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Lufthansa kappt 2019 Angebotsausbau

Lufthansa Airbus A350-900
Lufthansa Airbus A350-900, © Lufthansa

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FRANKFURT - Die Lufthansa tritt angesichts des Flugchaos vom Sommer und explodierender Treibstoffpreise auf die Wachstumsbremse. Im Sommer 2019 will sie ihr Flugangebot nur noch halb so stark ausweiten wie im laufenden Jahr. Kunden müssen sich auf steigende Ticketpreise einstellen.

Die Airlines müssten zumindest einen Teil des höheren Ölpreises über die Tickets wieder hereinholen, sagte Konzernchef Carsten Spohr am Dienstag in Frankfurt. Im laufenden Jahr konnte die Lufthansa die Mehrkosten bisher wettmachen und erwartet weiterhin den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte.

Am Finanzmarkt wurden die Neuigkeiten mit einem Kursrutsch quittiert. Obwohl der Konzern im Sommerquartal nur etwas weniger verdiente als von Analysten erwartet, verlor die Lufthansa-Aktie zeitweise bis zu 9,5 Prozent an Wert und war mit 17,045 Euro so billig zu haben wie seit Ende Mai 2017 nicht mehr.

Damals war Air Berlin noch nicht in die Pleite geflogen, und die Lufthansa hatte auf dem Heimatmarkt noch mehr Konkurrenz.

Am frühen Nachmittag lag die Lufthansa-Aktie noch mit 8,5 Prozent im Minus. Nachdem sie Anfang 2018 mit gut 31,26 Euro noch den höchsten Kurs ihrer Geschichte erreicht hatte, summiert sich der Abschlag im laufenden Jahr nun auf rund 44 Prozent. Damit ist die Lufthansa-Aktie der zweitschwächste Dax-Wert nach der Deutschen Bank.

2019 droht der stark gestiegene Kerosinpreis auch auf den Gewinn durchzuschlagen. Der Vorstand rechnet trotz Preissicherungsgeschäften mit einem Anstieg der Treibstoffkosten um 900 Millionen Euro auf rund 7 Milliarden Euro. Der weitere Ausbau des Flugangebots ist dabei noch nicht eingerechnet.

Spohr will daher die Stückkosten um weitere ein bis zwei Prozent senken und die Ticketpreise weiter nach oben schrauben. Der Ölpreis habe sich in jüngster Zeit von 30 auf rund 80 Dollar pro Fass mehr als verdoppelt, sagte er. Das könne nicht ohne Folgen bleiben.

Bei der Erhöhung der Ticketpreise geht es Spohr vor allem um das untere Ende der Preisspanne. "Wenn sie von Frankfurt nach Mallorca fliegen, zahlen sie für die zwei Stunden im Flugzeug weniger, als dafür, ihr Auto die gleichen zwei Stunden im Parkhaus hier am Flughafen zu haben. Das hat aus meiner Sicht keine Zukunft."

Über die Höhe der Preissteigerungen entscheide aber letztlich der Markt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres standen im Lufthansa-Konzern die Erlöse im Europaverkehr wegen starker Konkurrenz unter Druck. In anderen Regionen - vor allem auf den Strecken nach Asien - lief es besser.

Angesichts des sommerlichen Flugchaos und der stark gestiegenen Treibstoffpreise hat die Lufthansa ihre Wachstumspläne eingedampft. Im Sommer 2019 will der Konzern sein Flugangebot nur noch um 3,8 Prozent ausweiten und damit halb so stark wie im laufenden Jahr. Ziel sei ein stabilerer Flugbetrieb, sagte Spohr.

Dafür setze der Konzern zusätzliche Leute und Flugzeuge ein. Nach seiner Einschätzung dürften auch andere Gesellschaften ihr Angebot weniger stark ausweiten als zunächst geplant. Als Gründe nannte er fehlende Kapazitäten in der Infrastruktur und bei der Flugsicherung.

Im laufenden Jahr schlug sich die Lufthansa trotz der holprigen Integration eines Großteils der Air-Berlin-Flotte bei der Billigtochter Eurowings bisher wacker. Der Vorstand rechnet weiterhin damit, dass der Konzern den Rekordwert von fast 3 Milliarden Euro beim operativem Gewinn (bereinigtes Ebit) aus dem Vorjahr nur leicht verfehlt.

Kein Investment in Alitalia

Bei Eurowings liefen wegen der Air-Berlin-Integration in den ersten neun Monaten Einmalkosten von 170 Millionen Euro auf. Dazu kamen rund 250 Millionen Euro für Passagierentschädigungen und andere Folgekosten der zahlreichen Flugausfälle.

"Ohne den Ergebnisrückgang bei Eurowings wäre uns sogar ein neuer Rekord gelungen", sagt Spohr über die Monate Januar bis September. Strategisch sei der Ausbau aber sinnvoll. 2019 soll die Tochter in die Gewinnzone zurückkehren.

Carsten Spohr
Carsten Spohr, © Lufthansa

Der Lufthansa-Chef rechnet mit weiteren Airline-Pleiten in Folge der Ölpreis-Entwicklung. "Die Starken werden stärker und die Schwachen werden schwächer", sagte Spohr. Lufthansa wolle bei Fusionen und Übernahmen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Spohr mit der Alitalia-Führung über mögliche kommerzielle Partnerschaften sprechen.

Allerdings werde sie nicht gemeinsam mit dem italienischen Staat bei Alitalia investieren. Bislang ist Alitalia Mitglied der Airline-Allianz SkyTeam, die mit Lufthansas Star Alliance konkurriert.

Insgesamt lief der Sommer für die Lufthansa mäßig. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aufgrund veränderter Rechnungslegung nur um 1,5 Prozent auf 9,96 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging um 11 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zurück. Der Überschuss sank um 10 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro.

Analyst Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research zeigte sich trotz enttäuschender Quartalszahlen von der bestätigten Gewinnprognose des Vorstands beruhigt. Längerfristig seien die Aussichten weiterhin positiv. Sein Kollege Sven Diermeier von Independent Research zeigte sich pessimistischer. Die unerwartet hohen Treibstoffkosten und der intensive Wettbewerb sprächen dafür, dass die Lufthansa 2019 einen Gewinnrückgang erleiden werde.

Derzeit prüft die Lufthansa, was sie mit ihrer Catering-Tochter LSG Sky Chefs anstellt. Dabei gehe es darum, ob der Konzern das Geschäft mit der Bordverpflegung weiterhin komplett unter dem eigenen Dach hält, sagte Spohr. In dem Geschäft sei "einiges in Bewegung". So könnte die Lufthan
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 30.10.2018 07:37


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