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"Nachhaltig" ist das neue "Billig" im Airline-Marketing

Easyjet Airbus A320
Easyjet Airbus A320, © Airbus

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LUTON - Zwischen Flugscham und der Lust zu fliegen liegt ein neuer Markt: Nachhaltigkeit. Die Kommunikationsabteilungen der Airlines haben sie spätestens mit der "Fridays for Future"-Bewegung für sich entdeckt. "Co2-neutral" und "verantwortungsbewusst" haben "billig" als Schlagworte abgelöst.

"Die Leute haben die Wahl, wie sie reisen und sie denken heute darüber nach, wieviel Co2 ein Transportmittel ausstößt", sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren kürzlich. "Aber viele wollen nach wie vor fliegen - und wenn sie dies tun wollen, werden wir zur besten Wahl gehören, die sie treffen können."

Damit bringt Lundgren auf den Punkt, was auch Unternehmen anderer Branchen umtreibt: der Kampf um Kunden, denen ein billiger Preis nicht mehr ausreicht, um eine positive Kaufentscheidung zu treffen. 

Das Gewissen ist vielen Konsumenten im Zuge der öffentlichen Klima-Debatte zum ständigen Begleiter geworden - und hat in kurzer Zeit sichtbar Bewegung in die Branche gebracht.

Airlines suchen händeringend nach Alternativen zu Plastikverpackungen an Bord und lassen die Öffentlichkeit demonstrativ an ihrer Suche teilhaben. Die portugiesische Hifly hat mit den ersten plastikfreien Flügen im Januar 2019 den Anfang gemacht. 

Auf vier Flügen hat sie dabei eigenen Angaben zufolge 350 Kilogramm Plastik eingespart. Bei zwölf weiteren Flügen hat sie weitestgehend auf Einwegplastik verzichtet und 1.150 Kilogramm Plastik eingespart. Im Juni hat Hifly eine Bildkampagne gegen Plastik gestartet. Hashtag: "FlyingtheChange".

KLM nennt es "Fly Responsibly". Die Airline hat diesen Slogan zu den Feierlichkeiten ihres 100. Geburtstag im Juni kommuniziert.

Bei der Co2-Kompensation war KLM eine Vorreiterin: sie bietet ihren Kunden bereits seit knapp zehn Jahren an, beim Buchungsprozess gegen Aufpreis eine Kompensation zu leisten. 500 Hektar tropischen Regenwald hat sie damit eigenen Angaben zufolge seit 2017 aufgeforstet.

So überraschend wie logisch mutet der Schritt an, mit dem KLM im November Schlagzeilen machte: die Airline ersetzt Kurzstreckenflüge auf manchen Verbindungen mit dem Zug.

"Wir wollen, dass die Leute über ihr Flugverhalten nachdenken und wenn sie fliegen eine Fluggesellschaft wählen, die ihren Fokus auf Nachhaltigkeit legt", sagte Pieter Elbers im Oktober gegenüber aero.de.

Lufthansa bietet ihren Kunden schließlich an, für ihren Flug selbst Bio-Kerosin einzukaufen. Durch die Bank betonen Airlines die Effizienz ihrer modernen Flotten, die in der Tat wesentlich umweltfreundlicher sind als noch vor Jahren. Einige bemühen sich um Partnerschaften bei der Herstellung alternativen Treibstoffs.

Den Clou landete im November jedoch Easyjet mit ihrer Ankündigung, ab sofort die Co2-Emissionen all ihrer Flüge aus eigener Tasche zu kompensieren. 25 Millionen Pfund will sie sich das pro Jahr kosten lassen. 

Schöne, neue, nachhaltige Luftfahrt?

Da hinkt die International Airlines Group mit ihrer Ankündigung, bis 2050 Co2-emissionsfrei fliegen zu wollen, buchstäblich hinterher. Ungewollt trübte IAG-Chef Willie Walsh zudem die Vision einer durchweg um Nachhaltigkeit bemühten Branche ein.

Nämlich dann, als er auf Nachfrage eines BBC-Reporters einräumte, dass die Airlines seiner Gruppe nach wie vor "Fuel Tankering" betrieben - also mehr Kerosin tankten, als sie bräuchten, um am Zielort nicht möglicherweise teurer tanken zu müssen als am Startort. 

Durch das zusätzliche Gewicht verbraucht das Flugzeug jedoch auch mehr Kerosin und stößt mehr Co2 aus. Die Kosteneinsparungen liegen dabei laut BBC teilweise bei um die 50 britische Pfund pro Flug.

Auf diese Sparmaßnahme zu verzichten wäre ein naheliegender Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit - allerdings ohne Potenzial für positive Publicity, eher im Gegenteil. Dennoch weist Willie Walsh daraufhin, dass "Fuel Tankering" auch bei Konkurrentinnen gängige Praxis sei.

Die Lufthansa bediente sich dieser Maßnahme bis vor einigen Jahren ebenfalls, wie ein Sprecher auf aero.de-Anfrage mitteilt. Auch die Lufthansa hat sich das Bemühen um mehr Nachhaltigkeit groß auf die Fahnen geschrieben. 

Ihre Unterstützung für das Projekt Caphenia, das Kerosin aus Co2 gewinnt und dadurch Bio-Treibstoff produzieren könnte, der laut Geschäftsführer Mark Misselhorn günstiger wäre als der herkömmliche, hat sie jedoch 2018 eingestellt.

Die Ultralangstrecke - ein gegenläufiger Trend

Der öffentliche Druck scheint ein wirkmächtiger Antrieb für die Branche zu sein, sich hin zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen und nimmt dem Argument "billig" ein wenig die Schlagkraft. Bis in alle Winkel des Betriebs - die weniger sichtbaren - ist dies aber offenbar noch lange nicht vorgedrungen.

Und es gibt auch gegenläufige Trends, wie auch eine neue Studie des Umweltbundesamtes thematisiert: Ultralangstrecken- und Überschallflüge, deren Emissionsbilanz die herkömmlicher Linienflüge bei weitem übersteigt.
© aero.de (boa) | Abb.: Easyjet, Airbus | 27.11.2019 12:09


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