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Medienzirkus

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AUA - Absturz ins Sommerloch

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Lauda Air Boeing 737-800WL, © Ingo Lang, edition airside
WIEN / BRATISLAVA - Samstag, den 4.August, kurz nach Mitternacht fegt in Wien ein spektakuläres Gewitter mit monsumverdächtigem Regensturm die Straßen der Millionenmetropole leer und rund um den Flughafen den zu der Zeit ohnehin nur schwach frequentierten Himmel. Zehn Flieger waren noch im Anflug, gelandet sind sie aber am gerade noch gewitterfreien Airport Bratislava, auch wenn dort außer ATC und Feuerwehr kaum noch jemand da war. Sicher ist sicher, möchte man meinen.

Für die meisten Passagiere war das auch kein Problem, sie warten geduldig im Flieger auf besseres Wetter und den Weiterflug nach Wien. Ganz anders verlief der ungeplante Ausflug für die 189 Fluggäste des AUA-Flugs 9254 (Lauda Air) aus Teneriffa. Für ihre Crew war am BTS nach 17 Stunden Einsatz der Arbeitstag zu Ende, zumindest nach Vorschrift. Für die 50 Km nach Wien brauchte es eine frische Crew. Und die war mitten in der Nacht zum Sonntag gar nicht so einfach zu bekommen.

Statt zu ihren Abholern am VIE, wurden die Urlauber gegen 3 Uhr morgens in das brandneue, aber menschenleere Ankunftsterminal am BTS evakuiert, zunächst ohne Gepäck, das bei dem Wetter nicht entladbar war. Mit solch spätnächtlichen Massendiversionen war mangels Notplan aber nicht nur der Airport BTS überfordert, offensichtlich auch die AUA-Station am nahen VIE.

Mitten in der Nacht waren auf die Schnelle weder eine neue Crew noch genügend Busse oder Taxis aufzutreiben, auch nicht vor Ort, wo die wenigen Nachttaxis in Bratislava dank Gewitter inzwischen ebenfalls vollbeschäftigt waren. Dass sich die Fluggäste dann notgedrungen die Heimfahrt selber organisierten (u.a. über Abholer, Wiener Taxizentralen und erste Morgenbusse), rang der AUA eine zerknirschte Entschuldigung (samt Kostenersatz) ab: Unser Fehler, das hätte so nicht laufen dürfen.

Das Mediengewitter, das aber nach Rückkehr der gestrandeten Urlauber über die AUA fegte, ließ Blitz und Donner der Sonntagnacht echt blaß aussehen.

Von "AUA-Crew lässt Passagiere im Stich", über in einer Wellblechbaracke zusammengepferchte, teils dehydrierte Fluggäste kurz vorm Kollaps, hilflose Rollstuhlfahrer, schreiende Kinder bis hin zu Notfällen vor verschlossenen Toiletten, die Situation am BTS mutierte in Windeseile medienweit zum Ausnahmezustand.

In Heftigstdiskussionen steht in 'branchennahen' Internet-Foren seitenlang nicht nur die einsatzmüde AUA-Crew am Pranger, auch die in Bratislava nicht vorhandene AUA-Station bekommt ihr Fett ab, weil sie für solch (absehbare!?) Sonderfälle nicht gerüstet war. Auch dass die AUA-Führung per Mail dann die eigene Belegschaft beruhigte und die betroffenen Mitarbeiter loyal in Schutz nahm, machte vor den geballten Medienexpertisen nicht halt.

Dass nicht jeder Eventualfall präventiv beherrschbar ist, mag sich der menschlichen Vernunft ja noch erschliessen. Dass der aber auch tatsächlich eintreten kann, mit unangenehmen Folgen, scheint unannehmbar, ja unentschuldbar, vor allem im Sommer, wenn im Medienzirkus die Themen knapp werden.

Der AUA-Kurs 9254 war trotz gefährlicher Wetterlage zwar sicher gelandet, genauso sicher war ihm aber auch sein Absturz ins mediale Sommerloch. Und augenscheinlich ist das genauso menschlich wie Fehler im Fall der Fälle.

Lektion gelernt? Aber sicher!

© Bob Gedat | Abb.: Martin Dichler | 13.08.2012 10:55




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