Iran-Abkommen
Älter als 7 Tage

USA unterbinden weitere Flugzeugexporte in den Iran

Iran Air Airbus A330-200
Iran Air Airbus A330-200, © Airbus

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WASHINGTON - Neue Vorzeichen: die US-Regierung zieht sich aus dem Atomdeal mit Iran zurück und lässt Sanktionen wieder aufleben. Das kurze Fenster, in dem Airbus und ATR 2017 Flugzeuge in den Iran liefern konnten, fällt wieder zu. Auch für Lufthansa hat die Entscheidung der Amerikaner Folgen.

US-Präsident Donald Trump zeigt, was er vom Dialog seines Amtsvorgängers mit dem Iran hält: nichts. Die USA steigen aus dem Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) aus. Das drohende Ende des 2015 ausgehandelten Atomdeals trifft allen voran Luftfahrtkonzerne hart.

Airbus will die Auswirkungen der Entscheidung zunächst "sorgfältig bewerten". "Wir untersuchen die Ankündigung sorgfältig und werden die nächsten Schritte prüfen - in Übereinstimmung mit unseren internen Grundsätzen und in vollständiger Einhaltung von Sanktionen und Regeln der Ausfuhrkontrolle", erklärte ein Sprecher. Dies könne einige Zeit in Anspruch nehmen.

Bei Airbus stehen 95 offene Bestellungen von Iran Air auf dem Spiel, darunter sechzehn A350-1000 und achtundzwanzig A330-900. ATR muss um ausstehende Lieferungen von zwölf 72-600 Turboprops bangen.

Zwei kurzfristig verfügbare A330-200 und eine A321 konnte Airbus 2017 an Iran Air übergeben, ATR immerhin acht 72-600 exportieren. Innerhalb von 90 Tagen werden die USA die Exportlizenzen für weitere Flugzeuge in den Iran widerrufen, stellte US-Finanzminister Steven Mnuchin am Dienstag klar.

Die US-Genehmigungen sind wichtig, da Airbus mehr als zehn Prozent der Teile für seine Flugzeuge von amerikanischen Zulieferern bezieht. Zudem dürfte nun kaum eine Bank Flugzeug-Geschäfte mit Iran finanzieren oder abwickeln - den Geldhäusern drohen bei Verstößen gegen US-Embargos empfindliche Strafen.

Airbus fädelte 2017 noch einen Deal mit Iran Airtour über fünfundvierzig A320neo ein. Kurz vor den neuen Sanktionen importierte die Airline über den freien Markt noch eine A320.

Boeing muss Milliardendeals mit Iran Air über fünfzig 737 MAX und je fünfzehn 777-300ER und 777-9 auf Eis legen. Iran Aseman wollte dreißig weitere 737 MAX importieren. Unter alten Vorzeichen hätte Boeing noch 2018 Flugzeuge an Iran Air geliefert, obwohl der Konzern alle Vereinbarungen bisher nur als Vorverträge führte.

"Wir haben keine Auslieferungen in den Iran für dieses Jahr angesetzt oder in der Produktionsplanung berücksichtigt", nahm Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg im April die Kehrtwende vorweg. Nahende Liefertermine habe der Konzern "in Einklang mit dem Vorgehen der US-Regierung" zurückgestellt.

Bestellungen iranischer Airlines bei Airbus, Boeing und ATR haben laut Preisliste ein Gesamtvolumen von rund 40 Milliarden US-Dollar.

Iran Aseman und Iran Airtour weichen unterdessen auf russische Flugzeuge aus: die Airlines schlossen im April Vorverträge mit Sukhoi über jeweils 20 Superjet 100.

Auswirkungen auf Lufthansa

Doch nicht nur die Flugzeugindustrie muss umplanen: Lufthansa ging 2017 eine Codeshare-Partnerschaft mit Iran Air ein, die Flüge von Frankfurt und München nach Teheran abdeckt. Zudem wollte Lufthansa mit Iran Air bei Technik, Catering und Ausbildung ins Geschäft kommen - das wird seit Dienstag nicht leichter.

"Wir beobachten und prüfen die Entwicklung im Zusammenhang der angekündigten Sanktionen im Iran genau", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow aero.de. "Zum jetzigen Zeitpunkt können etwaige perspektivische Auswirkungen auf die Buchungslage nicht final abgeschätzt werden."

Die Airlines des Lufthansa-Verbunds fliegen derzeit wöchentlich 22-mal in den Iran. Lufthansa fliegt täglich die iranische Hauptstadt Teheran an, während Austrian Airlines 11-mal wöchentlich nach Teheran und viermal wöchentlich nach Isfahan/Shiraz fliegt.

Zumindest bis auf Weiteres nimmt Lufthansa keine Änderungen an diesem Flugplan vor. "Derzeit sind keine Änderungen geplant", sagte der Sprecher. "Ebenso im Bereich des Codeshare-Abkommens mit Iran Air."

Iran-Deal spaltet USA und EU

Der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hatte deutsche Unternehmen noch am Dienstag ermahnt, ihre Geschäftsaktivitäten im Iran im Lichte neuer US-Sanktionen "sofort runterzufahren".

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire kritisierte am Mittwoch das Prinzip extraterritorialer Sanktionen scharf - dabei können auch Unternehmen aus anderen Ländern Probleme bekommen, wenn sie gegen US-Sanktionen verstoßen. "Das macht aus den USA den Wirtschafts-Polizisten des Planeten", sagte Le Maire. Dies sei nicht akzeptabel.
© aero.de, Bloomberg News | Abb.: Airbus | 09.05.2018 09:55

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Beitrag vom 13.05.2018 - 10:00 Uhr
Mittelfristig werden die chinesischen und russischen Flugzeugbauer profitieren. Bei den Großraum Flugzeugen ist das zwar noch nicht möglich aber mit der Zeit findet sich hier wahrscheinlich auch eine Lösung ohne Boeing und Airbus. Das Embargo über Flugzeuge ist kurzsichtig und dümmlich.

Das betrifft nicht nur Flugzeuge ,aber die Chinesen dürften da auch nicht liefern die comac hat Amerikanische Motoren.
Da bleiben nur die Russen übrig ,Langstreckenflieger von iljusin Mittel und kurzstrecke mit der MS21 mit den russischen PD14 Motoren und der Superjet mit mehr russischen teilen.da können die Amis gar nichts machen,wäre auch den russischen Luftfahrtkonzernen durchaus zu gönnen.
.
Beitrag vom 12.05.2018 - 14:42 Uhr
Solange sie "ihren" Präsidenten nicht nach Hause schicken, haben die Amis halt nen Knall!!
Beitrag vom 11.05.2018 - 12:41 Uhr
Mittelfristig werden die chinesischen und russischen Flugzeugbauer profitieren. Bei den Großraum Flugzeugen ist das zwar noch nicht möglich aber mit der Zeit findet sich hier wahrscheinlich auch eine Lösung ohne Boeing und Airbus. Das Embargo über Flugzeuge ist kurzsichtig und dümmlich.


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