Grounding
Älter als 7 Tage

Vor zehn Jahren blieb die Swissair am Boden

Airbus A310 der Swissair
Airbus A310 der Swissair im Juli 1991, © Stefan Ehrbar, CC
BERN - Vor zehn Jahren geschah für die Eidgenossen das Unfassbare: Am 2. Oktober 2001 konnten Swissair-Flugzeuge nicht mehr starten - das Unternehmen war am Ende. Wenige Jahre später, am 22. März 2005, ging die Nachfolgegesellschaft Swiss in den Besitz der Lufthansa über. Die Swissair stand für die Schweiz wie das Matterhorn und die Schokolade. Doch der Stolz der Nation wurde heruntergewirtschaftet. Und er ging mit den Terroranschlägen vom 11. September in den USA unter. Diese hatten die Luftfahrtindustrie massivst erschüttert.

Ein Markenzeichen, das am 26. März 1931 erstmals abhob und 70 Jahre später nur noch als gerupfter Vogel übrig blieb - das war die Swissair. Das sogenannte Grounding war Folge einer ehrgeizigen Konzernpolitik, die scheiterte. Als der kostspielige Traum von Größe platzte, blieben die Jets mit dem Schweizerkreuz auf der Heckflosse am Boden.

In den 90er-Jahren litten die Fluggesellschaften unter der schwachen Konjunktur. Die Swissair-Manager setzten auf Allianzen und Beteiligungen und den Ausbau des Konzerns. Der Aufbau eines Netzes mit anderen Fluggesellschaften war kostspielig. Er war aber die Alternative zu einer Fusion mit einem großen Partner oder eine Verkleinerung der Swissair: Beides wäre in der Schweiz, wo die 1931 gegründete Airline ein Symbol der nationalen Identität war und wo in Tausenden von Kinderzimmern die Flugzeugposter hingen, unpopulär gewesen.

1995 beteiligte sich die Swissair mit 49,5 Prozent an der stark verschuldeten belgischen Sabena. 1998 stülpten die Manager der Airline mit der Schaffung der SAirGroup eine neue Konzernstruktur über. Die Swissair beteiligte sich an einer Reihe von Airlines, auch kleineren Carriern.

Das Wachstumsmodell der Swissair erhielt den Namen Hunter- Strategie und vereinte in einer Allianz unter anderem die Swissair mit der Sabena, der Austrian Airlines und der großen US-Linie Delta. Schwierigkeiten bahnten sich an, als 1998 das Monopol der Swissair auf neue Linienflüge aus der Schweiz fiel und der Partner Delta 1999 die Allianz verließ.

Als Anfang 2001 die Beteiligungen immer mehr Verluste brachten und SAirGroup-Chef Phillippe Bruggisser seinen Sessel räumte, war es bereits zu spät. Und - wie man heute weiß - 15 Milliarden Franken (heute 12,3 Mrd Euro) Schulden wogen schwer. Als die Swissair die Oktober-Löhne nicht mehr sicher zahlen konnte, sollten die Politik und Banken helfen, doch dies gelang nicht.

Am 2. Oktober wurde klar, dass die Airline ihre Zulieferer wohl nicht mehr bezahlen konnte. Das Grounding der Flotte nahm seinen Anfang, als in London zwei Swissair-Maschinen am Boden bleiben. Die Swissair hatte die Landegebühren nicht bezahlt. Nachdem die Swissair keinen Treibstoff mehr bekam, wurden um 16.15 Uhr alle Flüge suspendiert, die Flugzeuge reihten sich auf dem Boden, 38 000 Passagiere strandeten. Es war das Ende der Swissair.

Während 2002 die Nachfolgerin Swiss den Betrieb aufnahm, geriet die frühere Swissair-Führung ins Visier der Justiz. Das Grounding hatte ein jahrelanges juristisches Nachspiel. 2007 wurden vor dem Bezirksgericht Bülach 19 Angeklagte von allen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Kollaps freigesprochen. Was in Erinnerung bleibt, ist der Schock über das Ende des Nationalsymbols.
© dpa | Abb.: Stefan Ehrbar, CC | 02.10.2011 10:32

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Beitrag vom 04.10.2011 - 18:32 Uhr
@ZRH2010
...redest du von Unternehmen die Unsummen erhalten im Sinne von "etwas unternehmen" oder redest du nur von Banken.

Trotzdem bitte keine weitere politische Diskussion hier.
>
@cessy
was soll dieser maulkorb? bist du der admin hier?

ich fände durchausangebracht, immer mal auf die seite zu schauen und über sinn und unsinn politischer einflüsse zu diskutieren. aviation war nämlich immer schon massgeblich von politischen und/odder diplomatischen ränkespielen abhängig. davor die augen zu verschliessen, weil man "sich nur um luftfahrtthemen" kümmern will, ist zumindestens sehr kurzsichtig.

saludos a todos

charlie.f.kohn@sixpence-pictures.com
fine art photography // design // madrid
Beitrag vom 04.10.2011 - 17:04 Uhr
@ZRH2010
...redest du von Unternehmen die Unsummen erhalten im Sinne von "etwas unternehmen" oder redest du nur von Banken.

Trotzdem bitte keine weitere politische Diskussion hier.
Beitrag vom 04.10.2011 - 14:03 Uhr
15Mrd CHF Schulden...und kein Kredit genehmigt. Wenn man heutzutage mal schaut wieviel Kredite für Unternehmen gestellt werden kann einem fast Schlecht werden...


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