NORAH
Älter als 7 Tage

Neue Lärmstudie bringt überraschende Ergebnisse

FRANKFURT - Donnernde Jets, ständiges Brausen entlang von Straßen, Autobahnen und Bahntrassen - für viele ist chronischer Verkehrslärm unerträglich. Der Lästigkeitsfaktor ist hoch. Aber wie krank Dauerbeschallungwirklich macht, bleibt umstritten.

Wer gerne fliegt und in der Nähe eines Flughafens wohnt, leidet weniger unter Fluglärm und schläft besser als Flugverkehr-Kritiker. Das ist jetzt wissenschaftlich belegt. Sehr viele Menschen, die rund um einen Flughafen wohnen, fühlen sich belästigt, ebenso wie Menschen in der Nähe von Autobahnen oder Bahnstrecken. Aber macht Lärm auch krank? Ja, aber weniger als bisher diskutiert - zu diesem Ergebnis kommt die Studie NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health), die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellt worden ist. Nach Lesart des Flughafenbetreibers Fraport wurden dabei sogar nur "minimale" Gesundheitsrisiken festgestellt.

Terminal 2 am Frankfurter Flughafen
Terminal 2 am Frankfurter Flughafen, © world-of-aviation.de

Das sehen nicht nur lärmgewohnte Bewohner des Rhein-Main-Gebiets ganz anders. Ein kleines Häuflein Demonstranten hatte sich vor dem Frankfurter Literaturhaus eingefunden, in dem die NORAH-Studie am Donnerstag vorgestellt wurde. "Fluglärm zerstört Gesundheit" stand auf ihren Transparenten. Sie kannten die Studie noch nicht. An der Grundhaltung der Fluglärmgegner, die seit 2011 jeden Montag im Flughafen-Terminal lautstark demonstrieren, ändere sich nichts, sagte Thomas Scheffler vom Bündnis der Bürgerinitiativen vor Veröffentlichung der Ergebnisse. "Die Belastung durch Fluglärm ist zu hoch, Beeinträchtigungen sind nicht wegzudiskutieren."

Die Ergebnisse der laut Auftraggeber umfassendsten Lärmwirkungsstudie wirken diffus: Fluglärm erhöht zur Überraschung der Forscher das Risiko, an einer Depression zu erkranken; Herz-Kreislauferkrankungen riskieren eher Menschen, die an einer vielbefahrenen Bahnstrecke wohnen. Auf den Blutdruck habe Dauerlärm aber gar keinen Effekt. Wenig überraschend ist, dass der nächtliche Schlaf besser ist, wenn die Lärmquelle wegfällt - nämlich während des Nachtflugverbots, das in Frankfurt 2011 eingeführt wurde. Für Karsten Möring (CDU), Lärmexperte im Umweltausschuss des Bundestags, sollten diese positiven Effekte nun auch Konsequenzen für den Flughafen Köln-Bonn haben, wo bisher kein Nachtflugverbot gilt.

Die NORAH-Ergebnisse, nach denen Lärm keine Wirkung auf den Blutdruck hat, weichen von bisherigen Untersuchungen ab. Studien aus Mainz und des Umweltbundesamts konstatieren klare Effekte. "Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann", hatte der Mainzer Forscher Thomas Münzel bei der Vorstellung seiner Studie 2013 gesagt. Lärm aktiviere das Stresshormon Adrenalin und beeinträchtige die Gefäßfunktion. Nach Angaben des Umweltbundesamts wirkt Lärm auf den gesamten Organismus. Er verursache körperliche Stressreaktionen, aktiviere das autonome Nervensystem und das hormonelle System. Mögliche Langzeitfolge seien Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck oder Herzinfarkte.

An der NORAH-Studie haben Wissenschaftler verschiedener Disziplinen fünf Jahre lang gearbeitet. Auf 2500 Seiten haben sie ihre Ergebnisse zusammengefasst - nach ihren Angaben die bisher umfassendste Untersuchung von Lärmwirkung. "NORAH ist ein Meilenstein", sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsmitglied des landeseigenen Forums Flughafen und Region, das die Studie in Auftrag gegeben hatte. Schwerwiegende Risiken bringe der Flugverkehr nicht, wohl aber eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dies müsse künftig als Parameter mehr beachtet werden.
© Sabine Ränsch, dpa | Abb.: world-of-aviation.de | 30.10.2015 07:12

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Beitrag vom 02.11.2015 - 11:08 Uhr
@ErichM,

Du reduzierst alles auf einen Rückbau vom Flugplatz und dem Abbau der LH-Hub-Funktion in Frankfurt.

Auf einen Verzicht der Subventionierung der Hub-Funktion, aber ja, das läuft auf einen Rückgang dieser Funktion hinaus.

Aber lt. ADV gab es 2014 ca. 470000 Flugbewegungen in Frankfurt. Da wäre noch viel Luft nach oben.

Yep, aktuell etw 230.000. Slots wie Sand am Meer.

Falls Frankfurt kein HUB für LH sein sollte, gäbe es mehr Slots für die Konkurrenz!

Ob jetzt 230k Slots frei sind, 250k oder 270k, wo ist der Unterschied? Fakt ist, jede Airline der einfällt, FRA anzufliegen oder die Fraquenz zu erhöhen, kann dies seit 2011 unbegrenzt tun.

Ohne HUBs in Frankfurt oder München könnte LH wahrscheinlich auch einige Strecken vergessen. Gegen einen HUB (etwa London, Paris, Istanbul, Abu Dhabi, Dubai...), der von Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und München gefüttert wird, hat LH dann noch weniger Chancen.

Die LH selbst beklagt ja den Ticketpreis-Vverfall in Frankfurt ausgelöst durch das Überangebot. Der HUB Betrieb in FRA beschränkt sich ja nicht auf die LH, die ihre Langsteckenmaschinen füllt, sondern umfasst auch die Passagiere vieler anderer Airlines.

Die Bundesrichter haben nun im Fall von Berlin erkannt, dass zur Genehmigung eines Flugplatzes auch die Genehmigung der An- und Abflugstrecken gehören muss!

Die praktische Konsequenz aus diesem recht neuen Urteil wird sich noch erweisen müssen ...


Da man heute schon recht früh am Flugplatz sein muss, gibt es auch viel Zeit - oh Wunder - zum Kaufen. (Vor 40 Jahren reichten 45 Minuten für einen Flug in die USA - für Israel liegt man heute wohl bei mehr als 3 Stunden... Auch dafür braucht man mehr Platz!)
Außerdem geht es in Richtung größere Flugzeuge...

Platz vielleicht, aber keine Slots :-)
Wenn FRA für Umsteiger weniger interessant wäre, würde auch der Platz in den Terminals wieder reichen ...

Zudem: die weitgehend leeren Hallen im T2 sogar in der Urlaubszeit sprechen ja nicht dafür dass es am Flughafen aktuell wirklich eng zugeht...

Dieser Beitrag wurde am 02.11.2015 11:12 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 01.11.2015 - 15:12 Uhr
@ErichM,

Du reduzierst alles auf einen Rückbau vom Flugplatz und dem Abbau der LH-Hub-Funktion in Frankfurt.
Aber lt. ADV gab es 2014 ca. 470000 Flugbewegungen in Frankfurt. Da wäre noch viel Luft nach oben.
Falls Frankfurt kein HUB für LH sein sollte, gäbe es mehr Slots für die Konkurrenz! Ohne HUBs in Frankfurt oder München könnte LH wahrscheinlich auch einige Strecken vergessen. Gegen einen HUB (etwa London, Paris, Istanbul, Abu Dhabi, Dubai...), der von Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und München gefüttert wird, hat LH dann noch weniger Chancen.

Die Bundesrichter haben nun im Fall von Berlin erkannt, dass zur Genehmigung eines Flugplatzes auch die Genehmigung der An- und Abflugstrecken gehören muss!

Da man heute schon recht früh am Flugplatz sein muss, gibt es auch viel Zeit - oh Wunder - zum Kaufen. (Vor 40 Jahren reichten 45 Minuten für einen Flug in die USA - für Israel liegt man heute wohl bei mehr als 3 Stunden... Auch dafür braucht man mehr Platz!)
Außerdem geht es in Richtung größere Flugzeuge...
Beitrag vom 01.11.2015 - 14:06 Uhr
@ErichM,

was ist ein "raumverträgliches Maß"? Wer definiert regionale/nationale Verpflichtungen?

Ich glaube wir können uns drauf einigen, dass >700.000FB/Jahr nicht raumverträglich sind.

Das ließe sich letzlich nur durch Verstaatlichung realisieren. Gleiches gilt auch für die anderen Verkehrsträger!

Nein, hierfür müsste lediglich eine künstliche Förderung der HUB Funktion unterbleiben. Eine Querfinanzierung des Flugbetriebs über andere Geschäftsfelder wie Einzelhandel müsste ausgeschlossen werden.
FRA liegt in einem Hochlohnland. Demzufolge wird der reine Flugbetrieb immer teurer sein als in Ankara oder am Golf - allen Konstrukten, die die Unterlaufung des Mindestlohns zum Ziel haben zum Trotz.
Untersagt man Fraport, weiter den Flugbetrieb zu bezuschussen, müssen die Landegebühren steigen.
Für den Originärverkehr ändern die 5€/Ticket fast nichts, da alle gleichermaßen zahlen müssen.
Für den Umsteigeverkehr, bei dem von X nach Y über FRA geflogen wird, wird Frankfurt aber damit unattraktiver.
Damit erledigen sich zwar die hochfliegenden Ausbaupläne (T3 wird hauptsächlich für erweiterten Einzelhandel durch mehr HUB Betrieb benötigt), für Anwohner, die am Flugbetrieb beteiligten Mitarbeiter sowie nicht zuletzt für Airlines, die ex FRA fliegen (Lufthansa) hätte das aber große Vorteile.

Wer hat aber überhaupt ein Interesse an einer Neuverteilung?

An einer Reduktion der Hub-Subventionierung durch Fraport sollten interessiert sein:
1)Die Anwohner auf alle Fälle.
2)Die Fraport Mitarbeiter sollten eigentlich ein Interesse daran haben, da nur so der Preiskampf beim Lohn mit Dritte-Welt-Staaten, der nicht zu gewinnen ist, eingedämmt werden kann.
3) Die Lufthansa sollte ein Interesse daran haben, auch wenn man dann dem Herr Mayrhuber erklären muss, dass er mit seiner Unterstützung des Fraport Ausbaus richtig Mist gebaut hat.

Gegen 2) und 3) laufen aber hochprofessionell geführte, stark emotionalisierende Werbe-Kampagnen, die Wachstum als alleinige Möglichkeit des Überlebens preisen, allen Beweisen des Gegenteils zum Trotz ...

Die Diskussion um die Verlegung der Flugrouten um Frankfurt sprechen doch eine deutlich Sprache.

Der Lärmaspekt? Richtig. Wo man die Routen im Rhein-Main Gebiet auch hinlegt - überall wohnen ne Menge Menschen. Gerade deswegen ist FRA als globaler HUB relativ ungeeignet bzw. man darf sich nicht wundern wenn sich die Anwohner beschweren...

Eine kurzfristige Lösung für Deine Problem sehe ich nicht. Der Hinweis, dass u. U. jeder duch den Neubau oder Umbau einer Straße oder Bahntrasse vor ähnlichen Problemen stehen kann, hilft nur sehr begrenzt weiter.

Stimmt. Beim Neubau einer Straße oder Bahntrasse ein i.d.R. aufwendiges Genehmigungsverfahren zu durchlaufen. Das ist bei Flugrouten nicht der Fall, wie bald bei der Alternativen-Diskussion zur Südumfliegung wieder deutlich werden wird.


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