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Über Lufthansa bricht der nächste Pilotenstreik herein. Die Piloten der Kerngesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cargo fordern - ebenso wie Flugzeugführer bei Eurowings - effektiv höhere Betriebsrenten.
Im Hintergrund schwelt ein Grundsatzstreit: Lufthansa will Kostenprobleme der Mainline über den Ausbau der betriebsgünstigen Plattformen City Airlines und Discover Airlines in den Griff bekommen. Jedes zweite Kontflugzeug im Teilkonzern Lufthansa Airlines soll künftig unter einer der beiden Plattformen angemeldet sein.
Nach dem vorausgegangenen Cockpitstreik im März hatte sich das Klima zwischen Management und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) weiter eingetrübt - Lufthansa warf Piloten den Missbrauch einer Freistellungsregelung im Streik vor und hatte eine Vereinbarung mit der VC gekündigt.
Kurz darauf streikten die von UFO vertretenen Flugbegleiter - hier geht es um neue Dienstregeln.
Mit Verdi läuft es für Lufthansa derzeit besser als mit den Fluggewerkschaften. Nach einem Abschluss für das Bodenpersonal steht seit vergangener Woche auch eine für Piloten und Flugbegleiter im Paket geschlossene Ersttarifierung von City Airlines - mit einheitlichen Dienstregeln und Gehaltssteigerungen.
Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann ordnet die aktuellen Tarifpositionen des Konzerns in einem internen Interview ein. aero.de veröffentlicht das Interview in ungekürzter Fassung:
Nach dem UFO Streik vom letzten Freitag hat jetzt VC zu Arbeitskämpfen aufgerufen. Worum geht es?
Michael Niggemann: Die VC streikt bei der Lufthansa Classic und Cargo für eine Verdoppelung einer bereits exzellenten Altersversorgung. Und das in einer Phase weltpolitischer Spannungen und großer Risiken für unser Geschäft. Das ist verantwortungslos.
Also sehen Sie entgegen der VC keinen Anpassungsbedarf bei der Altersversorgung für das Cockpit bei Lufthansa Classic und Cargo?
Für eine Erhöhung der Arbeitgeberleistung gibt es weder einen Grund noch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nur weil die VC mehr Arbeitgeberleistungen fordert, können wir doch nicht die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens weiter verschlechtern.
Die Altersversorgung liegt bei der Lufthansa Classic und Cargo bereits heute im absoluten Spitzenfeld, auch im Vergleich mit unseren europäischen Wettbewerbern. Die Beiträge in die Altersversorgung sind zuletzt durch hohe Gehaltssteigerungen auch überproportional gestiegen. Gleichzeitig gibt es wirtschaftlich gerade bei der Lufthansa Classic keinen weiteren finanziellen Spielraum.
Wie sieht es bei der Eurowings aus?
Bei Eurowings fordert die VC eine Verdreifachung der arbeitgeberseitigen Altersversorgungsbeiträge.
Was ist denn aus dem letzten Angebot an die Vereinigung Cockpit geworden?
Wir haben der VC für die Lufthansa Classic und Cargo etliche aus Unternehmenssicht kostenneutrale Vorschläge für eine Weiterentwicklung der Altersversorgung gemacht. Auch eine Zusammenlegung von Alters- und Übergangsversorgung hatten wir als Gedanken aus der Belegschaft aufgegriffen.
Dieser Lösungsvorschlag hat intern viel Zuspruch erfahren. Doch die VC hat sich letztlich nicht auf eine vertiefte Diskussion dazu eingelassen und zieht die Eskalation vor. Das ist kontraproduktiv und schadet der Zukunft der betroffenen Fluggesellschaften.
Was meinen Sie damit, dass UFO und VC der Zukunft der betroffenen Fluggesellschaften schaden?
In der Tarifpartnerschaft geht es immer auch um eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft. Es wäre nicht verantwortungsvoll, Vereinbarungen zu treffen, die nicht mehr leistbar sind.
Etliche Strecken werden beispielsweise von der Classic bereits heute nicht mehr profitabel geflogen. Sie schrumpft, und die Schrumpfung im Kont Verkehr wird zunehmen. Das kostet Karriereperspektiven. Das alles drückt auf die Stimmung der Kolleginnen und Kollegen.
Das wird mir bei vielen Besuchen in der Kabine und Cockpit deutlich widergespiegelt. Die Streiks helfen nicht, sondern sie schädigen die entsprechende Airline.
Lufthansa City Airlines macht gerade vor, wie man mit wettbewerbsfähigen Bedingungen auch in Deutschland wachsen kann.
Apropos Lufthansa City Airlines, diese ist jetzt tarifiert?
Ja, endlich. Es war von Anfang an unser Ziel, Lufthansa City Airlines zu tarifieren. Dies ist jetzt mit Verdi gelungen. Es haben aber auch Verhandlungen mit UFO und VC statt¬gefunden, anfangs sogar primär mit der VC. Letztlich ohne Erfolg. Mit der Tarifierung werden sich für die heutigen Beschäftigten bei Lufthansa City Airlines deutliche Verbesserungen ergeben.
Wichtig ist aber, dass ein guter Ausgleich gelungen ist, der weiterhin Wachstum ermöglicht. Das steile Wachstum mit enormen Karrierechancen für die Beschäftigen kann so fortgesetzt werden.
Warum hat Lufthansa City Airlines mit Verdi tarifiert und was bedeutet das tarifpolitisch?
Verdi ist es gelungen, sich bei City Airlines sowohl im Cockpit als auch in der Kabine als Mehrheitsgewerkschaft zu etablieren. Die Verhandlungen waren insgesamt alles andere als einfach. Die Tarifierung mit Verdi hat aber den Vorteil, dass wir für beide Berufsgruppen eine Tarifierung mit einheitlichen Einsatzbedingungen erreichen konnten.
Damit haben wir bereits gute Erfahrungen aus der Tarifierung mit Discover gemacht. Auch diese kann aufgrund ihrer Wettbewerbsfähigkeit wachsen.
Und bei Lufthansa CityLine? Haben Sie angesichts der spezifischen Situation ihrer Beschäftigten Verständnis für die von der UFO und VC initiierten Streiks?
Auch bei Lufthansa CityLine habe ich kein Verständnis für die Streikaufrufe der beiden Spartengewerkschaften. Lufthansa CityLine ist hochdefizitär und mit ihrer Kostenposition nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir haben lange probiert, mit den Tarifpartnern eine Sanierung der Lufthansa CityLine zu erreichen. Sie haben das letztlich ausgesessen.
Wir haben daher schon angekündigt, spätestens zum Ende dieses Jahres die Canadair Flugzeuge auszuflotten und dann zeitnah auch den gesamten Flugbetrieb der CityLine schließen zu müssen. Die Streiks vergrößern den Druck und könnten diesen Prozess beschleunigen.
Gibt es denn für die Beschäftigten der Lufthansa CityLine ein Angebot für eine Weiterbeschäftigung im Lufthansa Konzern?
Ja, die gab es. Dem fliegenden Personal der Lufthansa CityLine haben wir bereits zum Jahreswechsel 2024/2025 Wechselangebote unterbreitet, die eine Beschäftigung bei Lufthansa City Airlines zu mehrjährigen mit Lufthansa CityLine vergleichbaren Vergütungskonditionen vorsahen.
UFO und VC haben den CityLinern von der Annahme des Angebots leider abgeraten. Wir sind weiterhin für Anschlussbeschäftigungen offen und haben mit der UFO einen Termin dazu vereinbart.
Und was heißt das alles für Lufthansa Classic?
Es muss uns gelingen, die historisch gewachsene Tariflandschaft zu modernisieren und uns zukunftsfähig aufzustellen. Eine Transformation ist anstrengend, aber sie lohnt sich. Es ist möglich. Man muss die wirtschaftlichen Realitäten im harten Wettbewerb anerkennen und handeln. Aus etlichen Gesprächen weiß ich, dass die Mitarbeitenden zu vielem bereit wären und wieder Perspektiven wollen.
Das Unternehmen muss befriedet werden, um seinem eigenen Anspruch wieder gerecht zu werden. Es darf nicht durch einen fortgesetzten Konfliktmodus und extremes Forderungsverhalten um seine Zukunftsfähigkeit gebracht werden. Ich möchte hier in einen anderen Modus zu kommen. Unsere Mitarbeitenden verdienen es!
Geht es konkreter?
Wir könnten die MTV Verhandlungen nutzen, um gemeinsam mit UFO die Zukunftsfähigkeit der LHC zu verbessern, gerade bei den Themen Produktivität und Flexibilität. Gleichzeitig sind Zusagen im Hinblick auf die für die Mitarbeitenden so wichtigen Themen wie Dienstplanstabilität denkbar.
Da wir aber so weit auseinander liegen, ist auch die Hilfe unabhängiger Dritter für uns eine Option. Konkret denken wir an zwei Mediatoren, wovon jeweils einer eine Partei gesondert unterstützt und beide zusammen die Lösungsfindung vorantreiben.
Auch mit der VC wollen wir eine Trendumkehr einleiten. Man könnte die Verhandlungen zur Alters- und Übergangsversorgung für die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit nutzen. Gerne sprechen wir dann auch über verbindliche Zusagen für Perspektiven wie beispielsweise Flugzeugzusagen oder auch Einstellungszusagen.
Wir hatten schon einmal auch öffentlich eine Perspektivvereinbarung 2.0 angeboten. Es gibt genug Ideen. Das Angebot zu Perspektivgesprächen steht grundsätzlich. Allerdings sollten wir angesichts der außergewöhnlichen Eskalationsspirale zunächst einmal an der gemeinsamen Basis, an der Beziehungsebene arbeiten.
Wir haben vor vielen Jahren einmal gemeinsam einen Prozess zum Harvard Konzept durchlaufen. Das könnte ein Weg für eine neue Basis sein.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 13.04.2026 09:30







Kommentare (8) Zur Startseite
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Das Interview ist übrigens toll: Eine Seite eines Streits wird interviewt....was bringt das?? Als würde ich bei einem Ehestreit nur den einen Partner und seine Ansichten befragen.....völlig obsoletes Gespräch.
Ja, vielleicht kommt morgen ja mal die andere Seite zu Wort. Interessant wäre ja mal ein Einblick in die Verhandlungen. Ich denke die Drohungen seitens LH sind schon angekommen. Aber was bietet LH an, worüber gibt es Einigkeit...
Das wäre mal interessant...>
Na ja, das hat die VC ja gesagt. Etwas allgemeines Geschwafel, nicht mit Zahlen hinterlegt, die man diskutieren könnte. Auf der Basis laufen Verhandlungen eher schwierig und das seit anbeginn
Als ex Air Berliner freue ich mich zwar, so noch über die Runden zu kommen, aber insgesamt gebe ich Discover 10-15 Jahre Lebenszeit, bevor sie wieder eingestampft wird und man wieder mal auf der Strasse sitzt, während die LH Kollegen (teilweise) nicht wissen wohin mit der Kohle.
Ich schätze einmal die Lufthansa Kollegen waren schon da, als die Discover Belegschaft noch nicht wusste, dass es dieses Unternehmen mal geben wird. Dann kam Discover und für viele bei der Mutter gehen die Karriereplanungen den Bach runter, weil man bei Discover natürlich das Recht hat wesentlich schlechtere Bedingungen zu akzeptieren, um zu fliegen und mittelfristig Teile des Geschäfts von der Mutter übernimmt. Da kann man wohl nicht auf große Freude bei den Muttersöhnchen und -töchtern hoffen.
An so einer Situation sind beide Seiten Schuld: Das Ego einiger VC'lerschen LH Piloten, die meinen sie würden das alleinige Recht besitzen Flugzeuge zu fliegen, als auch das Unvermögen einer Konzernleitung, wirklich kreative und nachhaltige Lösungen zu entwerfen.
Vielleicht sollte der Aufsichtsrat Spohr vor die Tür setzen und die TK's von UFO und VC freiwillig im Gegenzug zurücktreten. Einmal alles auf null.
Stattdessen holen beide Seiten immer den Vorschlaghammer raus.
Das Interview ist übrigens toll: Eine Seite eines Streits wird interviewt....was bringt das?? Als würde ich bei einem Ehestreit nur den einen Partner und seine Ansichten befragen.....völlig obsoletes Gespräch.
Das Interview ist übrigens toll: Eine Seite eines Streits wird interviewt....was bringt das?? Als würde ich bei einem Ehestreit nur den einen Partner und seine Ansichten befragen.....völlig obsoletes Gespräch.
Ja, vielleicht kommt morgen ja mal die andere Seite zu Wort. Interessant wäre ja mal ein Einblick in die Verhandlungen. Ich denke die Drohungen seitens LH sind schon angekommen. Aber was bietet LH an, worüber gibt es Einigkeit...
Das wäre mal interessant...