Forschungsgemeinschaft
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EADS, Siemens und Diamond setzen auf Elektroantrieb

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Experimentalflugzeug Diamond DA36 E-Star 2, © Werksfoto Diamond Aircraft
LE BOURGET - Anlässlich der Vorstellung eines Flugzeugs der zweiten Generation mit seriell-hybridem Elektroantrieb kündigten EADS, Siemens und Diamond Aircraft, austro-kanadischer Hersteller von Leichtflugzeugen, eine Forschungspartnerschaft an.

Tom Enders, CEO von EADS, Peter Löscher, Vorstandschef der Siemens AG, und Christian Dries, Inhaber von Diamond Aircraft, unterzeichneten dazu in Le Bourget eine Absichtserklärung für ihre künftige Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Elektroflugzeugen.

Abseits des Medienhypes rund um die von einer gigantischen Auftragswelle für spritsparende Verkehrsflugzeuge erfassten Hersteller, wagt Airbus General Enders einen Blick in die nicht allzu ferne Zukunft. Begrenzte Ressourcen wie fossile Treibstoffe, Auswirkungen der Emissionen von Verbrennungsantrieben auf das globale Klima, steigende Energiekosten und ein fast explosiver Kapazitätsbedarf, stellen die Luftfahrtindustrie vor nie dagewesene Herausforderungen. Und die Zeit drängt.

Eine Lösung sieht Endres in Elektroflugzeugen. "Sie sind ein zentrales Element unserer Forschung für die Zukunft der Luftfahrt. Erst in den nächsten Jahrzehnten werden wir erfahren, wohin der Weg uns führt, welche Gestalt und Form der Elektroantrieb annehmen wird. Aber wir wissen, dass wir bei der Erprobung von Alternativen zu fossilen Treibstoffen keine Zeit verlieren dürfen. Eines ist klar: Die Luftfahrt wird mit immer weniger Treibstoff bei immer geringeren Schadstoff- und Lärmemissionen fliegen müssen. Die gemeinsame Arbeit an künftigen Antriebssystemen ist der beste Beitrag, den unsere Branche zu einem ‚grüneren‘ Luftverkehr leisten kann,“ so Endres in einer gemeinsamen Aussendung der Entwicklungspartner.

Laut IATA machen die Treibstoffkosten in diesem Jahr bereits ein Drittel der Betriebsausgaben der Fluggesellschaften aus. Und nach Angaben des "Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC" ist der Luftverkehr aktuell für zwei Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich, wobei sich dieser Anteil bis 2050 voraussichtlich auf drei Prozent erhöhen wird.

Wachstum und Klimawandel erzwingen neue Antriebstechnolgien

„Wir stecken in einer Zwickmühle: immer mehr Menschen fliegen, die Passagierzahlen steigen. Gleichzeitig steigt der Kerosinpreis und wir müssen strengere Umweltauflagen erfüllen. Einen Ausweg bietet nur unser
Erfindungsreichtum. Deswegen ist es so wichtig, dass EADS und Siemens jetzt diese Forschungspartnerschaft ins Leben rufen“, bekannte Peter Löscher, Vorstandschef von Siemens: „In diesem Hybridflugzeug stecken bereits viele Ideen für den Verkehr von morgen, ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.“

Ziel der Forschungspartnerschaft sei die Einführung hybrider Antriebssysteme, sowohl für Hubschrauber also auch für Großflugzeuge, wobei die Musterzulassung für Luftfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb und mit Hybridantrieb in der Kategorie Allgemeine Luftfahrt in den nächsten drei bis fünf Jahre erreicht werden soll.

Siemens hat für die zweite Generation der Diamond DA36 E-Star 2 einen integrierten Antriebsstrang entwickelt. Dieser besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Elektroantrieb und einem Generator, der von einem kleinen Wankelmotor angetrieben wird. Die über den Generator erzeugte elektrische Energie wird in Batterien eingespeist und von diesen je nach Bedarf dem Antrieb zur Verfügung gestellt.

Der Hybrid-Motorsegler absolvierte am 1. Juni 2013 auf dem Flugplatz Wiener Neustadt in Österreich erfolgreich einen einstündigen Erstflug.

Hybrid-Antriebe als Übergangstechnik

Diamond setzt erstmal auf (konventionelle) Hybridtechnik. Der serielle Elektroantrieb erlaube es, Flugzeuge zu konstruieren, die völlig andere Eigenschaften haben als heutige Maschinen. Senkrechtstarts und hohe Reisegeschwindigkeiten können viel effizienter erreicht werden. "Die DA36 EStar 2 war der nächste Schritt zur Erprobung dieser Technologie, und angesichts der positiven Ergebnisse kann die Entwicklung weitergehen,“ erklärte dazu Christian Dries, Inhaber von Diamond Aircraft, in Le Bourget.

Die neue Antriebstechnologie ermöglicht auch eine drastische Reduzierung der Lärmemissionen beim Start. Dazu sollen Treibstoffverbrauch und Gesamtemissionen um rund 25 Prozent unter denen der effizientesten heutigen Antriebstechnologien liegen.

Auf der Paris Air Show kündigte sich am Dienstag noch ein weiteres (hybrides) Forschungsteam an. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der französische Luftfahrtkonzern Dassault Aviation wollen künftig in der Forschung zusammenarbeiten. Schwerpunkte ihrer Kooperation sollen die Flugphysik (Aerodynamik) und die Flugsteuerung sein.
© aero.at mit Diamond Aircraft | Abb.: Diamond Aircraft | 19.06.2013 11:55


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