Thomas Cook am Ende
Älter als 7 Tage

Veranstalter schließen Beteiligung an Condor nicht aus

Condor
Condor Airbus A320, © Condor

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FRANKFURT - Der Übernahmepoker um Condor ist in vollem Gange. Mehrere deutsche Reiseveranstalter schließen für den Fall der Fälle einen Einstieg beim Ferienflieger nicht aus. Über ein Schutzschirmverfahren reißt sich Condor von der insolventen Muttergesellschaft Thomas Cook los.

Alltours habe aktuell keine Pläne für eine Beteiligung, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch auf Anfrage. "Falls es aber erforderlich würde, würden wir das grundsätzlich nicht ausschließen." Condor sei ein wichtiger Flugpartner.

Auch im Sinne eines gesunden Wettbewerbs sei der Erhalt der Airline, die zu dem insolventen britischen Reisekonzern Thomas Cook gehört, erforderlich.

Schauinsland Reisen erklärte, eine Beteiligung als Minderheitsgesellschafter sei eigentlich nicht vorgesehen. "Sollten die Gesamtumstände jedoch einen Einstieg als vorteilhaft darstellen, würden wir das überdenken."

Der Zentraleuropa-Chef von DER Touristik, Ingo Burmester, hatte jüngst der Deutschen Presse-Agentur gesagt: "Eine gesamthafte Übernahme von Condor kann ich mir nicht vorstellen. Eine anteilige Beteiligung würde ich aber nicht grundsätzlich ausschließen." Die Priorität aus Sicht von DER Touristik liege aber in einer "eigenständigen, dauerhaft erfolgreichen Airline".

Condor ist ein wichtiger Partner verschiedener Reiseveranstalter. Die Airline fliegt derzeit planmäßig. Das Unternehmen ist auf der Suche nach einem neuen Eigentümer und befindet sich in einem Schutzschirmverfahren. Damit soll verhindert werden, dass Geld an die britische Mutter abfließt. Bund und Hessen hatten eine Bürgschaft für einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zugesagt.

Die Münchner FTI Group erklärte auf Anfrage: "Aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook sowie der Zusage des Überbrückungskredits für die Airline Condor durch den Staat prüfen wir derzeit diverse Möglichkeiten für unser weiteres Vorgehen."

Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, hatte der dagegen jüngst gesagt: "Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet."
© dpa-AFX, aero.de | 02.10.2019 16:08

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Beitrag vom 02.10.2019 - 17:34 Uhr
Eigentlich sollten die Zieldestinationen ein gesteigertes Interesse im Sinne des incoming Tourismus haben, sich an einer Condor zu beteiligen. Der Zusammenbruch einer Thomas Cook mit den vielen angeschlossenen, teilweise auch eigenen, Hotels und allen sonstigen Firmen entlang der Tourismus Nahrungskette werfen für manche Reisedestinationen große Fragezeichen auf, wie sie in den kommenden Jahren Reisende ausgerechnet auf ihre Destination vereinen sollten. Der zunehmende Trend zum Individualtourismus macht eine gute und planbare Auslastung der Hotels immer schwieriger. All-Inklusive Angebote der Veranstalter könnten deshalb immer seltener werden, ohne verlässliche Partner Airline.

Auch bei bisher profitabler Auslastung, die auch zu großen Teilen an den Veranstalterverträgen hängt und nur zum kleineren Teil am Seat-Only Geschäft ist es fraglich wie eine notwendige Flottenmodernisierung gestimmt werden kann, wenn gleichzeitig neue Konkurrenten im Langstreckengeschäft erwachsen (Eurowings oder Norwegian). Zwar kommt es auch zu neuen Chancen aufgrund anderer Marktaustritte, wie jüngst Aigle Azur, Adria, XL-Airways, welches ein breiteres Aufstellen in Europa erfordern würde, ist es andererseits mit der Marktbereinigung noch nicht am Ende.

Am mit TUI weltweit größten integrierten Tourismuskonzern auf der einen Seite und den Günstigairlines vorbeizukommen dürfte ein schwerer Spagat für eine Condor 2.0 werden, die sich letztendlich in zwei Geschäftsfeldern verorten muß um für Kunden attraktiv zu bleiben. Als reine Charterairline wird die Luft m. E. in Zukunft zusehends dünner. Gleichzeit muß Condor aufpassen nicht den Weg Air Berlins zu gehen.

Vielleicht ist es ja Zeit für ein neues Geschäftsmodell als Pan-Europäische Airline, als reiner Marken-Kapazitätsanbieter ganz im klassischen Chartersinne aber mit Beteiligungen aus den unterschiedlichen Ländern aber dem klaren Fokus auf Holidayairline. Sollte eine TUI an einer Auslagerung des Flugbetriebs denken könnte sie mit Condor den Nukleus einer solchen Airline bilden.

Ob es der Pauschaltourismus allerdings langfristig hergibt muß genau untersucht werden. Die Insolvenz von TC könnte hierbei auch als Zäsur gelten, wenn sich herausstellt dass die geglaubte Absicherung von Pauschalreisen doch nicht so sicher ist und damit einen Preisaufschlag für das Gesamtpaket nicht mehr rechtfertigt gegenüber einer selbst organisierten Reise.

In jedem Fall ist es der Airline und ihren Mitarbeitern zu wünschen weiterhin erfolgreich zu überleben.


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