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Air Berlin dünnt Streckennetz und Flotte aus – Gewinn nicht in Sicht

Joachim Hunold
Joachim Hunold (re.), © Air Berlin

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BERLIN - Air Berlin hat wegen steigender Kosten den Sparkurs verschärft. Wie der Lufthansa-Konkurrent am Donnerstag in Berlin mitteilte, soll die Kapazität im zweiten Halbjahr 2011 um mehr als eine Million Sitze verringert werden. Die Flotte solle dabei um acht Flugzeuge verkleinert und unrentable Strecken gestrichen werden. Zudem will Air Berlin die Flugpläne ausdünnen. Auch sei der teilweise Rückzug von Regionalflughäfen geplant.

"Um profitabel zu werden, müssen wir Einschnitte in unser Streckennetz und in unserer Flotte vornehmen", sagte Konzernchef Joachim Hunold. Die Luftverkehrssteuer hemme die Rückkehr in die Gewinnzone. Zudem belasteten gestiegene Kerosinpreise und der Rückgang des Nordafrika-Geschäfts.

Hunold stellt das Gewinnziel für das Gesamtjahr inzwischen in Frage. "Die geplanten Maßnahmen werden möglicherweise nicht ausreichen, um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen, weil einige der Einspareffekte erst im kommenden Jahr wirksam werden", sagte Hunold.

Als "Opfer der Luftverkehrssteuer" bezeichnete der Air Berlin-Chef die Regionalflughäfen. Air Berlin werde ihre Flüge von Münster/Osnabrück nach London, Wien und Sylt ebenso wenig aufrecht erhalten können, wie die Verbindungen von Köln/Bonn zu verschiedenen Destinationen in Marokko sowie nach Valencia. Darüber hinaus werde man über den Winter von Köln aus nicht mehr direkt mit Air Berlin nach Innsbruck, Neapel und Palermo kommen. Storniert wird auch die Strecke Hannover - London.

Karlsruhe, Dresden und Basel verlieren ab November über den Winter ihre Direktverbindungen nach Palma de Mallorca. Von Paderborn aus geht es nicht mehr nach London und Manchester. Außerdem werden Malaga und Alicante aus dem Programm von zahlreichen Flughäfen aus reduziert oder - wie Klagenfurt - zumindest über den Winter ganz aus dem Programm genommen. Erfurt wird als Standort ganz aufgegeben.

"Die Luftverkehrsteuer verursacht eine dramatische Wettbewerbsverzerrung", beklagte Hunold. "In Relation zum Umsatz müssen wir fast viermal mehr als unser größter Wettbewerber zahlen." Während Air Berlin im ersten Halbjahr 4,1 Prozent vom Umsatz als Luftverkehrssteuer abgeführt habe, betrage die Steuerlast bei Lufthansa nur 1,15 Prozent vom Umsatz, rechnet Hunold vor und fordert erneut die Abschaffung der Abgabe.

Hüttmeyer: Waren auf gutem Weg

Air Berlin Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer betonte am Donnerstag, dass das Unternehmen bislang auf gutem Weg zur Konsolidierung war. Im zweiten Quartal 2011 habe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Erlös pro Passagier um 6,5 Prozent auf 107,68 Euro erhöht. Gleichzeitig habe sich der Sitzladefaktor um 3,6 Prozentpunkte auf 77,4 Prozent verbessert.

"Die Nachfrage nach den für unser Unternehmen so wichtigen touristischen Zielen in Nordafrika hat sich allerdings nach den Unruhen nicht wieder erholt." Als Beispiel nannte Hüttmeyer Ägypten, wohin Air Berlin normalerweise rund 80 Mal in der Woche fliegt. Die Ausfälle in Nordafrika bezifferte Hüttmeyer auf 20 Millionen Euro.

Als Erfolg bezeichnet der Air Berlin-Vorstand die bisher vereinbarten Codeshare-Abkommen mit den zukünftigen Partnern in der Airline-Allianz oneworld. Seit Anfang des Jahres habe Air Berlin durch Kunden der Partner rund 100.000 Codeshare-Buchungen registriert.

Air Berlin war im zweiten Quartal erneut tief in den roten Zahlen gelandet. Im Vergleich zum Vorjahresquartal schrumpfte das Minus unter dem Strich allerdings um 23 Prozent auf 44 Millionen Euro.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: world-of-aviation.de, Bjoern Schmitt Aviation Photography | 18.08.2011 09:31

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Beitrag vom 18.08.2011 - 11:39 Uhr
nur interimsweise
Beitrag vom 18.08.2011 - 11:18 Uhr
Laut SPON soll Mehdorn Hunolds Nachfolger werden!
 http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,780932,00.html
Beitrag vom 18.08.2011 - 10:01 Uhr
Endlich kehrt beim Regionalflughafen Expansionsgrössenwahn ein wenig Realität ein. Es hatte sich ja abgezeichnet, dass sich die Flughäfen, die nur dank Subventionen expandieren und lauter verlustbringende Strecken im Programm haben, bald auf der Verliererseite wiederfinden werden.




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