DUBAI - Milliardenaufträge von Flydubai und Etihad Airways - und ein Flottencoup bei Air Europa: Airbus hat auf der Dubai Airshow 2025 einen Lauf. Einziger Schönheitsfehler: Emirates zeigt dem Airbus-Topmodell A350-1000 weiter die kalte Schulter - und deckt sich mit weiteren Boeing 777X ein.
Airbus ist am zweiten Messetag in Dubai mit großen Jet-Bestellungen durchgestartet. Hatte sein Rivale Boeing aus den USA auf der Dubai Air Show am Montag mit einem Großauftrag der Fluglinie Emirates gepunktet, legte der Weltmarktführer aus Europa am Dienstag nach.
Dabei gewann Airbus mit Flydubai und Air Europa zwei Fluggesellschaften für sich, die bisher reine Boeing-Flotten betreiben. Ein erhoffter Auftrag von Emirates für Airbus blieb jedoch aus.
Den zahlenmäßig größten Auftrag kündigte Flydubai an: Der arabische Billigflieger unterschrieb einen Vorvertrag über
150 Mittelstreckenjets vom Typ A321neo. Bisher hatte die Gesellschaft nur auf Maschinen von Boeing gesetzt.
Einen weiteren Vorvertrag unterzeichnete die spanische Fluggesellschaft Air Europa: Sie will ihre Boeing-Langstreckenflotte erneuern und zu diesem Zweck bis zu
40 Airbus-Großraumjets vom Typ A350-900 ordern.
Außerdem bestellte die arabische Fluggesellschaft Etihad insgesamt
13 Airbus-Großraum-Passagierjets der Typen A330neo und A350-1000 sowie drei Frachter vom Typ A350F. Die afrikanische Ethiopian Airlines entschied sich für weitere sechs A350-900. Und Gulf Air unterzeichnete einen festen Auftrag über 15 Boeing-Langstreckenjets vom Typ 787 "Dreamliner".
Ein schon länger erwarteter Großauftrag der arabischen Fluglinie Emirates für das größte Airbus-Modell A350-1000 scheint aber nicht in Sicht. Emirates-Chef Tim Clark sagte, er sei an dem Flugzeug nicht interessiert, weil die Antriebe seine Anforderungen nicht erfüllten.
Schon vor zwei Jahren hatte Clark die Trent XWB-97 Triebwerke der A350-1000 als zu wartungsintensiv unter den Bedingungen in Dubai - kritisiert und den Hersteller Rolls-Royce öffentlich abgekanzelt. Damals bestellte er wider Erwarten nur eine kleinere Zahl von Maschinen in der Standardversion A350-900.
Die A350-900 sei ein "großartiges Flugzeug", stellte Clark Airbus Folgeaufträge in Aussicht. Einen Auftrag für die A350-1000 habe Emirates bei allen Spekulationen aber nicht in Betracht gezogen.
Boeing hingegen konnte bei Emirates in Dubai erneut punkten. Die Fluggesellschaft aus Dubai orderte am Montag zusätzliche 65 Großraumjets vom Typ Boeing 777X, obwohl die modernisierte Neuauflage des Verkaufsschlagers 777X inzwischen sieben Jahre Verspätung hat. Inzwischen hat Emirates 270 Passagierjets der 777X-Reihe bestellt.
Super-777X für Emirates?Erst Ende Oktober hatte Boeing bekannt gegeben, dass sich die Auslieferung der 777X-Reihe bis ins Jahr 2027 verzögert. Erstkundin ist die Deutsche Lufthansa. Emirates erwartet ihre erste 777-9 nun im zweiten Quartal 2027.
Die 777-9 ist der größte Jet im Boeing-Katalog, nachdem der Hersteller die Produktion des Jumbo-Jets 747 mangels Nachfrage eingestellt hat - ähnlich wie Airbus den Bau der doppelstöckigen A380. Boeing kündigte in Dubai an, eine 777X im XL-Format zu prüfen - Emirates ist an einer 777-10 hochinteressiert.
© aero.de, dpa | Abb.: Airbus | 18.11.2025 17:16
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Beitrag vom 19.11.2025 - 10:40 Uhr
Die A350-1000 verkauft sich schon nicht so gut [...]
Der A350-1000 hat zwar nur 1/3 der Bestellungen im Vergleich zum A350-900 aber er ist auch die Basis für den A350F. Der A321 hat sich früher auch "nicht so gut" verkauft. Boeing verkauft zwar mehr 787 aber liegt nach über 1.000 verkauften Maschinen immer noch im Minus mit diesem Projekt. Der A350-1000 ist schlicht teurer und hat mehr Kapazität. Das braucht nicht jeder.
[...] und ohne neue Triebwerke dürften die Leistungsdaten einer A350-2000 schlechter sein.
Welche "Leistungsdaten" meinen Sie? Der A350-1000 hat mehr Reichweite als die kleinere Variante, weil er ein deutlich leistungsfähigeres Triebwerk hat. Hier kann der längere A350-80m einfach Reichweite gegen Passagiere tauschen. Neue Triebwerke dürften daher nicht nötig sein. Boeing hat für die 777-X nur ein Triebwerk für beide bisher geplanten Varianten. Ich denke nicht, dass GE für die 777-10 ein neues Triebwerk entwickeln wird. Für die 777-X liegen bisher nur knapp 700 Bestellungen vor, während so viele A350 bereits fliegen und weitere 1.000 bestellt sind. Für die Variante mit Trent XWB-97 gibt es knapp 500 Bestellungen.
Daher habe ich auch hier Zweifel, ob sich dieses Projekt rechnet, zumal hier im Gegensatz zu einer A380neo auch noch ein direktes Konkurrenzprodukt mit der B777X (wahrscheinlich) verfügbar sein wird. Wenn der A350-80m für Airlines ein effizienteres Produkt als die 777-9 ist, dann wird der gekauft. Siehe auch A350F vs. 777-8F.
Beitrag vom 19.11.2025 - 08:48 Uhr
Das ist die "Strafe" weil Airbus keine A380 NEO bauen mag
Wenn man sieht, welche Probleme Boeing bei der Zulassung der 777X hat, müsste man das bei einer A380 neo potenzieren: neue Triebwerke, neuer Flügel und den Flieger weiter abspecken... Und den ganzen Aufwand für im besten Fall 150 Flieger für Emirates.
Airbus kann dabei nur Prestige gewinnen, den schon die 380classic konnte den breakeven nicht erreichen, riskiert dabei aber seine finanzielle Stärke und seinen Vorsprung ggü. Boeing.
Beitrag vom 18.11.2025 - 21:45 Uhr
Das ist die "Strafe" weil Airbus keine A380 NEO bauen mag
Was aus Sicht von Airbus wohl eine vernünftige Entscheidung ist. Eine A380neo nur für einen einzigen Kunden zu bauen, dürfte eine wirtschaftlich nicht tragfähige Sache sein. Und außer Emirates verlangt - zumindest öffentlich - keine andere Airline einen A380neo. Vielleicht könnte BA noch einige wenige Exemplare bestellen, um die Zeit bis zum Ausbau von LHR zu überbrücken, aber sonst sehe ich keinen Bedarf. So schade das aus Passagiersicht auch ist. Ich bin und werde immer gerne mit dem A380 fliegen.
Und auch ob sich ein A350-2000 rechnet, wird Airbus genau untersuchen. Klar die Entwicklungskosten werden sicher geringer als für eine A380neo sein (man ist ja nicht Boeing ), aber auch hier dürfte die Nachfrage überschaubar sein. Die A350-1000 verkauft sich schon nicht so gut und ohne neue Triebwerke dürften die Leistungsdaten einer A350-2000 schlechter sein. Daher habe ich auch hier Zweifel, ob sich dieses Projekt rechnet, zumal hier im Gegensatz zu einer A380neo auch noch ein direktes Konkurrenzprodukt mit der B777X (wahrscheinlich) verfügbar sein wird.
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Der A350-1000 hat zwar nur 1/3 der Bestellungen im Vergleich zum A350-900 aber er ist auch die Basis für den A350F. Der A321 hat sich früher auch "nicht so gut" verkauft. Boeing verkauft zwar mehr 787 aber liegt nach über 1.000 verkauften Maschinen immer noch im Minus mit diesem Projekt. Der A350-1000 ist schlicht teurer und hat mehr Kapazität. Das braucht nicht jeder.
[...] und ohne neue Triebwerke dürften die Leistungsdaten einer A350-2000 schlechter sein.
Welche "Leistungsdaten" meinen Sie? Der A350-1000 hat mehr Reichweite als die kleinere Variante, weil er ein deutlich leistungsfähigeres Triebwerk hat. Hier kann der längere A350-80m einfach Reichweite gegen Passagiere tauschen. Neue Triebwerke dürften daher nicht nötig sein. Boeing hat für die 777-X nur ein Triebwerk für beide bisher geplanten Varianten. Ich denke nicht, dass GE für die 777-10 ein neues Triebwerk entwickeln wird. Für die 777-X liegen bisher nur knapp 700 Bestellungen vor, während so viele A350 bereits fliegen und weitere 1.000 bestellt sind. Für die Variante mit Trent XWB-97 gibt es knapp 500 Bestellungen.
Daher habe ich auch hier Zweifel, ob sich dieses Projekt rechnet, zumal hier im Gegensatz zu einer A380neo auch noch ein direktes Konkurrenzprodukt mit der B777X (wahrscheinlich) verfügbar sein wird. Wenn der A350-80m für Airlines ein effizienteres Produkt als die 777-9 ist, dann wird der gekauft. Siehe auch A350F vs. 777-8F.
Wenn man sieht, welche Probleme Boeing bei der Zulassung der 777X hat, müsste man das bei einer A380 neo potenzieren: neue Triebwerke, neuer Flügel und den Flieger weiter abspecken... Und den ganzen Aufwand für im besten Fall 150 Flieger für Emirates.
Airbus kann dabei nur Prestige gewinnen, den schon die 380classic konnte den breakeven nicht erreichen, riskiert dabei aber seine finanzielle Stärke und seinen Vorsprung ggü. Boeing.
Was aus Sicht von Airbus wohl eine vernünftige Entscheidung ist. Eine A380neo nur für einen einzigen Kunden zu bauen, dürfte eine wirtschaftlich nicht tragfähige Sache sein. Und außer Emirates verlangt - zumindest öffentlich - keine andere Airline einen A380neo. Vielleicht könnte BA noch einige wenige Exemplare bestellen, um die Zeit bis zum Ausbau von LHR zu überbrücken, aber sonst sehe ich keinen Bedarf. So schade das aus Passagiersicht auch ist. Ich bin und werde immer gerne mit dem A380 fliegen.
Und auch ob sich ein A350-2000 rechnet, wird Airbus genau untersuchen. Klar die Entwicklungskosten werden sicher geringer als für eine A380neo sein (man ist ja nicht Boeing ), aber auch hier dürfte die Nachfrage überschaubar sein. Die A350-1000 verkauft sich schon nicht so gut und ohne neue Triebwerke dürften die Leistungsdaten einer A350-2000 schlechter sein. Daher habe ich auch hier Zweifel, ob sich dieses Projekt rechnet, zumal hier im Gegensatz zu einer A380neo auch noch ein direktes Konkurrenzprodukt mit der B777X (wahrscheinlich) verfügbar sein wird.