Bei einer aktuellen Umfrage berichteten drei von vier Flugzeugführern (76,8 Prozent), dass sie in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal während eines Fluges einen Sekundenschlaf erlebt haben, so die VC.
36,8 Prozent erklärten zudem, nicht ausreichend Ruhezeit zu erhalten, um eine zunehmende Übermüdung zu verhindern.
Der Studie der Beratungsgesellschaft Baines Simmons im Auftrag der europäischen Cockpitvereinigung ECA komme allein wegen der großen Zahl von 7.200 beteiligten Pilotinnen und Piloten ein enormes Gewicht zu, erklärte die für Sicherheit zuständige VC-Vorständin Anja Granvogl. Die Kollegen beschäftigten sich sehr mit dem Thema Übermüdung und sähen dringenden Handlungsbedarf.
Ein weiteres "alarmierendes Ergebnis" betreffe die sogenannte "Commander's Discretion". Der Kommandantenentscheid ermöglicht es verantwortlichen Luftfahrzeugführern, Flugdienstzeiten unter außergewöhnlichen Umständen zu verlängern.
"69,1 Prozent der Befragten äußern Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Konsequenzen, wenn sie eine solche Verlängerung ablehnen", so die VC. "Im Jahr 2023 lag dieser Anteil noch bei 65,8 Prozent. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge bei Low-Cost-Carriern sowie ACMI- und Wet-Lease-Betreibern."
"Die Entscheidung über eine Verlängerung der Flugdienstzeit muss sich ausschließlich an der Flugsicherheit und der tatsächlichen Belastbarkeit der Besatzung orientieren. Wenn Pilotinnen und Piloten befürchten müssen, für eine sicherheitsbewusste Entscheidung unter Druck gesetzt oder sanktioniert zu werden, läuft etwas grundlegend falsch", sagte Anja Granvogl. "Die Commander's Discretion ist ein Instrument für außergewöhnliche Situationen und darf nicht dazu dienen, unrealistische Flugplanungen oder betriebliche Engpässe regelmäßig aufzufangen."
Schwächen bei der Meldekultur
Auch bei der Meldekultur von sicherheitsrelevanten Ermüdungserscheinungen zeige die Studie erhebliche Schwächen. Nur 37,2 Prozent der Teilnehmer geben an, sich bei ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit tatsächlich fluguntauglich zu melden. Fast ein Viertel (24,2 Prozent) fliege nach eigenen Angaben trotz Ermüdung weiter, ohne diese zu melden. Hier spiele die Sorge vor Bestrafungen oder Vergeltungsmaßnahmen durch das Management mit.
Die VC verlangt Konsequenzen aus dem Befund, der bei der Vorgängerstudie vor drei Jahren bereits ähnlich ausgefallen war. "Flugsicherheit darf weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen", erklärt Granvogl. Die Airlines müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Aufsichtsbehörden bestehende Vorschriften konsequenter überwachen sowie Regelungslücken schließen.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 26.10.2026 16:58







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