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Neustart für einen Spätzünder

TOULOUSE - Am Ende hob der Airbus A330neo drei Minuten früher zum Erstflug ab als eigentlich geplant, um 9.57 Uhr am Donnerstagmorgen in Toulouse-Blagnac. "Das Wetter war dabei zuzumachen und wir wollten vorher starten, wir brauchen dafür eine Wolkenuntergrenze die nicht tiefer als 2.000 Fuß sein darf", sagte Testflugdirektor Patrick du Ché.

Viele berühmte Flugzeuge von der Caravelle über die Concorde bis zur A380 sind von hier aus erstmals gestartet. Aber in einer Woche, in der sich bei Airbus die Ereignisse überschlagen, ist der aktuelle Erstflug eher ein kleineres Ereignis, gemessen am überraschend zwei Tage zuvor verkündeten Einstieg bei Bombardiers CSeries oder den sich zuletzt am Morgen des Erstflugs verschärfenden Meldungen zu Korruptionsvorwürfen bei Airbus.

Airbus A330-900neo
Airbus A330-900neo, © Airbus

Aber die A330neo ist ja kein grundlegend neues Flugzeug, sondern eine Verfeinerung der bereits seit 1994 eingesetzten A330. Insgesamt 1.368 A330ceo (das Basismodell mit den bisherigen Triebwerken) wurden bis September 2017 ausgeliefert, 1.482 Exemplare bestellt. Von der jetzt erstmals geflogenen A330neo mit neuen Triebwerken und Tragflächen, die mit 25 Prozent weniger Spritverbrauch gegenüber der Boeing 767 und 15 Prozent geringeren Betriebskosten gegenüber der 787 wirbt, sind bisher 212 Exemplare bestellt.

Beim Start zum Erstflug, der insgesamt vier Stunden und 13 Minuten dauerte, war ein wesentlicher Vorzug der neuen Variante offenkundig: Das Flugzeug ist extrem leise. Die A330neo wird exklusiv vom Rolls-Royce Trent 7000 angetrieben, "der Lärm beträgt 6dB weniger durch das gegenüber dem Trent 700 der A330ceo von 5:1 auf 10:1 verdoppelte Nebenstromverhältnis, das ist nur die halbe Lärmenergie," erklärt Chris Davie, Projektdirektor bei Rolls-Royce.

Airbus A330-900neo
Airbus A330-900neo, © Airbus

Der Fan-Durchmesser ist mit 2,84 Meter (bisher 2,47 Meter) jetzt größer als der Rumpfdurchmesser der Concorde, das Trent 7000 ist elf Prozent effizienter.

Dies wird kombiniert mit anderen Verbesserungen: Die Spannweite der Tragflächen wurde um 3,70 Meter auf jetzt 64 Meter vergrößert, nun mit integrierten Sharklets, dank der aerodynamisch optimierten Übergänge zwischen Flügeln und Rumpf sowie besseren Vorflügel-Profilen ergeben sich weitere vier Prozent höhere Effizienz. Auch die markanten Cockpitscheiben, ein Markenzeichen der A350, werden von der A330neo übernommen.

Das Testflugprogramm sieht vor, dass zwei Flugzeuge in den kommenden sieben oder mehr Monaten 1.100 Flugstunden absolvieren bis zur Musterzulassung Mitte 2018. Insgesamt 600 Stunden wird die A330-900 MSN1795 unterwegs sein, die jetzt erstmals abhob. Weitere 500 Stunden das zweite Testflugzeug MSN1813, ebenfalls eine A330-900, die ab November fliegen soll.

Für Tests der neuen "Airspace"-Kabine wird auch das erste Serienflugzeug MSN1819 eingesetzt, das anschließend an den Erstbetreiber TAP Air Portugal geliefert wird. Lediglich 300 Stunden werden die Tests der kleineren Version A330-800 dauern, die erst 2019 auf den Markt kommt.

Airbus A330neo - Erstflug am 19. Oktober 2017
Airbus A330neo - Erstflug am 19. Oktober 2017, © Andreas Spaeth

Interessant ist dabei, wie sich die Anzahl der Testflugstunden bis zur Zulassung entwickelt haben: "Für ganz neue Flugzeuge wie die A350 sind heute bis zu 2.600 Flugstunden nötig, vor 20 Jahren waren es nur etwa 2.000 Stunden, das zeigt wie komplex moderne Flugzeuge geworden sind," so Patrick du Ché. Allerdings benötigen physisch gegenüber der Basisversion stark veränderte Varianten wie die derzeit getestete A350-1000 mit 1.600 Testflugstunden wieder deutlich mehr.

Airbus hat die Rumpflängen der derzeitigen A330-200 und A330-300 nicht verändert. Angeboten werden nun zusätzlich die A330-800neo (bis maximal 406 Passagiere, mit typischen 257 Sitzen beträgt die Reichweite 13.900 km) und die A330-900neo (maximal 440 Passagiere, Reichweite mit 287 Sitzen 12.130 km), im Vergleich zu den Basismodellen wurde die Reichweite um 280 bzw. 460 km verlängert.

Airbus A330-900neo
Airbus A330-900neo, © Airbus

In Toulouse erklärte Airbus-Chef Fabrice Brégier jetzt, dass bis Mitte 2020 das maximale Startgewicht der A330 von heute 242 auf 251 Tonnen gesteigert werde. Damit könne man die Reichweite um bis zu 1.300 Kilometer gegenüber der Basis-A330neo erhöhen und gegenüber der A330ceo sogar um über 2.700 Kilometer. Ziel ist es, besser mit der sich gut verkaufenden Boeing 787-9 zu konkurrieren.

Die längere A330-900neo verzeichnet insgesamt 206 feste Orders, größter Kunde ist Air Asia X aus Malaysia mit 66 Bestellungen, gefolgt von Iran Air mit 28. Die A330-800 wurde lediglich in sechs Exemplaren von Hawaiian Airlines bestellt. Beinahe zeitgleich mit dem Erstflug der A330neo hat CEO Mark Dunkerly jetzt Zweifel an der Bestellung der A330-800 geäußert und wirft offenbar ein Auge auf die Boeing 787.

Airbus A330-900neo, Erstflug am 19.10.2017
Airbus A330-900neo, Erstflug am 19.10.2017, © Airbus

Das weckt Zweifel ob die kleinere A330neo überhaupt Abnehmer finden wird oder das gleiche Schicksal einer Streichung erleidet wie die A350-800, die Hawaiian ursprünglich bestellt hatte.

Airbus will 1.000 A330neo verkaufen

Airbus wird die parallele Produktion der A330ceo und A330neo, bis maximal sechs im Monat, bis ins nächste Jahrzehnt aufrecht erhalten, hofft so auch die Entwicklungskosten für die A330neo in Höhe von zwei Milliarden Dollar wieder einzuspielen.

Airbus A330-900neo, Erstflug am 19. Oktober 2017
Airbus A330-900neo, Erstflug am 19. Oktober 2017, © Airbus

Ziel ist es, von der A330neo insgesamt tausend zu verkaufen. Der Neustart für das Programm ist die eindrucksvolle Bestätigung des Konzepts der A330, fast ein Vierteljahrhundert nach ihrem Erstflug. Sie ist ein Spätzünder, denn in den ersten Jahren stand der Zweistrahler sehr im Schatten des fast baugleichen Vierstrahlers A340. Der jedoch wurde nach nur 375 ausgelieferten Flugzeugen Ende 2011 eingestellt.
© Andreas Spaeth | Abb.: Airbus | 20.10.2017 08:14

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Beitrag vom 22.10.2017 - 18:02 Uhr
Hier noch ein Artikel mit einer Grefik die zumindestens teile der Veränderung zwishen CEO und NEO erläutern.
 http://www.mxpairport.it/forum/viewtopic.php?t=10127
Beitrag vom 22.10.2017 - 17:36 Uhr
@Trojaner
Ich gebe Ihnen recht das die Diskrepanz schon sehr groß ist.
Man sollte aber nicht vergessen, dass nach wie vor allerdings für jeden weiteren KM mehr Treibstoff verbaucht wird, da die 7 oder 8 Tonnen mehr Fuel für die zusätzliche Reichweite, zunächst auch erstmal transportiert werden müssen. Dadurch geht bereits etwas verloren.

Auch nicht berücksichtig wird in Ihrer Rechnung das du zusätzlichen 10 PAX mit Sitz gepäck und allem drum und dran bereits 1 Tonne zusätzliches Gewicht bedeuten.
Beitrag vom 20.10.2017 - 21:48 Uhr
Da stimmen einige zahlen nicht in dem text wie kann ein a330 um 25%weniger verbrauchen als ein boeing 767,das heißt er würde weniger als 4000kg im reiseflug verbrauchen.
Und das mit der reichweite kann ja überhaupt nicht stimmen dann müßte der flieger gleich um mehrere tonnen schwerer werden,was ich mir wieder nicht vorstellen kann ,denn das rolls Royce 700 ist das leichterste triebwerk daß zur auswahlt steht ,und gegenüber dem B&W das fast um 1000kg schwerer ist das leichteste,kann mir nicht vorstellen,das der neue rolls motor um so viel zulegt,auch die winglets sind nicht so schwer,kann ja ein Mann locker tragen,da ist ja die verbackung schwerer für den Transport und der neue innenraum wird auch nicht schwerer werden wenn man nicht gerade lauter Businessitze einbaut.
Frage mich daher auch wo dann die reichweite hingekommen ist?


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