Air-Berlin-Piloten
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"Wir rechnen am Freitag oder Montag mit der Kündigung"

Air Berlin Airbus A320
Ein Airbus A320 von Air Berlin startet im August 2017 vom Hamburger Flughafen, © Andreas Spaeth

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BERLIN - Nein, eine Beschäftigungsgesellschaft war für die Piloten der Air Berlin nie eine Option. Die Jobaussichten der Frauen und Männer ganz vorne im Flugzeug sind ungleich besser als die vieler Verwaltungsmitarbeiter oder Flugzeugtechniker der nun untergehenden Fluggesellschaft.

In den einschlägigen Portalen sind zahlreiche Stellenanzeigen für Airbus-Piloten zu finden - meistens, aber durchaus nicht nur bei Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns.

Bei den Piloten herrscht dennoch eine Mischung aus Enttäuschung, Wut - und Wehmut, erzählt ein junger Co-Pilot. "Es ist gerade sehr emotional. Uns wird bewusst, dass es nun zu Ende geht. Wir bedauern das alle sehr. Keiner weiß so richtig, wie es weitergeht." Man fühle sich im Stich gelassen. "Wir rechnen am Freitag oder Montag mit der Kündigung."

Bis zum bitteren Ende hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit den Air-Berlin-Flugzeugführern geraten, sich nicht auf die ausgeschriebenen Stellen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings zu bewerben, die mit 81 Flugzeugen den Großteil des Nachlasses übernehmen wird - sofern denn die Kartellbehörden mitspielen.

Dies geschieht durch die Übernahme der nicht insolventen AB-Töchter Niki und LG Walter, deren rund 1.700 Leute einfach zu den bisherigen Bedingungen weiter machen können. 1.300 weitere, darunter auch 400 Piloten, sollten sich bei der Eurowings neu bewerben.

Anders als die für das Kabinenpersonal zuständigen Gewerkschaften Verdi und Ufo hat die VC es lange abgelehnt, mit der Eurowings eine Vereinbarung zu den Aufnahmeregeln zu treffen. Eigentlich hält man den ganzen Deal für einen Betriebsübergang, bei dem die Beschäftigten einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung hätten.

Nach entsprechenden Kündigungsschutzklagen wird das sicherlich noch von Gerichten überprüft. Der Gesprächsfaden für eine vorläufige Auffanglösung ist Kreisen zufolge dennoch nicht komplett abgerissen, so dass auch jetzt noch eine Lösung möglich scheint.

Je nach vorheriger Stellung müssten die AB-Piloten Gehaltseinbußen bei einem Wechsel hinnehmen. Die Angaben dazu schwanken zwischen 10 (Eurowings-Chef Thorsten Dirks) und 40 Prozent (VC).

"Der Lufthansa-Konzern nutzt die Air Berlin-Pleite, um die Tarifbedingungen in breiter Front nach unten zu drücken", sagt ein Langstrecken-Kapitän, der noch zu LTU-Tarifkonditionen eingestellt wurde und damit bislang so gut verdient wie bei der Lufthansa. Auch Berufsjahre und Betriebsrenten stünden auf dem Spiel.

Der junge Copilot sagt: "Ich würde bei Eurowings die Hälfte weniger verdienen." Bisher komme er auf ein Monatseinkommen von 7.000 brutto - bei Eurowings wären es laut den angebotenen Verträgen 3.500 Euro. Bewerben müsste er sich bei Eurowings Europe mit Sitz in Wien. Dazu solle es eine Probezeit geben, und die Piloten sollen einen Piloteneignungstest machen.

"Von 1.300 Piloten bei Air Berlin haben sich zehn bei Eurowings beworben", erzählt der 34-Jährige. In Internet-Foren beschwören sich die Piloten gegenseitig, nicht die Nerven zu verlieren. VC-Sprecher Markus Wahl geht von höchstens 30 bis 50 aus, während Lufthansa-Chef Carsten Spohr bereits Bewerbungen von 300 AB-Piloten im Haus haben will.

Insgesamt hätten sich auf die 400 ausgeschriebenen Stellen bei der Eurowings Europe in Wien rund 1.000 Kandidaten beworben.

Eurowings mietet Flugzeuge an

Aktuell hat die Eurowings aber noch ziemlich große Personallücken. Weil sie zu wenige eigene Crews und auch noch nicht genug fertig übertragene A320-Jets besitzt, mietet sie eine zweistellige Zahl von Flugzeugen samt Besatzungen auf dem freien Markt an.

In München wird im November ein Airbus A319 von CSA im Wet Lease für Eurowings starten. Eine Boeing 737-800 von Air Europa hilft Eurowings in Stuttgart aus, Sun Express Deutschland füllt Lücken in Düsseldorf.

Außerdem setzt Eurowings 17 Bombardier Dash-8 Q400 der von AB zu übernehmenden LG Walter auf Eurowings-Strecken ein, obwohl sie nur halb so viele Plätze bieten wie ein Airbus A319. Damit wird ein Folge-Konkurs dieser einstigen AB-Tochter vermieden, die im übrigen auch händeringend neue Piloten sucht.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Andreas Spaeth | 27.10.2017 14:55

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Beitrag vom 28.10.2017 - 12:08 Uhr
Es sind bereits einige Deutsche dort und solche Softanfoderungen, wie der Bezug zur Schweiz, sind ja nicht umsonst so weich formuliert. Alles anpassbar.
Wir sind mittlerweile untereinander sehr gut airlineübergreifend vernetzt.
Immerhin etwas Gutes, das aus dem AB Drama hervorgegangen ist.
Beitrag vom 28.10.2017 - 11:54 Uhr
U2 benötigt mehr als die 300 Piloten, das Angebot kam schon vor der gestrigen/heutigen Einigung. Nur vermute ich, wird es mit der Einigung einfacher für AB Kollegen bei EZY unterzukommen. EZY braucht eben Ad hoc die etwa 300 Leute, damit die FLugzeuge überhaupt fliegen, die sie übernommen haben. Dazu kommen aber nochmal viele für andere Stationen für die bestehende Flotte. Zumindest was ich bisher unisono gehört habe ist EZY mit Abstand die erste Wahl.
Außerdem hat Edelweiss in CH Bedarf angemeldet, allerdings nicht direkt speziell für AB. Die Bedingungen jedoch sind sehr gut (z.B. FOs mit etwas Erfahrung >90k CHF p.a.). Dass gerade JETZT die Ausschreibung kommt, ist sicher kein reiner Zufall.

Bei Edelweiß wirst du aber nur genommen, wenn du einen besonderen Bezug zur Schweiz hast.

 https://www.flyedelweiss.com/DE/about-edelweiss/jobs/Pages/first-officer.aspx

Dazu noch Sprachkenntnisse in Französisch.
Beitrag vom 28.10.2017 - 11:37 Uhr
Entweder hat man die 25 Flieger bei einem noch verfügbaren eigenen AOC untergebracht, oder es ist der Rest des AirBerlin AOCs. Alles danach (Slots) wird verfallen. Wenn diese Einheit bisher kein eigenes designiertes Personal hatte muss das zugeteilt werden.

So oder so ist es ein Betriebsübergang. Wer dann da mitgeht würde über einen Sozialplan geregelt, der jetzt erst mal aufgelegt werden muss.

Bewerbung schließt sich damit aus, siehe LGW und Niki. Also nichts Entwürdigendes ;-)


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