Ticketsteuer
Älter als 7 Tage

Die vertrackte Klima-Preisschraube beim Fliegen

BERLIN - Eigentlich klingt es nicht weiter kompliziert: Um klimaschädliches Vielfliegen einzudämmen, sollen zumindest manche Tickets teurer werden. So zeichnet es sich für die entscheidende Sitzung des schwarz-roten Klimakabinetts bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag ab.

Ansetzen wollen die Koalitionäre dafür bei der Luftverkehrsteuer, die seit 2011 für Starts von deutschen Flughäfen gilt. Doch für den Staat ist es gar nicht so leicht, die Preisschraube mit Breitenwirkung für die Passagiere nach oben zu bekommen. Denn die Tarife schwanken schon jetzt beträchtlich.

Viele kennen es beim Buchen im Internet: soll es in einer Woche von Berlin nach Paris gehen, kostet ein Flug früh um 6.30 Uhr mehr als 200 Euro - anderthalb Stunden später dann knapp 90 Euro. Und in zwei Monaten wären es nur 79,99 Euro.

Denn über ihre Computer steuern die Airlines komplexe Preissysteme mit diversen Variablen nach Tag, Zeit und Auslastung. Das zielt darauf, möglichst hohe Einnahmen zu sichern und dafür auch unterschiedliche Zahlungsbereitschaften auszuschöpfen.

Airlines am Flughafen Nürnberg
Airlines am Flughafen Nürnberg, © NUE

"Privatleute legen sich eher langfristig fest und können Flüge in mehreren Monaten relativ günstig bekommen", erläutert Frank Fichert, Verkehrsökonom an der Hochschule Worms. "Geschäftsreisende buchen dagegen auch mit ein oder zwei Tagen Vorlauf zu höheren Preisen."

Steuern und Gebühren sind da ein Faktor unter vielen. Und die große Frage lautet: Wie hoch müsste ein höherer Staatsaufschlag fürs Klima sein, damit er in dieser Gesamtkalkulation die Schmerzgrenze knackt und Reisende auf Flüge verzichten?

Ausgangsbasis ist die Ticketsteuer mit drei Stufen je nach Entfernung: Im Inland und in EU-Staaten sind es derzeit 7,38 Euro, bei längeren Flügen mit bis zu 6.000 Kilometern zum Ziel 23,05 Euro und bei noch weiteren Fernstrecken 41,49 Euro. Jährliche Einnahmen für die Bundeskasse: eine gute Milliarde Euro.

"Blanke Symolpolitik"

"Eine höhere Steuer hätte auf jeden Fall einen Effek"", sagt Experte Fichert. Es komme aber darauf an, wie hoch der Aufschlag wäre. "Bei einer kleinen Erhöhung beispielsweise von 7 auf 10 Euro dürfte nicht allzu viel passieren - wenn ein Hin- und Rückflug dann 116 Euro statt 110 Euro kostet. Eine Verdoppelung der Steuer hätte da ein anderes Potenzial."

Und die stärkste Wirkung gebe es auf dem Inlandsmarkt. "Da fällt die Steuer doppelt an, bei Hin- und Rückflug. Und man hat die besten Möglichkeiten, einen Flug zu ersetzen und Zug zu fahren."

Tatsächlich wollen Union und SPD vor allem kürzere Flüge angehen. Wie genau, ist aber noch offen. Die CDU hat sich schon positioniert, die erste Steuer-Stufe von 7,38 Euro zu verdoppeln. Allerdings nur für Inlandsflüge und damit etwa nicht für Urlaubstrips nach Frankreich oder Italien.

Für die FDP hätte eine Steigerung auf 14,76 Euro aber keinen Lenkungseffekt. So eine Anhebung wäre "blanke Symbolpolitik" und diente nur zum Füllen des Haushalts, sagte FDP-Tourismuspolitiker Marcel Klinge der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag).

Die Luftfahrtbranche ist dennoch in erhöhtem Alarmmodus und warnt davor, Wettbewerbsverzerrungen zulasten deutscher Airlines weiter zu verschärfen - die treffe die Steuer in ihrem Heimatmarkt viel stärker als internationale Konkurrenten. Dazu kommt, dass der Aufschlag nicht automatisch komplett auf dem Ticket landet.

Denn zahlen müssen die Steuer die Airlines. Sie können dann versuchen, sich das Geld über höhere Preise von den Passagieren zurückzuholen. Doch das gelingt im Wettbewerb oft nicht, wie es beim Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) heißt. Einen "nennenswerten Teil" müssten die Anbieter tragen, was ihnen Mittel für Investitionen in Nachhaltigkeit und Service entziehe

Auf vielen Strecken gibt es einen harten Konkurrenzkampf. Möglich wäre aber auch, dass Airlines Routen aufgeben, die für sie unattraktiv werden.

Ins Klimaschutz-Visier genommen hat die Koalition auch umstrittene Schnäppchenangebote für 9,90 Euro oder 14,99 Euro. Dafür sollen "Anti-Dumping"-Regeln her. Dabei sind solche Lockangebote eher selten - auch wenn sie bei vielen das Image prägen, dass Fliegen günstiger sei als Bahnfahren.

Die durchschnittlichen Bruttopreise der Billigflieger lagen zuletzt zwischen 50 und 106 Euro pro einfachem Flug, wie der regelmäßige Bericht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ergab. "Für jeden Passagier, der ein Aktionsticket erstehen konnte, sitzen im selben Flugzeug zahlreiche Passagiere, die ein Vielfaches bezahlt haben", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Diskutiert wird auch über andere Instrumente. Da ist die Einführung einer Kerosinsteuer, die etwa der Verbraucherzentrale Bundesverband für besser hält. "Damit hätte man eine wichtige klimapolitische Lenkungsmöglichkeit in der Hand", sagt Verkehrsexperte Felix Methmann.

So könnte der Staat herkömmliches Kerosin wegen des höheren Ausstoßes an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) höher besteuern als "grünes" Kerosin aus regenerativen Quellen. Parallel dazu müssten die Steuern für Bahntickets herunter. Das plant die Koalition auch schon.

Kaum vorherzusagen ist außerdem, welchen Effekt etwas teurere Tickets insgesamt haben. "Die Luftverkehrsteuer hat die Nachfrage nach der Einführung leicht gedrückt, in einer Größenordnung von wohl etwa zwei Prozent", sagt Verkehrsökonom Fichert. Es sei aber schwierig, die Wirkung einer Steuer isoliert herauszurechnen.

Denn der Luftverkehr reagiere sehr sensibel auf die Wirtschaftslage, auch internationale Krisen könnten sich auf die Nachfrage auswirken - vielleicht sogar stärker als Änderungen bei einer Steuer.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Bundespresseamt | 18.09.2019 07:53

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Beitrag vom 18.09.2019 - 16:54 Uhr
Als erstes sollte doch mal eine zuverlässige Alternative her. Dann kann man über "Strafzahlungen" nachdenken.
Beitrag vom 18.09.2019 - 16:26 Uhr

Man könnte den Wettbewerb zwischen Flugzeug, Auto und Bahn wieder herstellen, in dem man die Steuern, inkl. der Mehrwertsteuer, für die Bahn und den Sprit bei Auto&Bus kräftig senkt!
Wenn man das nicht tun möchte, dann müssen Steuern und Gebühren beim Fliegen rauf und zwar kräftig. Wenn man das auch nicht möchte, dann sollte die Politik den Bürgern erklären warum das Flugzeug weiter subventioniert wird, .....

Nur mal zum Nachdenken, wir haben in Deutschland außerhalb der Ortschaften 231.000 km Straßen, davon sind 13.000 km Autobahnen. Wie lang sind alle Landebahnen in Deutschland und wer bezahlt die Straßen und wer die Landebahnen? Wie groß ist der Flächenverbrauch und damit der Eingriff in die Natur?

Eines ist ganz klar, je schneller wir reisen um so höher ist der CO2 Ausstoß. Aber wie weiter oben geschriebewnn ist im Geschäftsleben Zeit = Geld und für Urlaubsreisen > 1.000 km hat auch das Flugzeug seinen Reiz der Geschwindigkeit.
Beitrag vom 18.09.2019 - 14:20 Uhr
Wie man sich dreht und wendet, Reisen verursacht Emissionen. Die Hauptfrage ist doch was wirklich an CO2 eingespart wird [und ob es] für das Klima einen Unterschied macht?

Nein, DAS ist sogar das Einzige was sich wirklich hervorragend berechnen läßt.
Ja, natürlich würde es einen Unterschied machen.

ob sich der ganze Aufwand lohnt

Gegenüber welchen Alternativen?

Wenn man statt mit dem Flugzeug mit der Bahn oder dem Auto verreist kostet das alles Energie.

Aber wenigier.
Und ohne zu billige Verfügbarkeit von Flügen werden einige Reisen erst gar nicht unternommen.

Die Illusion man könnte alles mit dem Fahrrad, dem ÖPNV oder der Bahn erledigen greift zu kurz.

Die hat denke ich auch niemand wirklich.

Dann kommt noch die große Frage was mit den Einnahmen aus einer CO2 Steuer gemacht wird. Um wieviel vermag ein eingenommener CO2-Soli das Klima zu entlasten?


Wenn die CO2 Abgaben ausreichend hoch sind (und genutzt werden) um das neu entstehende CO2 tatsächlich zu binden - 100%.
Wobei "Klimaentlastung" dadurch nur bis zu dem Punkt greift, zu dem wir das Klima bis zum Beginn der Maßnahme schon verändert haben.

Ist die Differenz im CO2 Ausstoß zwischen einer kombinierten Reise mit dem Flugzeug vs Bahn vs Kfz wirklich so groß in Sachen CO2-Einsparung?

Man kann einfach mal alles in Frage stellen - oder sich mal schlau machen und die Frage mit einem klaren Ja beantworten :)

Zum Schluß bleiben noch ein paar Fragen. Sollten wir hart arbeitenden Menschen ihre jährliche Urlaubsreise so stark verteuern um sie unmöglich zu machen und das Fliegen wieder zu einer Sache der Eliten machen?
Ist es wirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll Branchen platt zu machen aus denen wir als Land unseren wirtschaftlichen Wohlstand beziehen?

Abgesehen davon, dass wir in vielen Fällen heute von 2 oder 3 Flugreisen pro Jahr sogar bei Studenten reden : Was wäre die Alternative?
Auch fortgesetzer Klimawandel und seine Folgeerscheinungen trifft eher Alte und arme Personen.

Wie sicher ist es ob all die hektischen Maßnahmen überhaupt irgend etwas am Klima verändern?

Wir ändern das Klima berits aktiv.
Die Frage ist daher eher ob wir es in der bisherigen Geschwindigkeit weiter verändern oder besser damit aufhören sollten.


Wir sollten es uns gut überlegen, was wir dabei sind für uns zu zerstören,

Dazu volle Zustimmung :)

Die Argumente der Befürworter des menschgemachten Klimawandels stehen auf sehr dünnem Eis

Wissenschaftlich gesehen nicht wirklich.

und werden von ebenfalls von vielen Menschen nicht geteilt

Es gibt viele Menschen, die das nicht wahrhaben wollen und daher den sog. Klimaleugnern hinterherlaufen, die ihnen versprechen es könnte alles so weiterlaufen wie bisher.
Da ist eher der Wunsch Vater des Gedankens.

deren wirtschaftliche Basis aber gravierend durch geplante Klimagesetze beschnitten würde. Welchen Tod wollen wir sterben erfrieren oder durch die ach so schlimme Hitze, die das ganze Jahr bei uns herrscht? Okay, etwas zynisch, aber ich fühle mich eher zur Wärme hingezogen als zu Kälte, die wir ja wohl dann bekämen, wenn wir den Klimawandel erfolgreich und nachhaltig bekämpften.

Da machen Sie sich mal keine Sorgen ...
Selbst wenn wir ALLE Maßnahmen, die aktuell diskutiert werden, schnell umsetzen würden, wird es global 2-3 Grad wärmer werden ( best case )
Die von Ihnen bevorzugte Variante ( keine Änderungen) dürfte eher zu 8 oder mehr Grad Erwärmung noch in diesem Jahrhundert führen und damit zu massiven Flüchtlingsströmen und Verelendung rund um den Erdball.
Ganz zu schweigen von massiven wirtschaftlichen Verlusten und Verlusten an Besitz und Wohlstand, die Ihnen so wichtig sind.
Kälter wird es die nächsten 1000 Jahre definitiv nicht mehr.
Die Klimaerwärmung hat 200 Jahre gebraucht um halbwegs in Schwung zu kommen.
Aktuell nimmt die Geschwindigkeit noch zu.


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