Tewolde Gebremariam
Älter als 7 Tage   EXKLUSIV 

"Wir haben noch nicht entschieden, ob wir die MAX verkaufen"

SEOUL - Ethiopian Airlines-CEO Tewolde Gebremariam spricht im Exklusiv-Interview mit aero.de über die Geschäfte seiner Fluglinie nach dem Absturz von ET302 im März, die zukünftigen Pläne von Ethiopian - und die Frage, ob eine Namensänderung der 737 MAX beim Neuanfang helfen könnte.

aero: Herr Gebremariam, wie läuft Ihr Geschäft seit dem MAX-Absturz?

Tewolde Gebremariam:
Das war ein tragischer Unfall und unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen. Aber in Sachen Geschäftsentwicklung haben wir keinen Einbruch erlebt. Sogar im März selbst ist unser Passagierverkehr um sieben Prozent gestiegen. Im April hatten wir ein Plus von zehn Prozent, im Mai ist Nebensaison für uns und jetzt im Juni steigt es wieder an.

aero.de: Inwieweit ist Ihre Marke durch den Unfall betroffen?

Ethiopian-Chef Tewolde Gebremariam
Ethiopian-Chef Tewolde Gebremariam, © Andreas Spaeth

Gebremariam: Unsere Marke ist sehr stark. Die Leute haben volles Vertrauen in die Airline und ihren Sicherheitsstandard. Der Vertrauensbeweis den wir erleben ist unglaublich. Wir sind sehr glücklich und unseren Kunden und dem Reisepublikum dankbar für diesen starken Zuspruch.

aero.de: Gab es nach dem Unfall Versuche von außen, Ihrem Ruf zu schaden? Und wer hat eigentlich die sehr effiziente Kommunikation übernommen?

Gebremariam:
Nicht sehr viele. Und die Kommunikation haben wir vollkommen allein gemacht, da waren keine Agenturen oder Berater von außen involviert. Ich habe 35 Jahre Erfahrung im Geschäft, also die Expertise ist vorhanden. Wir haben alles selbst gemacht.

aero.de: Wie wird es jetzt weitergehen?

Gebremariam: Wir werden weiter wachsen. Das Wachstum und die Gelegenheiten sind da. Der Plan ist intakt und unser Geschäftsmodell funktioniert weiterhin. Wir werden in einigen Monaten neue Wachstumsebenen verkünden mit unserem neuen Plan "Vision 2035".

Der wird ein stark vergrößertes Geschäftsfeld und weitere Geschäftseinheiten, darunter Luftfahrttechnik, umfassen. Außerdem sieht er einen neuen Flughafen für Addis Abeba vor.

Etwas unmittelbarer planen wir neue Destinationen wie Houston - diese Verbindung starten wir im Dezember, bereits ab Juli fliegen wir nach Marseille.

aero.de: Wird Ihre Expansion dadurch gebremst, dass sie Ihre vier verbliebenen MAX-Jets derzeit nicht nutzen können?

Gebremariam:
Eigentlich hätten wir jetzt bereits sieben MAX fliegen sollen. Aber wir überwinden diese Knappheit, indem wir zusätzliche Flugzeuge leasen - derzeit eine 787 und eine 737 NG. Und wir können jederzeit mehr leasen. Außerdem stehen reguläre Auslieferungen von A350 und 787-9 an. Wir kommen zurecht.

aero.de: Wie werden Sie vorgehen sobald die MAX ihre Wiederzulassung erhält?

Ethiopian Airlines Boeing 737 MAX 8
Ethiopian Airlines Boeing 737 MAX 8, © Boeing

Gebremariam: Wir werden sie nicht schnell wieder in Dienst stellen. Wir werden sehen, wie die Dinge sich entwickeln, aber es wird eine Herausforderung. Denn wir müssen unsere Piloten und das reisende Publikum überzeugen.

Das ist natürlich für uns noch viel schwieriger als für andere Airlines. Wir haben noch nicht entschieden, ob wir die MAX vielleicht verkaufen und uns nach anderen Flugzeugen umsehen. Aber wir würden sie in jedem Fall nur sehr behutsam wieder einführen.

aero.de: Wie wollen Sie denn die Öffentlichkeit überzeugen, wieder MAX zu fliegen?

Gebremariam: Das hängt von der Lösung ab, die jetzt gefunden wird. Wir haben volles Vertrauen, dass Boeing die richtigen Dinge tun wird, um sie sicher zu machen. Das hundertprozentige Versprechen von Sicherheit ist sehr wichtig und daran arbeiten wir zusammen mit Boeing.

Wir haben auch Vertrauen, dass die Regulierungsbehörden jetzt einen sehr genauen Zulassungsprozess durchführen. Von da aus werden wir dann unser weiteres Vorgehen ausrichten.

aero.de: Fühlen Sie sich als Opfer?

Gebremariam: Ja natürlich tun wir das, nach allem was passiert ist. Es gibt viele Dinge die hätten anders gemacht werden sollen.

aero.de: Warum haben Sie auch nach dem Unfall stets auf Boeings Seite gestanden?

Gebremariam: Boeing hat mehr als hundert Jahre Erfahrung in der Flugzeugherstellung. Ein einziger Fehler oder eine einzelne Herausforderung führt nicht dazu, dass sie das Vertrauen verlieren. Wir haben immer noch Vertrauen in Boeing.

aero.de: Waren Sie überrascht über die große Anzahl von Fehlern, die auf so vielen verschiedenen Ebenen gemacht wurden?

Gebremariam:
Ja, das war ich. Aber weil eine Firma aus vielen tausend Leuten besteht können einzelne Leute eben Fehler machen. Es ist vielleicht überraschend, aber gleichzeitig ist die 737 eines der weltweit erfolgreichsten Flugzeuge heute. Die werden das richtige tun, um jüngste Fehler zu korrigieren.

aero.de: Also würden Sie die MAX gern behalten?

Gebremariam: Ja, wenn die Lösung zufriedenstellend ist. Das ist unsere Vorbedingung. Wenn die Lösung adäquat ist und das Flugzeug sicher wird es einfacher sein, die Öffentlichkeit zu überzeugen.

aero.de: Wäre ein Rebranding für die MAX eine Option, wie Donald Trump sie Boeing empfohlen hat?

Gebremariam: Nein nicht wirklich. MAX sollte MAX bleiben. Es gab einen Fehler, einen sehr kostspieligen Fehler, 346 Menschen haben ihr Leben verloren. Aber jetzt denke ich, dass wir alle in der Luftfahrt uns darauf fokussieren müssen, dass das Flugzeug sicher sein wird. Und sicherstellen, dass dies in Zukunft niemandem wieder passiert und wir damit kein ein einziges Leben riskieren.

Herr Gebremariam, wir danken Ihnen für das Gespräch.
© Andreas Spaeth | Abb.: Ethiopian Airlines, Andreas Spaeth, aero.de (Montage) | 06.06.2019 08:18

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Beitrag vom 06.06.2019 - 20:14 Uhr
Man möchte meinen dem hällt jemand eine Knarre an den Kopf so zurückhaltend wie er sich äußert.

Ich gehe mal davon aus das wenn ein ein etwas berechenbarer und konservativerer US Präsident das Steuer übernimmt das Kartenhaus Boeing zusammenfallen wird.


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