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Gestiegene Kerosinpreise trieben Air Baltic 2026 erst in die Enge - und letztlich in eine Chapter-11-Insolvenz.
"Air Baltic hatte für 2026 mit einem Kerosinpreis von rund 685 US-Dollar je Tonne kalkuliert", erklärte Air-Baltic-Finanzvorstand Vitolds Jakovlevs in Gerichtsunterlagen, "Nach Ausbruch des (Iran-)Konflikts stieg der Preis zeitweise auf knapp 2.000 US-Dollar."
Da Air Baltic Sicherungskontrakte - im rückblickend schlechtesten Moment - im März 2026 aufgelöst hatte, traf der Preissprung die Airline voll. "Je 100 US-Dollar höherem Kerosinpreis stiegen die Kosten um rund 16,5 Millionen US-Dollar", sagte Jakovlevs.
Der Iran-Konflikt ist weiter ungelöst, Kerosin bleibt teuer. Das Analystenhaus Bernstein Research geht davon aus, dass sich die Kerosinkosten für Airlines zwischenzeitlich effektiv verdoppelt haben.
Erste Preisschocks konnten viele Fluggesellschaften zwar über das sogenannte Fuel Hedging abfangen, doch die Sicherungskontrakte laufen jetzt aus.
Wer kann, schließt bereits neue Preispolicen ab. "Wir haben unsere Hedgingaktivitäten im zweiten Quartal wieder angefahren", sagte Lufthansa-Finanzvorstand Till Streichert im August 2026 vor Finanzanalysten in Frankfurt. "Für 2027 stehen wir bei einer Hedgingquote von knapp über 50 Prozent."
In der Regel will Lufthansa sechs Monate vor jedem Flugtag 85 Prozent des Kerosinbedarfs mit einem Preisdeckel abgesichert haben. Zahlreiche Wettbewerber dürften 2027 hingegen im Sichtflug auf die Treibstoffpreise angehen, zumal Hedging laut Branchenkennern komplexer geworden ist.
Denn neben dem eigentlichen Ölpreis besteht noch ein zweites Kalkulationsrisiko. Der Preisunterschied zwischen dem Basisprodukt Rohöl und dem Raffinerieerzeugnis Kerosin, der sogenannte "Creak Spread", hatte sich 2026 von der Entwicklung des Ölmarkts weitgehend entkoppelt - und ist schwieriger abzusichern.
Ryanair-Chef erwartet 2027 Insolvenzwelle
"Die meisten Fluggesellschaften waren bis in den Sommer 2026 hinein gut gegen steigende Treibstoffpreise abgesichert", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary laut "Reuters" vor Journalisten. "Keiner von uns wird in der Lage sein, die deutlich höheren Ölpreise im kommenden Jahr aufzufangen."
O'Leary sieht das als Konsolidierungsbeschleuniger - und rechnet mit weiteren Pleiten in der Branche. Ryanair gehe bereits auf Flughäfen zu, die bei neuen Insolvenzen mit Angebotsausfällen rechnen müssen, sagte der Manager.
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 28.09.2026 06:24







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