazia Vittadini der "Welt am Sonntag".
An den Börsen wurde die Feuerpause mit Erleichterung aufgenommen - Lufthansa-Aktien quittierten die Nachrichtenlage am Mittwochmorgen mit einem Kurssprung von über zehn Prozent.
Wie Ryanair konnte Lufthansa Preisanstiege beim Kerosin durch eine hohe Hedgingquote dämpfen - Mitbewerber, etwa SAS und United, nahmen für April hingegen Flüge aus dem System.
Der Iran-Krieg hat über Kerosinpreis und -verfügbarkeit hinaus für Verwerfungen im weltweiten Luftfahrtsystem gesorgt, die mindestens noch nachhallen.
Seit 28. Februar ging der Airlineverkehr zwischen Europa und Zielen im Nahen Osten laut Eurocontrol von 2.000 auf 800 tägliche Flüge zurück.
"Täglich sind 1.150 Flüge von Umleitungen zur Umfliegung des Konfliktgebiets und gesperrter Lufträume betroffen", teilte Eurocontrol außerdem mit. Auf rund 206.000 Flugkilometer Umweg verbrennen Flugzeuge rund 602 Tonnen zusätzlichen Treibstroff - jeden Tag.
Der Luftraum über Iran bleibt zwar vorerst gesperrt. Der Irak hat seinen Luftraum am Mittwoch aber "mit sofortiger Wirkung" wieder für zivile Flugverkehre freigegeben.
Lufthansa rechnet mit "Dumpingpreisen" nach Asien
Das ist auch ein positives Signal für die Drehkreuze am Persischen Golf. Der Iran-Krieg hatte die Flughäfen Dubai, Abu Dhabi und Doha, sonst zentrale Taktgeber im globalen Luftfahrtsystem, in einen Notlauf geschickt.
Ein verknapptes Angebot im Golftransit trieb Passagiere zu Direktflügen - Lufthansa lud im März Flüge ins System nach, um die Nachfrage zu bedienen.
Die Sonderkonjunktur europäischer Airlinekonzerne im Asienverkehr könnte schon bald abkühlen. "Die Golfcarrier werden zurückkehren", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr unlängst auf einer Mitarbeiterveranstaltung - und würden dann den Markt mit "Tickets zu Dumpingpreisen" fluten, um verlorene Verkehrsanteile zurückzugewinnen.
Lufthansa hatte sich bereits einen mehrstufigen Krisenplan zurechtgelegt, um auf die weiteren Auswirkungen und Nachwehen des Iran-Kriegs vorbereitet zu sein. Der Plan sieht laut Konzernkreisen unter anderem eine vorgezogene Ausmusterung älterer Airbus A340-600 und Boeing 747-400 vor.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 08.04.2026 10:10







Kommentare (2) Zur Startseite
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Die LH hat, die LH macht, die LH möchte, LH sagt,
Das ist schon so langweilig.