Triebwerksbau
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Schwaches Ersatzteilgeschäft durchkreuzt Pläne von MTU

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MÜNCHEN -Der Münchner Triebwerksbauer MTU schockt nach der jüngsten Auftragsflut seine Aktionäre. Da Fluggesellschaften nicht so viele Ersatzteile bestellen wie erwartet, streicht Vorstandschef Egon Behle wenige Monate vor seinem Abschied von der Konzernspitze seine Gewinnpläne für 2013 zusammen. Antriebe für neue Flugzeuge verkauften sich im ersten Halbjahr zwar weiter glänzend.

Allerdings verdient MTU damit weit weniger Geld als mit Ersatzteilen und muss bei Boeings "Dreamliner" und dem Airbus A380 sogar Geld drauflegen. Nun soll ein neues Sparprogramm helfen.

An der Börse wurde das Unternehmen so stark abgestraft wie selten: Die MTU-Aktie stürzte am Morgen zeitweise um fast zehn Prozent in die Tiefe und erreichte den tiefsten Stand seit Mitte Dezember 2012. Zuletzt lag sie noch mit 8,56 Prozent im Minus bei 67,79 Euro. Kaum ein Analyst hatte erwartet, dass sich der Vorstand von seinen Gewinnzielen verabschiedet.

Gewinnsprung ade

Der zu Jahresbeginn angekündigte Gewinnsprung ist vom Tisch. Obwohl der Umsatz 2013 wie gehabt um zehn bis zwölf Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro steigen soll, dürfte der operative Gewinn nur so hoch ausfallen wie im Vorjahr, kündigte MTU am Mittwoch an. Damals hatte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 375 Millionen Euro erzielt. Auch der bereinigte Überschuss soll mit 235 Millionen Euro kaum höher ausfallen als 2012. Bisher hatte MTU auch bei den Gewinngrößen ein Plus von zehn bis zwölf Prozent angepeilt.

Während der Erfolg des modernisierten Airbus-Mittelstreckenjets A320neoMTU eine Flut an Bestellungen einbrachte, warf die Produktion weniger Profit ab. So stieg der Umsatz im ersten Halbjahr zwar um 19 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn ging jedoch um zwei Prozent auf 172 Millionen Euro zurück. Der bereinigte Überschuss sank um vier Prozent auf 105 Millionen Euro. Der tatsächliche Überschuss brach sogar um 37 Prozent auf 73 Millionen Euro ein.

"Die MTU ist auf Wachstumskurs, und das Wachstum kostet zunächst einmal Geld", sagte Vorstandschef Behle, der die Konzernführung Ende des Jahres an den bisherigen Finanzchef Reiner Winkler übergibt. So hat das Unternehmen seine Standorte Hannover, München und im polnischen Rzeszow ausgebaut. Zusätzlich belasten Entwicklungskosten für neue Triebwerksmodelle das Ergebnis.

Ersatzteile weniger gefragt

Daneben blieben erwartete Ersatzteilbestellungen für das Triebwerk PW2000 aus, das im Militärflieger Boeing C-17 sowie in der Boeing 757 zum Einsatz kommt und bei MTU normalerweise gute Gewinne abwirft. Mit dem Hauptumsatzbringer, dem V2500 für die Airbus A320-Familie, sei das Geschäft gelaufen wie geplant, sagte Behle. Weniger gefragt waren Industriegasturbinen. Hier schlage offenbar die gesamtwirtschaftliche Entwicklung durch, so der MTU-Chef.

Jetzt setzt der Vorstand den Rotstift an. Eine Verbesserung der Erlös- und Kostenstrukturen soll nachhaltige Einsparungen von mehreren zehn Millionen Euro pro Jahr bringen, kündigte Finanzchef Winkler an. "Es geht dabei nicht um Personalabbau", betonte Behle. Wo genau gespart werden soll, will das Management erst beim Investorentag im November bekannt geben. An seinen mittelfristigen Zielen hegt das Management keine Zweifel. Bis Ende des Jahrzehnts soll der Umsatz des Konzerns auf sechs Milliarden Euro wachsen.
© dpa-AFX | 24.07.2013 09:35


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