Verschollene Boeing
Älter als 7 Tage

Australiens Ex-Regierungschef spricht über MH370

ATSB untersucht MH370 zugeordnete Wrackteile
ATSB untersucht MH370 zugeordnete Wrackteile, © JACC

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SYDNEY - Es ist eines der größten Rätsel der modernen Luftfahrt: Vor bald sechs Jahren (8. März 2014) verschwand die MH370 auf dem Weg von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur nach Peking, an Bord waren 239 Menschen. Was damals passierte, ist noch immer ungewiss. Australien hatte früh einen Verdacht.

Der damalige australische Premierminister Tony Abbott bringt eine Theorie wieder ins Spiel: Die malaysische Regierung ging nach seinen Worten sehr früh und fast sicher von einem Suizid des Piloten aus, der alle Menschen an Bord in den Tod riss.

Das sagte Abbott laut einer Dokumentation, die in dieser Woche im australischen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte.

Der damalige Regierungschef von Malaysia, Najib Razak, reagierte mit der Aussage, es gebe "keinen Beweis", dass der Kapitän der Malaysian Airlines für das Verschwinden verantwortlich sei. Weil die Blackbox und der Stimmrekorder nicht gefunden wurden, sei es unfair, dem Piloten die Schuld zu geben, erklärte Razak bei Facebook und in örtliche Medien.

Ein Politiker aus der aktuellen Regierung hatte zuvor eine Reaktion und eine internationale Untersuchung gefordert.

Bis auf einige Wrackteile, die an verschiedenen Küsten angespült wurden, gibt es keine Spur von dem Flugzeug. Vermutet wird, dass die Boeing auf dem Boden des Indischen Ozeans liegt. Die Suche nach dem Wrack wurde offiziell eingestellt - Australien war damals federführend. Ein Abschlussbericht aus Malaysia fand keine Lösung.

Neben einem Suizid gibt es auch diverse andere Theorien - darunter ein Absturz wegen Treibstoffmangels oder eine Entführung.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: ATSB | 22.02.2020 06:09

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Beitrag vom 24.02.2020 - 11:40 Uhr
Da CVR und FDR nie gefunden wurden und es nach derzeitigem Stand nahezu ausgeschlossen ist, dass sie jemals gefunden werden, muss alles, was zu diesem Thema gesagt worden ist und gesagt wird, Vermutung bleiben. Ein Unfall, auch durch Feuer, ist dabei die unwahrscheinlichste Variante aller Möglichkeiten, wenn man alle bekannten Ereignisse, die Flugmanöver und das Timing dieser Flugmanöver in Rechnung stellt. Es hätte bei einem Feuer für die Piloten keinen Grund gegeben, den Transponder abzuschalten, es hätte keinen Grund gegeben, null Kommunikation mit dem ATC aufrecht zu erhalten, keiner der Alternate Airports wurde tatsächlich angeflogen, bei einem Feuer wäre es extrem unwahrscheinlich, dass sich eine Maschine noch mehr als sieben Stunden (!) in der Luft halten kann. Alle Crashs und Accidents der letzten Jahrzehnte, die unstrittig ein Feuer zur Ursache hatten, sind nach einem völlig anderen Schema abgelaufen.

Bei nur zwei Szeanarien passen alle bis jetzt bekannt gewordenen Fakten über den Flugverlauf tatsächlich zusammen: ein Hijacking oder ein sogenannter erweiterter Piloten-Suizid. Dass letzteres mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eingeschätzt wird und dabei der Flugkapitän mit höherer Wahrscheinlichkeit als der Täter eingestuft wird, hat mit den Funden zu tun, die die malaysische Polizei auf seinem privaten Flugsimulator machte und mit seinen politischen Aktivitäten als möglicher Motivation. Ob damit ein Unschuldiger verdächtigt wird könnten nur die Rekorder zeigen - solange wie es keine Beweise gibt hat der Flugkapitän nach rechtsstaatlichen Prinzipien jedenfalls als unschuldig zu gelten und der Fall schlicht als ungeklärt. Sogenannte erweiterte Piloten-Suizide hat es allerdings vorher und nachher schon gegeben - bereits in den 80er-Jahren der einzige bisher fehlgeschlagene Versuch bei der JAL; dann bei der Turkish-Airlines-Maschine, der Silk Air, der Embraer von Mozambique und beim Germanwings-Crash 2015. Der ehemalige australische Premier erzählt hier jedenfalls überhaupt nichts Neues.

Ich finde es offen gesagt nicht gut, wenn, ohne dass es tatsächlich einen neuen Stand der bekannten Fakten gibt, immer wieder dieses Thema medial durchgehechelt wird und wenn sich ehemalige Politiker damit öffentlich wichtig tun, es bringt sachlich einfach nichts, es ist immer wieder eine neue Quälerei für die Hinterbliebenen und ansonsten nur Futter für Verschwörungstheoretiker, da ja letztlich nichts wirklich widerlegbar ist, weder ein Unfall noch obskurer Unsinn wie das "Wegbeamen" durch irgendwelche Marsmännchen, was ich in einem Internet-Blog auch schon mal als angeblich sensationelle neue Erkenntnis in dem Fall gelesen habe.

Dieser Beitrag wurde am 24.02.2020 11:50 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 24.02.2020 - 10:28 Uhr
Es ist mir ein Rätsel, warum auch nach so langer Zeit immer noch Informationen zurückgehalten werden, die eindeutig aus den Ermittlungen hervorgegangen sind.
MH370 hatte über 2 Tonnen Lithium Ionen Batterien an Board. Das entsprechende Cargo Manifest lässt sich mittlerweile online finden. Es gibt Vermutungen aus Ermittlerkreisen, dass diese Batterien im FWD cargo bay in Flammen aufgegangen sind, was relativ schnell die gesamte Avionic und damit auch die Kommunikation in Mitleidenschaft gezogen hätte. Der südwestliche Kurs untermauert diese Vermutung, da beide Alternate Airports in dieser Richtung lagen.

Selbstverständlich sind dies alles nur Indizien, aber davon ausgehend, dass etwas an dieser Theorie dran ist, wäre MH370 aufgrund eines Feuers und dadurch ausgelöster Schäden entweder schlicht abgestürzt, oder aber die Crew wäre aufgrund von Rauchentwicklungen außer Gefecht gewesen und der Flieger hätte sich bis zum bitteren Ende in der Luft gehalten.

Beitrag vom 22.02.2020 - 06:38 Uhr
Klingt insgesamt sehr vernünftig.

Plausibel scheint einzig der Murder suicide durch den CPT., aber dafür hat man nur Indizien keine Fakten.
Da man die nicht hat, muss man andere Szenarien prüfen.

Durchaus möglich, wenn auch hoch unwahrscheinlich das ein Feuer Flieger und Besatzung lahmlegte, die System ausfiehlen und der Pilot in einem Versuch den Flieger zu retten nach Penang ausweichen wollte.
Sehr unwahrscheinlich das der Flieger dann richtung offenes Meer fliegt, und überhaupt in der Luft bleibt.


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