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Etihad Airways festigt ihre Stellung in Europa

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airberlin und Etihad Airways am Flughafen München, © Flughafen München GmbH

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FRANKFURT - Die arabische Fluggesellschaft Etihad hat sich weitere Teile des europäischen Marktes erschlossen. Nach dem Einstieg als Großaktionär bei Air Berlin vereinbarte die aufstrebende Airline aus Abu Dhabi nun eine Kooperation mit dem Lufthansa -Konkurrenten Air France/KLM.

Deren Passagiere können künftig mit Etihad-Jets nach Australien oder auf die Malediven düsen, das sogenannte Code-Sharing macht es möglich. Im Gegenzug können die Araber auf Teile des europäischen Air France/KLM-Netzes etwa in die französische Provinz oder nach Skandinavien zurückgreifen.

Das Prinzip "Ein Flug - mehrere Flugnummern der Partner" bringt im Idealfall beiden Seiten zusätzliche Passagiere in die Jets. Es soll auch für die Etihad-Beteiligung Air Berlin gelten, die künftig enger mit Air Frannce/KLM zusammenarbeiten und in einem ersten Schritt sieben zusätzliche Ziele in Frankreich erhalten wird. Etihad hält an der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft knapp 30 Prozent und hat sie mit einem Großkredit vor dem Kollaps bewahrt.

Mit gerade einmal 8,3 Millionen Passagieren, 4,1 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem ersten kleinen Gewinn von 14 Millionen Dollar im vergangenen Jahr ist Etihad zwar kein Riese, hat aber wie alle Airlines vom arabischen Golf mächtige, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Wie auch in den Nachbar-Emiraten Dubai und Katar entsteht in Abu Dhabi ein Drehkreuz internationaler Dimension, das mit Passagieren auf ihren vielfältigen Wegen zwischen Asien und Europa gefüllt werden will. Air Berlin ist dabei eine Zubringerrolle aus Zentraleuropa für Etihad-Flüge zugedacht.

Mit Air Berlin und Air France-KLM reichen sich zwei Leidensgenossen die Hand. Noch vor Kurzem drohten herbe Verluste im hart umkämpften Europaverkehr beide Gesellschaften in den Abgrund zu ziehen. Der französisch-niederländische Netz-Carrier mit zuletzt knapp 76 Millionen Passagieren im Jahr 2011 verordnete sich eine Radikalkur, der alleine in der französischen Sparte bis Ende kommenden Jahres 5.100 Jobs zum Opfer fallen sollen. Im Vorjahr hat der Konzern unter dem Strich mehr als 800 Millionen Euro verloren.

Die Kooperation mit Air France/KLM stellt den gerade erfolgten Eintritt Air Berlins in das von British Airways dominierte Bündnis Oneworld deutlich in Frage. "Oneworld ist sekundär" hat Etihad-Chef Paul Hogan überdeutlich erklärt. Branchenkenner hatten ohnehin an den Netzsynergien gezweifelt, da Air Berlin am zentralen deutschen Drehkreuz Frankfurt kaum etwas zu bieten hat. "Der Zeitpunkt der Kooperation dürfte bei Oneworld schon Befremden auslösen", sagt Commerzbank -Analyst Frank Skodzik. "Langfristig wird sich Air Berlin eher in Richtung Skyteam orientieren." So heißt das Bündnis um den Kern Air France/KLM.

"Etihad ist mit den Vereinbarungen ein relativ breiter Markteintritt in Berlin, Amsterdam und Paris gelungen. Damit dürften sie erstmal zufrieden sein", glaubt Analyst Skodzik. Zukäufe plant Chef Hogan eher in Asien. Branchenkreisen zufolge ist Qatar Airways bereit, sich dem britisch-spanisch dominierten Bündnis Oneworld anzuschließen. Die weitaus größte und wichtigste Golf-Gesellschaft Emirates geht einen dritten Weg: Statt Kooperationen oder Bündnisse zu suchen, fliegt die Dubai-Linie möglichst viel Verkehr selbst. Mit ihren Kooperationen kann die wesentlich kleinere Etihad bald 321 Ziele anbieten - Emirates fliegt zu mehr als 120 Zielen selbst und muss auch in Deutschland mit restriktiven Start- und Landerechten zurechtkommen.

Auf fruchtbaren Boden fallen die Europa-Aktivitäten der Araber bei der deutschen Reiseindustrie. Die deutliche Mehrheit der Entscheider wünsche sich einen offenen Zugang sämtlicher Airlines auf den europäischen Markt, hat eine aktuelle Umfrage für die Lobby-Vereinigung "Travel Industry Club" ergeben. Die Golf-Gesellschaften würden zwar durchaus auch als Bedrohung für die heimische Luftfahrtindustrie wahrgenommen, gleichwohl habe sich nur eine Minderheit der Manager für staatliche Schutzmaßnahmen ausgesprochen. Das Bundesverkehrsministerium solle - so 76 Prozent der Befragten - den Wettbewerb den Airlines überlassen und die Verkehrsrechte nicht durch Verordnungen limitieren.

Bislang ohne arabischen Partner steht die Lufthansa da, unter den europäischen Netzcarriern der wirtschaftlich potenteste und gleichzeitig schärfster Kritiker der Konkurrenz vom Golf. Europas größter Luftverkehrskonzern kann auf das dichte Netz seines Bündnisses Star Alliance zurückgreifen, muss aber beim Komfort und auf der Kostenseite deutlich nachbessern, wenn er im harten Wettbewerb bestehen will. Die Luft an Europas Himmel wird dünner.
© Steffen Weyer, dpa-AFX | Abb.: Air Berlin | 09.10.2012 08:23


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